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Hohe Schulden, wenig Cashflow Vapiano hat fast kein Eigenkapital mehr

Wie die Vapiano-Zahlen zu deuten sind Quelle: dpa

Hohe Verluste haben den Einsatz der Anleger nahezu komplett aufgezehrt, die Schulden wachsen weiter: Im Schnellcheck zeigt die Halbjahresbilanz, wie schlimm es um Vapiano steht – und warum die Aktie trotzdem steigt.

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Drei Monate Zeit haben börsennotierte Gesellschaften, um Aktionären ihren Halbjahresabschluss zu präsentieren. Dass Unternehmen tatsächlich mal in die Nähe dieser Marke kommen, ist selten. Die Kölner Restaurantkette Vapiano aber ließ ihre Aktionäre lange schmoren. Erst am 11. September, also rund zweieinhalb Monate nach Halbjahresende, stellte Vapiano seinen mit Spannung erwarteten Bericht vor. Das Unternehmen steckt zwei Jahre nach dem Börsengang in einer schweren Krise, weil es sich bei der Expansion verhoben hat und unter Gästeschwund leidet. Der Aktienkurs hat sich seit dem Hoch etwa gefünftelt. Nun also können die gebeutelten Aktionäre aus erster Hand nachlesen, wie es um das Unternehmen bestellt ist – beziehungsweise war.

Aufschlussreich ist etwa die Seite 30 des Halbjahresberichts. Dort steht, dass das Unternehmen Mitte Juni 12,9 Millionen Euro Kredit von seinen Großaktionären ausgezahlt bekam und Banken zuvor gesperrte Kreditlinien wieder freigaben. Weiter heißt es: „Unter Berücksichtigung dieser Vereinbarung erfolgte die Aufstellung des Konzernabschlusses unter der Annahme der Unternehmensfortführung.“ Das zeigt: Die Kölner brauchten das Geld sehr dringend. Dank der Finanzspritze verfügte der Konzern zum 30. Juni wieder über gut 20 Millionen Euro Bares.

Das Bargeldpolster ist auch nötig. Denn das im operativen Geschäft erwirtschaftete Geld reicht nicht annähernd, um die Investitionen zu decken. Schon im Vorjahreszeitraum hatte Vapiano operativ nur rund drei Millionen Euro Bares erwirtschaftet, aber etwa 34 Millionen Euro investiert. Vergleichbar gerechnet ist der operative Kapitalfluss im ersten Halbjahr 2019 nun sogar negativ. Der Betrieb der Restaurants kostet also Bares, statt liquide Mittel abzuwerfen. Zwar hat der Konzern reagiert und auch die Investitionen deutlich gedrosselt. Trotzdem expandierte Vapiano und steckte zudem Geld in bestehende Restaurants – diese Posten musste das Unternehmen durch neue, hoch verzinste Kredite refinanzieren.

470 Millionen Euro Schulden, zwei Prozent Eigenkapital

Die ohnehin stattliche Nettoverschuldung stieg daher im Vergleich zum Jahresanfang nochmal um 15 Prozent auf rund 200 Millionen Euro – pro forma. Weil Vapiano nach neuen Bilanzierungsvorschriften seit 2019 auch die Verbindlichkeiten aus Leasing bilanzieren muss, steht der Konzern offiziell gar mit 470 Millionen Euro netto in der Kreide. Das entspricht mehr als einem Jahresumsatz und ist ein extrem hoher Wert. Diesen großen Schuldenberg zu reduzieren ist daher eine Hauptaufgabe für die neue Chefin Vanessa Hall, die ihr Amt vor einer Woche antrat. Vapiano will sich dafür von unrentablen Standorten trennen und die Globalisierungsstrategie der vergangenen Jahre rückabwickeln. Die Standorte jenseits Europas, vor allem die sechs in den USA und sieben in Australien, stehen zur Disposition. Für die US-Restaurants vermeldete Vapiano schon im Januar einen Käufer. Der aber zahlte nicht. Das Unternehmen ist nun wieder auf der Suche nach einem Abnehmer.

Das Geschäft in Australien hatte Vapiano erst im vergangenen Jahr übernommen. Doch die Übernahme brachte zwar zusätzlichen Umsatz, ist aber defizitär. Weil zugleich etablierte Standorte schwächeln, fiel die Umsatzmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen („Ebitda-Marge“) des Konzerns im ersten Halbjahr von knapp fünf Prozent im Vorjahreszeitraum auf nur noch ein Prozent. Netto weist Vapiano vergleichbar gerechnet einen Verlust von 29 Millionen Euro aus; noch mal knapp zwei Drittel mehr als im ersten Halbjahr 2018. Inklusive der Effekte aus der neuen Bilanzierungsvorschrift ist das Minus sogar noch etwas größer.

Die Verluste haben das Eigenkapital fast aufgezehrt – und das, obwohl Vapiano beim Börsengang vor zwei Jahren 86 Millionen Euro von Anlegern einnahm und vergangenes Jahr nochmal neue Aktien ausgab. Doch die Eigenkapitalquote liegt nach der neuen Bilanzierungsregel nur noch bei zwei Prozent. Das den Aktionären zurechenbare Reinvermögen je Aktie ist auf 13 Cent gefallen.

An der Börse kamen die Halbjahres-Zahlen trotzdem gut an. Der Kurs der Aktie sprang nach Bekanntgabe um gut drei Prozent auf 5,17 Euro nach oben. Möglicherweise sieht mancher Anleger nach all den schlechten Nachrichten und Zahlen nun vor allem das Positive: Die Ziele für 2019 bestätigten die Kölner im Halbjahresbericht. Um allerlei Sondereffekte bereinigt wollen sie vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mindestens 51 Millionen Euro verdienen. Netto allerdings wird abermals ein deutlicher Verlust zu Buche stehen.

Erst 2021 sollen auch nach Abzug aller Kosten wieder schwarze Zahlen herausspringen.

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