Hochfrequenzhandel Vermögensverwalter Flossbach kritisiert Banken und Börsen

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Der Kölner Fondsverwalter Bert Flossbach, mit einem Anlagekapital von 15 Milliarden Euro einer der Großen der Branche, hat die Börsen aufgefordert, Hochfrequenzhändlern nicht länger Zeitvorteile gegen Bezahlung anzubieten.

Bert Flossbach geht nicht davon aus, dass eine Finanztransaktionssteuer den Hochfrequenzhandel eindämmen würde Quelle: dpa

„Sie verkaufen ihnen Orderdaten, die ihnen einen Zeitvorsprung bieten. Und sie erlauben ihnen, ihre Rechner möglichst nah an der Börse aufzustellen, so dass sie durch diese Co-Location minimale Zeitvorteile haben“, kritisiert Flossbach in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. „Wer mehr bezahlt, bekommt den kürzesten Weg. Börsen und Banken riskieren mit dem Verkauf von Co-Location und Orderflow an Hochfrequenzhändler das Vertrauen ihrer Kunden.“

Der Hochfrequenzhandel habe den Handel auch klassischer Vermögensverwalter stark beeinflusst. „Ihr Einfluss hat enorm zugenommen. Egal, wo ich eine Order platziere, computergetriebene Händler sind mit im System und können meine Order ausspähen, wenn ich mich nicht davor schütze“, beklagt Flossbach. „Verwerflich am Hochfrequenzhandel ist der Missbrauch durch künstlich geschaffene Volatilität und unredliche Orderinstruktionen, die nur dazu dienen, den Markt auszuspionieren.“

Als Vermögensverwalter sei er nun gezwungen, sich mit hohem Aufwand gegen dieses Ausspähen zu wehren. „Wir haben die Zahl unserer Mitarbeiter im Handel deutlich erhöht und unsere Kauf- und Verkaufsstrategien für Aktien verfeinert“, so Flossbach. So würden Aktien nur noch zu ganz bestimmen Zeiten gehandelt. „Üblicherweise nutzen wir Phasen mit einem regen Handel, in den USA etwa zwischen 15.30 Uhr und 16.30 Uhr. Wir gehen antizyklisch vor, beschleunigen also eine Kauforder, wenn der Preis fällt. Außerdem verfolgen wir permanent die Ausführungsqualität unserer Orders während des Handels. Früher konnte man Käufe und Verkäufe einfach mit Limit an den Bankhändler übertragen. Dies ist heute nicht mehr sinnvoll.“

Wirkungslos ist allerdings nach Flossbachs Einschätzung die Einführung der Transaktionssteuer. Sie werde den Hochfrequenzhandel überhaupt nicht eindämmen. „Diese Steuer trifft nur die Anleger. Banken und Broker-Dealer mit direktem Börsenzugang sind davon befreit, sofern sie die Aktien am Ende des Handelstages wieder verkauft haben“, sagte Flossbach. „Die Finanztransaktionsteuer ist also keine Bestrafung der Banken, wie von der Politik gerne behauptet wird, sondern bestraft vor allem Kleinanleger, die für ihr Alter vorsorgen wollen. Die Steuer ist blanker Zynismus.“

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