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Hausse und kein Ende Dax schießt durch die Decke

Der Dax hat erstmals die Marke von 9800 Punkten überschritten. Optimisten sehen darin ein Zeichen für eine neue Stabilität. Doch mit jedem Punkt steigen die Risiken.

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Kleine Börsenchronik - Dax auf Rekordjagd
Dax-Höchststand Quelle: dpa
Foto vom roten Platz in Moskow Quelle: AP
Foto der US-Notenbank Quelle: dapd
Foto von Verona Pooth Quelle: dpa/dpaweb
Foto des Anschlages auf das World-Trade-Center am 11. September 2001 Quelle: REUTERS
Foto des Irakkrieges Quelle: dpa
Schriftzug IKB Quelle: dpa

"Viele unserer Kunden meinen, dass die Hausse jetzt mal eine Pause bräuchte; entsprechend zögerlich sind sie mit Neukäufen", beobachtet Dieter Helmle, Vorstand von Capitell Vermögens-Management in Frankfurt. Die Hausse läuft nun bereits seit März 2009, geht also in ihr sechstes Jahr. Viele Aktien sind inzwischen nicht mehr günstig. Die Vorstände börsennotierter Konzerne sehen das ähnlich und haben in den letzten Wochen so viele Aktien ihrer eigenen Firmen verkauft, wie seit Langem nicht. Diese sogenannten Insiderverkäufe gelten als guter Indikator, denn Insider sehen Risiken oft früher als weniger gut informierte Marktteilnehmer.

Verluste drohen vor allem bei einer Zuspitzung der Ukraine-Krise. Die ließ die Börsen bisher, von kurzen, heftigen Rücksetzern abgesehen, weitgehend kalt. Nur wenige deutsche Unternehmen hängen so stark am Exportgeschäfts mit Russland wie der Pharmakonzern Stada (20 Prozent des Konzern-Umsatzes), die Handelskette Metro oder Chemiekonzern BASF, bei dem rund 14 Prozent der Exporte nach Russland gehen. Doch nur auf direkte Einbußen zu schauen greift womöglich zu kurz. Eine Eskalation - Bürgerkrieg oder gar Einmarsch russischer Truppen in den Osten der Ukraine - hätte böse Folgen für die europäische Konjunktur.

Die beginnt zaghaft, sich von der Euro-Krise zu erholen. Irland, Griechenland und Portugal konnten wieder Staatsanleihen verkaufen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Euro-Zone nach zwei Jahren in der Rezession 2014 wieder um etwas mehr als ein Prozent wachsen wird; in Portugal und Spanien gebe es erste Hoffnungsschimmer.

Schickte Russland aber Truppen in die Ukraine, würde der Westen darauf mit scharfen Wirtschaftssanktionen reagieren. Neben einem Boykott russischer Rohstoffe sind auch Exportverbote für westliche Unternehmen denkbar. Und Europas Banken haben hohe Forderungen gegen Russland in den Büchern. 190 Milliarden Dollar Darlehen und Investitionen wären gefährdet.

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    Die Volkswirte der DZ Bank gehen davon aus, dass im Fall harter Sanktionen die deutschen Exporte nach Russland bis 2015 um die Hälfte einbrechen würden; Russland ist der drittwichtigste Handelspartner der EU, mit einem Anteil von 7,2 Prozent am Außenhandel. Kursrückgänge von Unternehmen mit starkem Russlandgeschäft "sind ein Klacks gegen das, was droht, wenn es zu drastischen Sanktionen oder zu einer Spirale aus Sanktionen und Gegensanktionen mit Russland kommt", sagt Michael A. Gayed, Chefanleger des Fondshauses Pension Partners in New York.

    Moskau dürfte auf schärfere Sanktionen mit Gaslieferstopps reagieren. Die Gaspreise in Westeuropa würden steigen, die DZ Bank schätzt: um bis zu 20 Prozent. Ein russischer Gaslieferstopp und scharfe Sanktionen der EU könnten die deutsche Wirtschaft nächstes Jahr mehr als einen Prozentpunkt Wachstum kosten, schätzt Stefan Bielmeier, Analyse-Chef der DZ Bank. "Statt um rund 2,7 Prozent würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt, BIP, dann 2015 nur noch um 1,5 Prozent wachsen", meint Bielmeier. Die japanische Nomura schätzt den Schaden für Europas Konjunktur auf 0,7 Prozentpunkte Wachstumseinbuße.

    Sorgen um China

    Tipps fürs Börsenjahr 2014
    Blick in die GlaskugelSelten waren Analysten bei ihrem jährlichen Blick in die Börsen-Glaskugel so optimistisch wie in diesem Jahr. Im Schnitt erwarten die Banken, dass der deutsche Leitindex Dax am Ende des Jahres bei rund 10.120 Punkten steht. Die größten Optimisten, in diesem Jahr die Analysten von Barclays, erwarten sogar einen Sprung auf 11.000 Punkte. Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Die Helaba und die National Bank aus Essen rechnen damit, dass der Schlussstand 2014 etwas unter dem von 2013 liegen wird. "Das war eine ziemlich unglaubliche Rally und irgendwann werden wir eine Korrektur sehen müssen, wenn voraussichtlich auch noch nicht im Januar", prognostizierte Aktienstratege Peter Garnry von der Saxo Bank. Quelle: dpa
    Geldpolitischer KurstreiberGrund zur Skepsis gibt es. Denn es sind weniger die fundamentalen Daten, die die Kurse in die Höhe schießen lassen, als die Handlungen der Notenbanker. Mit ihrer ultra-expansiven Geldpolitik haben EZB-Chef Mario Draghi und Fed-Chef Ben Bernanke den Grundstein für die Börsen-Rally 2013 gelegt. Bernanke kündigte kurz vor Weihnachten an, die Wertpapierkäufe der Fed langsam um 10 Milliarden Euro zurückzufahren. Damit sorgte er für ein Jahresend-Feuerwerk an den Börsen, der Dax kletterte auf über 9600 Punkte und damit auf den höchsten Stand aller Zeiten. Auch 2014 wird vieles an den Börsen von Draghi und Co. abhängen. Zieht die Fed ihr Tapering durch? Schafft auch die EZB die Kehrtwende? Oder senkt Draghi die Zinsen noch weiter? Genug Unruhepotenzial gibt es auf jeden Fall. Quelle: dpa
    Einstieg verpasst?Um rund 25 Prozent hat der Dax im vergangenen Jahr zugelegt. Das Problem: Viele Privatanleger in Deutschland konnten davon nicht profitieren. Die Furcht vor Blasen am Aktienmarkt ist noch so präsent wie nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes. Nur langsam kehren Anleger an die Börse zurück, an den globalen Aktienmärkten war 2013 das erste Jahr seit 2006 mit einem Nettozufluss. Laut dem deutschen Fondsverband BVI wurden zwischen Januar und Oktober sogar über sechs Milliarden Euro aus Aktienfonds abgezogen. Dabei gibt es auch für sicherheitsbewusste Anleger passende Aktieninvestments. Quelle: AP
    Für SicherheitsfansAuch sicherheitsbewusste Anleger müssen nicht auf Aktien verzichten. Allerdings birgt die Auswahl einzelner Aktien höhere Risiken, gewisse Marktkenntnisse sind erforderlich. Einfacher haben es Anleger mit Indexzertifikaten. Deren Entwicklung ist nicht an einzelne Papiere, sondern an jeweils einen ganzen Index wie beispielsweise den Dax geknüpft. Steigt der Leitindex, ist auch das Zertifikat mehr wert. Zwar ist mit einer Mischung aus Einzelaktien im Zweifel eine noch höhere Rendite drin, dafür ist das Risiko bei Indexzertifikaten aufgrund der Mischung vergleichsweise gering. Hinzu kommt, dass die Papiere im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds günstig sind. Quelle: AP
    Überschaubares RisikoWer dennoch Geld für einen aktiv gemanagten Fonds investieren will und Wert legt auf ein überschaubares Risiko, setzt am besten auf Mischfonds. Hier wird nicht nur in Aktien, sondern auch in festverzinsliche Papiere wie Anleihen investiert. Bekannt für ausgewogene Mischfonds ist der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch von Bert Flossbach und Kurt von Storch. Ihr Fonds Multiple Opportunities R investiert neben Aktien und Anleihen auch in Edelmetalle. Die Manager haben dabei keine Beschränkungen, was den Anteil von Aktien oder Anleihen angeht. Was zählt, ist die positive absolute Rendite. Auch DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen ist für seinen ausgewogenen Mischfonds bekannt. Quelle: dpa
    DividendenjagdWer als sicherheitsverliebter Anleger auf Aktien setzen will, stürzt sich mit Vorliebe auf dividendenstarke Titel. Grundsätzlich kann die Strategie zum Erfolg führen. Allerdings ist auch da Vorsicht geboten. Denn nicht immer bedeutet eine hohe Dividende gleichzeitig ein florierendes Geschäftsmodell. Wird die Dividende aus der Substanz gezahlt statt aus erwirtschafteten Gewinnen, ist das kein gutes Zeichen. Dennoch gibt es einige Papiere, die sich auch aufgrund ihrer stabilen Ausschüttungen lohnen. Im Dax gehört dazu die Allianz. Die Versicherung ist für eine stetige Ausschüttungspolitik bekannt, außerdem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als dem zehnfachen des Jahresgewinns vergleichsweise günstig. Ähnlich sieht es beim Rückversicherer Munich Re aus. Wem die Auswahl einzelner Aktien zu kompliziert ist, kann auch hier auf einen Fonds setzen. Einige investieren gezielt in Papiere mit hoher Dividendenrendite, etwa der DWS Top Dividende oder der M&G Global Dividend A. Quelle: dpa/dpaweb
    Mittleres RisikoWer mit Zukäufen ins neue Jahr starten will und etwas risikofreudiger ist, kann auf einzelne Aktien setzen. Dabei muss immer auf den Preis geachtet werden. Gerade lukrative Papiere im MDax, der zweiten Börsenliga, sind oft schon sehr teuer - Anleger zahlen ein Vielfaches des Jahresgewinns für eine Aktie. Es gibt aber auch noch Aktien großer Dax-Konzerne, die erschwinglich sind. Dazu zählt unter anderem die VW-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter zehn. Sollte die globale Konjunktur 2014 wie erwartet weiter anziehen, dürften die Wolfsburger davon profitieren. Insbesondere die Entwicklung in China ist entscheidend. Auch Vorzugsaktien von BMW punkten bei Privatanlegern mit einem niedrigen KGV bei gleichzeitig attraktiver Dividendenrendite. Wem die Rendite bei Mischfonds zu niedrig ausfällt, der kann auch auf spezialisierte Fonds setzen, die beispielsweise gezielt in deutsche, europäische oder US-Aktien investieren. Quelle: dpa

    Auch ohne Eskalation in der Ukraine drohen Rückschläge. Sorgen bereitet vor allem China. Gayed fürchtet, dass dort der Immobilienboom seinen Zenit überschritten hat. "Das chinesische Wirtschaftswunder beruhte zuletzt stark auf einer Ausweitung der Kreditvergabe, die meisten Kredite flossen in Immobilienprojekte", sagt er, "der Anteil des Wohnungsbaus an der Gesamtwirtschaftsleistung lag Ende 2012 mit zehn Prozent auf einem Level, das auch in anderen Ländern herrschte, bevor deren Immobilienblasen platzen, etwa Spanien."

    Schulden waren der Motor des chinesischen Wachstums in den letzten zwei Jahren - nicht mehr steigende Exporte in den Westen, der wegen der Finanzkrise weniger kaufte. Die Kreditvergabe in China geht nun erstmals seit Jahren stark zurück. Das nährt die Sorge, dass die Nachfrage nach Immobilien leiden und die heiß gelaufenen Preise ins Rutschen geraten könnten. Abschreibungen auf ausgefallene Hypothekenkredite bei chinesischen Banken und Schattenbanken könnten dann eine ähnliche Hypothekenkrise wie 2008 in den USA auslösen, fürchtet Gayed.

    Börsen-Aufschwung kommt ins Rentenalter

    "Die mögliche Belastung für die Weltwirtschaft durch China wird unterschätzt", meint auch Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale. Edwards fürchtet gar fallende Preise, also Deflation - nicht nur für Immobilien, sondern auf breiter Front in China. Die Gewinne westlicher Konzerne im Chinageschäft drohten dann zu kollabieren, folgert er. Denn viele Konzerne können in China höhere Gewinnmargen durchsetzen als in ihren Heimatmärkten; Apple zum Beispiel, das dort für ein neues iPhone im Schnitt 900 Dollar erlöst, in den USA nur 700. Ähnlich sind die Relationen bei VW, BMW und Daimler. Fällt in China die Nachfrage, kämen die Unternehmensgewinne doppelt unter Druck.

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      Die normale Dauer eines Aufwärtszyklus an den Börsen liegt bei etwa fünf Jahren - ihre durchschnittliche Lebenserwartung hat die aktuelle Hausse also bereits überschritten. Immer mehr Anleger bangten, dass die Party enden werde, sagt David Kostin, Anlagestratege bei Goldman Sachs: "Im Prinzip hat in den letzten Tagen jeder Kunde schon mal nach Gewinnmitnahmen gefragt." Die Kurse haben, global gesehen, vor Kurzem wieder das Niveau von vor Beginn der weltweiten Finanzkrise im Sommer 2008 erreicht. Der Dax notiert sogar gut 1000 Punkte höher als damals, liegt seit dem Finanzkrisentief im März 2009 fast 160 Prozent im Plus.

      Klar: Ein Teil davon geht auf das Konto von Dividenden, die den Anlegern niemand mehr nehmen kann. Doch nun verliert die Hausse an Schwung; dem Dax droht die Puste auszugehen. "Zwar halten sich die großen Indizes wie S & P 500, Dax und Dow Jones noch gut. Aber darunter finden starke Bewegungen bei den einzelnen Aktien statt, vor allem bei den kleinen", beobachtet Uwe Wiesner, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Hansen & Heinrich in Berlin. Die Warnsignale mehren sich: -- Viele Wachstumsaktien - also Papiere mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum und hoher Börsenbewertung - sind von ihren Nachkrisenhochs in kurzer Zeit stark gefallen. Netflix, Tesla, oder Twitter sind schon mehr als 30 Prozent von ihren zwischenzeitlichen Hochs entfernt, auch Schwergewichte wie Google und Amazon haben gelitten.

      Immer weniger Titel

      Diese Indizes haben 2013 am meisten zugelegt
      ATXDer Australien Traded Index (ATX) bildet die 20 größten börsennotierten Unternehmen Österreichs ab. In den ersten drei Quartalen hat der Leitindex ein Plus von sechs Prozent verbucht. Die dazugehörige Wiener Börse ist 1771 gegründet worden und gehört damit zu den ältesten Handelsplätzen der Welt. Heute beherbergt sie neben dem klassischen Wertpapierhandel auch die Strombörse EXAA sowie die CEGH Gas Exchange. Quelle: dpa
      Euro-Stoxx-50Noch mehr zulegen konnte der Euro-Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone beinhaltet. Zehn Prozent legte das europäische Börsenbarometer seit Beginn des Jahres zu. Wenn sich die europäische Wirtschaftslage weiterhin stabilisiert und das Vertrauen der Anleger steigt, ist bis zum Jahresende noch mehr drin. Quelle: dapd
      DAXDer deutsche Leitindex DAX belegt im internationalen Vergleich Rang sieben. Im Verlauf der ersten drei Quartale des Jahres konnte der deutsche Aktienindex 13 Prozent zulegen. Für das vierte Quartal sind Analysten ebenfalls optimistisch. Die meisten von ihnen sehen lediglich die Gefahr zwischenzeitlicher Rücksetzer an den Börsen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Jahreshöchststände noch nicht gesehen haben“, schreiben etwa die Marktspezialisten der Landesbank Baden-Württemberg. Quelle: dpa
      Dow JonesDie lockere Geldpolitik der Fed hat sich für den amerikanischen Aktienindex Dow Jones rentiert. Nachdem klar war, dass die US-Notenbank weiterhin monatlich Immobilienpapiere und Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar kaufen wird, ging es für den Index nach oben. Allgemein stieg der Wert des Dow Jones' in den ersten neun Monaten des Jahres um 15 Prozent. Quelle: AP
      SMIDer Schweizer Leitindex "Swiss Market Index" (SMI) zieht sogar am amerikanischen Dow Jones vorbei. Der SMI legte bis September um 16 Prozent zu. Grund dafür dürften die starken Kursgewinne von UBS und Credit Suisse sein, die im Index enthalten sind. Quelle: AP
      Nikkei 225Die wirtschaftlichen Reformpläne in China haben zu Wochenbeginn für gute Stimmung an den Aktienmärkten in Fernost gesorgt. Die internationalen Märkte wird es freuen, weil der ohnehin schon erfolgreiche japanische Index Nikkei 225 dadurch noch mehr zulegen könnte. Bis September 2013 legte der Index um 40 Prozent zu. Quelle: AP
      GSE-All-Share-IndexNoch stärker legte der GSE-All-Share-Index an der Börse in Ghana zu. Im internationalen Vergleich erreicht die Börse in Accra mit einem Plus von 44 Prozent den dritten Rang - vor Europa, Deutschland, den USA und der Schweiz. Der Grund für den starken Zuwachs ist das gute Rohstoffgeschäft der Minengesellschaften, die den Index dominieren. Quelle: dpa

      -- Bei Nebenwerten gab es besonders starke Kursrückgänge in den vergangenen Wochen; der deutsche Index für mittelgroße Werte, MDax, hat von seinem Hoch Ende Februar bereits 1000 Punkte verloren, er lief in den letzten drei Wochen damit deutlich schlechter als der Dax.

      -- Die Schwäche vieler kleiner Aktien führt dazu, dass sich der Anteil der Aktien insgesamt, die noch steigende Kurse aufweisen, gegenüber jenen mit fallenden Kursen seit Beginn des Jahres drastisch verschlechtert hat. Wenn immer weniger Titel eine Hausse tragen, droht Gefahr. "In den USA gab es seit März ein regelrechtes Blutbad bei den kleinen Nebenwerten", bemerkt Gayed, "das blieb aber von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, weil viele nur auf die bekannten Indizes S & P 500 und Dow Jones schauen."

      Auch sind Aktien im Durchschnitt nicht mehr billig. Der Börsenwert der Dax-Aktien entspricht dem 13-Fachen der von Analysten für die kommenden zwölf Monate erwarteten Nettogewinne der 30 Konzerne. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt zwar nicht weit über dem Durchschnitt der letzten zwölf Jahre von 11,6", sagt Zimmermann; aber die Gewinnschätzungen, besonders für das erste Halbjahr 2015, seien zu optimistisch: "Sie dürften im Laufe des Jahres noch sichtbar nach unten korrigiert werden. Die Weltwirtschaft wird 2014 und 2015 nicht stark genug wachsen, um die derzeit angenommenen zweistelligen Zuwachsraten der Unternehmensgewinne zu ermöglichen", sagt Zimmermann.

      So rechnen Analysten für das erste Quartal 2015 im Schnitt mit einem Gewinnplus von 20 Prozent, was die Gewinne nahe an ihren historischen Bestwert von 2007 brächte. Berechnet man das KGV nicht auf Basis (unrealistisch hoher) Gewinnschätzungen, sondern anhand der bereits verbuchten Gewinne, trübt sich das Bild ein: Aktien sind demnach bereits sehr teuer. So liegt das KGV des Dax auf Basis der Gewinne von 2013 schon bei 18,3. Noch plastischer zeigt die hohe Bewertung das Shiller-KGV, eine Kennziffer, die der Nobelpreisträger und Yale-Professor Robert Shiller ersann: Beim Shiller-KGV dividiert man den Börsenwert der Unternehmen durch deren gemittelte, inflationsbereinigte Gewinne der letzten zehn Jahre. So werden saisonale Schwankungen und Fehlprognosen der Analysten eliminiert. Das Shiller-KGV des S & P 500 liegt bei knapp 26, der langjährige Durchschnitt (seit 1920) ist 16,9. Das Shiller-KGV war allerdings auch schon einmal bei 45. Doch das war 1999, kurz vor dem Jahrtausend-Crash. Dennoch: "So ein Bewertungsniveau ist crashanfällig", meint Zimmermann, "eine hohe Bewertung alleine ist zwar selten ein Crash-Grund, sie legt aber die Basis dafür."

      Gewinnmargen ausgereizt

      Wo sich Blasen aufbauen
      Deutschl andHauspreis zu Miete: -14 % (Unterbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: -16 % (Unterbewertung) (Hauspreise gemessen an ihrem historischen Durchschnittsverhältnis zu Mieten und Durchschnittseinkommen) Die Zahlen zeigen, dass deutsche Immobilienkäufer nach wie vor solide finanzieren. Auch wenn es in einzelnen Metropolen zu Überhitzungen gekommen ist, so geht für die gesamte Wirtschaft noch keine Gefahr vom Immobilienmarkt aus. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
      NiederlandeHauspreis zu Miete: +6 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +23 % (Überbewertung) Die Niederlande kämpfen seit vielen Jahren mit einer Immobilienkrise. Inzwischen sind die Preise zwar deutlich gefallen, aber noch immer sind Häuser recht sportlich bewertet. Quelle: Deutsche Bank Quelle: AP
      ÖsterreichHauspreis zu Miete: +13 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +15 % (Überbewertung) Auch in Österreich sind Immobilien teuer, gemessen an den Mieten und Durchschnittseinkommen. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
      DänemarkHauspreis zu Miete: +15 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +9 % (Überbewertung) Dänen finanzieren gerne Wohnung und Haus ohne monatliche Tilgungsraten. Die Banken machen das, weil sie von deutlich steigenden Immobilienpreisen und steigenden Einkommen ausgehen. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
      SpanienHauspreis zu Miete: +20 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +13 % (Überbewertung) Der Immobilienboom führte in Spanien lange zu massiver Bautätigkeit. Heute zeugen Rohbauten und leerstehende Gebäude vom Platzen der Immobilienblase. Noch sind die Preisübertreibungen nicht abgebaut. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
      SchwedenHauspreis zu Miete: +32 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +16 % (Überbewertung) Die Hauspreise in Schweden haben sich wie dieses "Turning Torso" genannte Appartment-Hochhaus weit in den Himmel geschraubt. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa/dpaweb
      FrankreichHauspreis zu Miete: +36 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +29 % (Überbewertung) Frankreichs Wirtschaft kommt nicht recht in Schwung. Die Gefahren für hochverschuldete Haushalte nehmen zu. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa

      Nun braucht es nur noch einen Auslöser; der könnte die Ukraine-Krise sein oder auch eine Reihe von Gewinnwarnungen. Die dürften früher oder später kommen, denn viele Konzerne arbeiten mit rekordhohen Margen (Anteil des Gewinns am Umsatz). Die Margen sind ausgereizt, durch niedrige Kapital- und Rohstoffkosten, Sparprogramme und die Lohnzurückhaltung der Mitarbeiter in den Krisenjahren. "In den USA, China, Großbritannien und Deutschland werden die Löhne steigen, und der Druck durch Rohstofflieferanten und Zulieferer auf die Gewinnmargen wird zunehmen", meint Gayed.

      Aktien könnten natürlich auch in die derzeit hohe Bewertung hineinwachsen. Da aber die Gewinnmargen ausgereizt sind, bräuchte es dazu mehr Umsatzwachstum; das ist - trotz Linderung der Euro-Krise und relativ starker US-Konjunktur - in vielen Branchen nicht in Sicht. Denn die zarte Erholung der Konjunktur in den Industrieländern wird konterkariert durch die Schwäche Chinas und der anderen Schwellenländer. 2012 und 2013 wurden die Kurse fast nur noch von höheren Bewertungen getrieben; das heißt, dass die Anleger an der Börse für denselben Euro Gewinn eines Unternehmens mehr bezahlten. Sie gestanden den Aktien also immer höhere KGVs zu.

      Dabei geholfen hat das ultrabillige Geld der Notenbanken: Weil niedrige Zinsen Anleihen im Vergleich zu Aktien unattraktiv machen und die Unternehmen zudem von niedrigen Kapitalkosten profitieren, wirkte die Geldpolitik wie Doping auf die Börse. Doch die US-Notenbank Fed reduziert die Dosis. Portfoliomanager Wiesner: "Seit Januar hat die Fed ihre Anleihekäufe aber schon von 85 auf 45 Milliarden Dollar monatlich reduziert; und die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank, EZB, hat sich seit dem Höhepunkt der Euro-Krise halbiert; lässt EZB-Präsident Mario Draghi seinen Worten nicht bald Anleihekäufe folgen und behält die US-Notenbank unter der neuen Präsidentin Janet Yellen ihr Drosseltempo bei, dann ist der zusätzliche Kurstreiber billiges Geld bald nicht mehr existent."

      Insider gehen von Bord

      Die verschreckten Drachenbanken
      In China wächst die Furcht vor einer Krise im Bankensektor. Nachdem mehrfach im Finanzsystem die Liquidität knapp geworden ist, leihen sich die Institute nur noch ungern gegenseitig Geld. Die Interbankenrate, der Zinssatz für Geldgeschäfte zwischen Banken, ist von unter vier Prozent auf über fünf Prozent hochgeschossen. Quelle: rtr
      Immer wieder geraten einzelne Institute in Verruf, dass sie von anderen Banken kein Geld mehr geliehen bekommen. So musste ein mittelgroßes Institut, die Everbright-Bank, sich gegen das Gerücht wehren, ihr gehe das Geld aus. Die Kurse der chinesischen Banktitel purzelten in den Keller. Obendrein hat Chinas Zentralbank in ihrer ersten Stellungnahme seit Ausbruch der Wirren die Hoffnung auf Hilfe zerschlagen. Quelle: rtr
      Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)Unter Chinas Großbanken stand die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) 2012 mit einer Bilanzsumme von umgerechnet 2,1 Billionen Euro an erster Stelle der Geldinstitute. Quelle: rtr
      Kunden verlassen eine Filiale der ICBC Quelle: REUTERS
      China Construction Bank (CCB)Die China Construction Bank (CCB) kam auf eine Bilanzsumme von 1,7 Billionen Euro und ist damit das zweitgrößte Institut Chinas. Quelle: rtr
      Laut Finanzexperten stiegen die Zinsen auf das Niveau, das an den eingefrorenen Interbankenmarkt vor der Lehman-Pleite 2008 erinnert. Die chinesische Zentralbank will nicht einspringen. Sie ist offenbar entschlossen, die Banken zu zwingen, ihre Schuldenlast selbst zu reduzieren. Quelle: rtr
      Zum Vergleich: Die Deutsche Bank wies für 2012 eine Bilanzsumme von rund zwei Billionen Euro aus. Quelle: rtr

      Beunruhigende Signale senden auch die Unternehmensinsider, also Vorstände und Aufsichtsräte der Konzerne. Insider wissen in der Regel schneller und besser über Dinge wie Auftragseingang, Kostenentwicklung oder Zinskonditionen Bescheid als außenstehende Analysten, Volkswirte und Anleger. Zwar ist die Zahl der Vorstände und Aufsichtsräte, die privat Aktien der von ihnen geleiteten Unternehmen verkaufen, fast immer höher als die der Käufer. Denn viele Chefs bekommen Aktienoptionen als Vergütungsbestandteil, die sie in Aktien wandeln und verkaufen. Solchen Verkäufen müssen keine schlechten Nachrichten aus den Unternehmen zugrunde liegen.

      Dennoch war das Verhältnis von Verkäufern zu Käufern bei US-Unternehmen in den letzten 20 Jahren nur zwei Mal höher als im April 2014: Anfang 2007 und Anfang 2011 - also jeweils ein paar Monate vor einem Kurseinbruch. Das Warnsignal wird noch deutlicher, wenn man die Insiderverkäufe um die Verkäufe aus ausgeübten Aktienoptionen bereinigt, wie es Nejat Seyhun, Finanzprofessor von der University of Michigan, kürzlich getan hat. Seyhun studiert das Handelsgebaren der US-Unternehmensinsider seit Jahrzehnten, er sagt: "Um Optionen bereinigt, waren die Insiderverkäufe seit 25 Jahren nicht mehr so hoch. Zuletzt hatten wir sechs Mal mehr Verkäufer als Käufer, normalerweise liegt das Verhältnis bei drei."

      Börse



      In Europa bietet sich das gleiche Bild: "Wenn der Markt eine Weile lang stark gestiegen ist, ist es zwar normal, dass die Insider vermehrt Aktien verkaufen; sie verhalten sich traditionell antizyklisch", sagt Patrick Hable, Gründer von 2IQ-Research, der aus London die Insider-Deals europäischer Unternehmenslenker untersucht. "Im Moment ist das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern aber extrem niedrig. Auf 100 Verkäufer kommen nur 13 Käufer. Anfang 2014 waren es noch 40 Käufer. Alles unter 20 ist ein Alarmzeichen", warnt Hable.

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