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Handelskrieg Der US-Zollstreit bedroht die Autoindustrie

Handelsstreit: USA erhöhen Druck auf deutsche Autoindustrie Quelle: dpa

Donald Trump erhöht mit drohenden Strafzöllen den Druck auf Europa. Sollte ein Handelskrieg mit den USA ausbrechen, dürfte vor allem die deutsche Autoindustrie leiden.

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Auf den ersten Blick geht es nur um drohende Zölle auf Stahl und Aluminium. US-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union eine Gnadenfrist gewährt, die am 1. Mai endet. Danach müssten Stahl- und Alulieferanten hohe Zölle zahlen, wenn sie die wichtigen Rohstoffe in die USA verkaufen wollen. Zwar ist Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag zu Besuch bei Trump, doch die Hoffnung schwindet, dass Diplomaten einen Kompromiss haushandeln können.

Der Handelskrieg ist noch nicht ausgebrochen, aber ein Ausbruch scheint bevorzustehen. Wenn es soweit kommt, befinden sich nicht nur Stahl und Aluminium in der Schusslinie. Thomas Strobel, Volkswirt bei der Großbank UniCredit, weist in einer aktuellen Analyse darauf hin, dass die USA noch weitere Instrumente aus der handelspolitischen Waffenkammer holen könnten.

So wurde schon im vergangenen Jahre eine Art Vergeltungssteuer auf Warengruppen diskutiert, für die Handelspartner der USA höhere Zölle verlangen. Beispiel: Der EU-Zoll auf US-Autos liegt 7,5 Prozent über dem, was die Amerikaner für die Einfuhr von europäischen Autos in die USA kassieren. Vor allem Deutschland dürfte hier empfindlich reagieren, da Autos Made in Germany bei Amerikanern beliebt sind, während die Deutschen kaum amerikanische Autos fahren. Ähnlich dürfte es bei Maschinen und Chemieprodukten aussehen.

Europäische Hersteller liefern vor allem Autos, Maschinen und Pharmaprodukte in die USA. Auch Trumps Drohung aus dem März, einen 25-Prozent-Zoll auf Autos einzuführen, steht noch im Raum. Klar, dass vor allem die exportstarke deutsche Autoindustrie davon getroffen würde. Die Autoexporte in die USA könnten im Fall eines solchen Strafzolls laut UniCredit um die Hälfte einbrechen.

Die Auswirkungen von Zöllen auf den globalen Handel sind allerdings schwer einzuschätzen, weil die Lieferketten über viele Länder und Wirtschaftsräume reichen. Manche Autohersteller haben eigene Fabriken in den USA. Doch die zahllosen notwendigen Zulieferteile wie Sitze, Räder oder Klimaanlagen werden in anderen Teilen der Welt gefertigt. Protektionismus trifft laut UniCredit-Volkswirt Strobel nicht nur fertige Produkte, sondern vor allem Zulieferteile und Rohstoffe. Bei komplexen Produkten wie Autos macht sich das stark bemerkbar.

Bei ihrem Besuch in den USA wird die Bundeskanzlerin wahrscheinlich vermeiden wollen, als Lobbyistin der deutschen Autoindustrie aufzutreten. Denn dafür hängt auch in USA die Wolke des rufschädigenden Abgasskandals noch zu stark in die Luft. Stattdessen dürfte Merkel eher eine europäische Perspektive einnehmen.

Diese Themen muss Merkel in den USA ansprechen
Die Kanzlerin reist zu ihrem zweiten Besuch bei US-Präsident Donald Trump nach Washington. Quelle: dpa
Der Streit um Strafzölle der Amerikaner auf Stahl und Aluminium ist längst nicht ausgestanden. Quelle: dpa
Der iranische Präsident Hassan Ruhani Quelle: dpa
Deutschland erfüllt noch immer nicht die Nato-Verpflichtung, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben. Quelle: dpa
Ostseepipeline Nordstream 2 Quelle: REUTERS
Vladimir Putin Quelle: REUTERS
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