Hausse und kein Ende Dax schießt durch die Decke

Der Dax hat erstmals die Marke von 9800 Punkten überschritten. Optimisten sehen darin ein Zeichen für eine neue Stabilität. Doch mit jedem Punkt steigen die Risiken.

Kleine Börsenchronik - Dax auf Rekordjagd
Dax-Höchststand Quelle: dpa
Foto vom roten Platz in Moskow Quelle: AP
Foto der US-Notenbank Quelle: dapd
Foto von Verona Pooth Quelle: dpa/dpaweb
Foto des Anschlages auf das World-Trade-Center am 11. September 2001 Quelle: REUTERS
Foto des Irakkrieges Quelle: dpa
Schriftzug IKB Quelle: dpa

"Viele unserer Kunden meinen, dass die Hausse jetzt mal eine Pause bräuchte; entsprechend zögerlich sind sie mit Neukäufen", beobachtet Dieter Helmle, Vorstand von Capitell Vermögens-Management in Frankfurt. Die Hausse läuft nun bereits seit März 2009, geht also in ihr sechstes Jahr. Viele Aktien sind inzwischen nicht mehr günstig. Die Vorstände börsennotierter Konzerne sehen das ähnlich und haben in den letzten Wochen so viele Aktien ihrer eigenen Firmen verkauft, wie seit Langem nicht. Diese sogenannten Insiderverkäufe gelten als guter Indikator, denn Insider sehen Risiken oft früher als weniger gut informierte Marktteilnehmer.

Verluste drohen vor allem bei einer Zuspitzung der Ukraine-Krise. Die ließ die Börsen bisher, von kurzen, heftigen Rücksetzern abgesehen, weitgehend kalt. Nur wenige deutsche Unternehmen hängen so stark am Exportgeschäfts mit Russland wie der Pharmakonzern Stada (20 Prozent des Konzern-Umsatzes), die Handelskette Metro oder Chemiekonzern BASF, bei dem rund 14 Prozent der Exporte nach Russland gehen. Doch nur auf direkte Einbußen zu schauen greift womöglich zu kurz. Eine Eskalation - Bürgerkrieg oder gar Einmarsch russischer Truppen in den Osten der Ukraine - hätte böse Folgen für die europäische Konjunktur.

Die beginnt zaghaft, sich von der Euro-Krise zu erholen. Irland, Griechenland und Portugal konnten wieder Staatsanleihen verkaufen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Euro-Zone nach zwei Jahren in der Rezession 2014 wieder um etwas mehr als ein Prozent wachsen wird; in Portugal und Spanien gebe es erste Hoffnungsschimmer.

Schickte Russland aber Truppen in die Ukraine, würde der Westen darauf mit scharfen Wirtschaftssanktionen reagieren. Neben einem Boykott russischer Rohstoffe sind auch Exportverbote für westliche Unternehmen denkbar. Und Europas Banken haben hohe Forderungen gegen Russland in den Büchern. 190 Milliarden Dollar Darlehen und Investitionen wären gefährdet.

Die Volkswirte der DZ Bank gehen davon aus, dass im Fall harter Sanktionen die deutschen Exporte nach Russland bis 2015 um die Hälfte einbrechen würden; Russland ist der drittwichtigste Handelspartner der EU, mit einem Anteil von 7,2 Prozent am Außenhandel. Kursrückgänge von Unternehmen mit starkem Russlandgeschäft "sind ein Klacks gegen das, was droht, wenn es zu drastischen Sanktionen oder zu einer Spirale aus Sanktionen und Gegensanktionen mit Russland kommt", sagt Michael A. Gayed, Chefanleger des Fondshauses Pension Partners in New York.

Moskau dürfte auf schärfere Sanktionen mit Gaslieferstopps reagieren. Die Gaspreise in Westeuropa würden steigen, die DZ Bank schätzt: um bis zu 20 Prozent. Ein russischer Gaslieferstopp und scharfe Sanktionen der EU könnten die deutsche Wirtschaft nächstes Jahr mehr als einen Prozentpunkt Wachstum kosten, schätzt Stefan Bielmeier, Analyse-Chef der DZ Bank. "Statt um rund 2,7 Prozent würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt, BIP, dann 2015 nur noch um 1,5 Prozent wachsen", meint Bielmeier. Die japanische Nomura schätzt den Schaden für Europas Konjunktur auf 0,7 Prozentpunkte Wachstumseinbuße.

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