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Haushaltsstreit Italienische Finanzmärkte atmen nach Ratingentscheidung auf

Die Haushaltspolitik der italienischen Regierung sorgt für Verunsicherung. Dass S&P den Staat aber für kreditwürdig hält, beruhigt die Börse.

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S&P News: Aktuelles zur Ratingagentur Standard and Poor's Quelle: Reuters

Frankfurt Die Bestätigung von Italiens Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) lässt die Finanzmärkte etwas aufatmen. Die Kurse italienischer Staatsanleihen legten zu. Zudem profitierte auch der italienische Aktienmarkt. S&P hatte am Freitagabend trotz der umstrittenen Haushaltspolitik der italienischen Regierung die Bonitätsnote bei „BBB“ belassen.

Dies sind zwei Stufen über dem Ramschniveau, das hochspekulative Anlagen beschreibt. Allerdings droht S&P jetzt der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone mit einer Herabstufung. Der Ausblick wurde von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen fielen um 0,10 Prozentpunkte auf 3,34 Prozent. Damit kann sich das Land günstiger am Kapitalmarkt finanzieren. Indes bleibt das Niveau relativ hoch: Zehnjährige deutsche Anleihen rentierten mit nur 0,35 Prozent.

Investoren haben viel Vertrauen in die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik, sodass sie sich mit wenig Zinsen begnügen. Zuvor waren die Kapitalmarktzinsen für italienische Anleihen deutlich gestiegen.

Sollte dieser Trend anhalten, dann müsste die italienische Regierung immer mehr Zinsen für ihre Schulden bezahlen. Italien hat mit einem Schuldenstand von 130 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) den zweithöchsten Wert in der Eurozone. Der italienische Aktienindex FTSE MIB stieg um 1,22 Prozent auf 18903 Punkte. Besonders stark profitierten Bankaktien. Die italienischen Banken halten hohe Bestände an heimischen Staatsanleihen.

Der Euro-Kurs fiel dagegen auf ein Tagestief von 1,1388 US-Dollar. Der Wechselkurs hatte zuletzt immer wieder auf Kursausschläge am italienischen Anleihemarkt reagiert. „Und ich denke, dass Italien weiterhin dominanter Treiber der Euro-Wechselkurse bleiben kann“, kommentierte Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank.

Die Haushaltspolitik der Regierung in Rom sorgt für Verunsicherung an der Börse, da Italien mehr neue Schulden aufnehmen will, als zunächst mit der EU-Kommission verabredet. Diese hatte den Haushaltsentwurf Italiens abgelehnt. Die Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega signalisierte bisher kein Einlenken.

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