Immer mehr Einfluss Spekulanten erobern Oldtimer-Markt

38 Millionen Dollar hat jüngst ein unbekannter Bieter für einen Ferrari 250 GTO gezahlt. Spekulanten nehmen immer mehr Einfluss auf das Geschäft mit den Auto-Veteranen, was Oldtimer-Experte James Knight besorgt.

Dieser Ferrari 250 GTO hat eine bewegte Historie, was auch den Preis nach oben getrieben hat. Quelle: Bonhams

Die Oldtimer-Welt hat einen neuen Rekord: Im Rahmen des Concours d’Élégance von Pebble Beach versteigerte das Auktionshaus Bonhams einen der raren Ferrari 250 GTO von 1963. Bei der Auktion brachte die rote Legende aus Maranello 38 Millionen Dollar ein, so viel wurde noch nie bei einer Auktion für ein Auto gezahlt. Der Ferrari 250 GTO ist bei Sammlern besonder begeht, von ihm wurden nur 39 Exemplare von Hand gefertigt. Zudem ist der GTO der letzte Ferrari mit einem vom italienischen Motoren-Guru Giotto Bizzarrini entworfenen Zwölfzylinder – was den Preis weiter treibt.

Der Rekordwert bei der Auktion in Pebble Beach wird die Spekulation mit automobilen Klassikern bekannter Marken weiter anheizen. Den Experten freut das nicht unbedingt.

Wirtschaftswoche: Herr Knight, Sie leiten seit 1984 bei Bonhams das Geschäft mit alten Autos. Wie hat sich das in den 30 Jahren verändert?

James Knight: Es war früher wesentlich entspannter als heute. Es gab kein Internet, nicht einmal Faxgeräte, nur Telefon und Postbriefe. Und es gab keinen so harten Wettbewerb zwischen den Auktionshäusern um Fahrzeuge und Kunden: In den späten Achtziger-, Neunzigerjahren fanden maximal vier Autoversteigerungen im Jahr statt, heute sind es über 20 weltweit. Also: Das Geschäft mit alten Autos ist enorm gewachsen.

Young- und Oldtimer, bei denen sich der Einstieg noch lohnt

Manche sagen: zu stark.

Den Eindruck könnte man in der Tat gewinnen. Es gibt inzwischen zu viele Auktionen, aber auch zu viele Oldtimer-Händler. Wenn sich der Wind einmal drehen sollte, droht ein heftiges Gewitter.

Wann wird das sein?

Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Ich habe die erste Blasenbildung zwischen 1984 und 1989 bei Christie’s miterlebt. Ich bin dann zu Brooks gewechselt und habe 1991/92 miterlebt, wie es plötzlich bergab ging mit den Preisen für klassische Luxusautos. Die Situation damals ist mit der heutigen aber nicht zu vergleichen.

Warum nicht?

Weil die Rahmenbedingungen damals andere waren: Die Blase platzte, weil Anfang der Neunzigerjahre plötzlich die Zinsen in die Höhe schossen. Viele der wertvollen Autos waren wenige Jahre zuvor von Spekulanten mit geliehenem Geld erworben worden. Die konnten nun nicht mehr ihre Kredite bedienen und warfen die Autos in großer Stückzahl und ohne Limit auf den Markt. Viele der Autos gingen auch in den Besitz von Banken über, die kein Interesse am Aufbau einer Autosammlung hatten. Das sorgte dafür, dass das Angebot sehr schnell die Nachfrage überstieg und die Preise nach unten purzelten.

Unterm Hammer: Die teuersten Autos der Welt
Jedes Jahr kommen im kalifornischen Pebble Beach die Schönen und Reichen zusammen, um die teuersten Autos der Welt zu ersteigern.
Trotz Euro-Krise sind die Preise für Oltimer und klassische Sportwagen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen.
Auch dieser Ferrari wird versteigert. Auch wenn hier verdammt hohe Preise für die Oltimer gezahlt werden: Abseits der Auktionen wird viel mehr gezahlt. Derzeit gilt als teuerster Sportwagen der Welt der 1962 Ferrari 250 GTO. Der US-Mobilfunkpionier Craig McCaw kaufte ihn im Mai für 35 Millionen Dollar.
Eine der Attraktionen der Veranstaltung: ein seltener 1936 Mercedes Benz 540 K Special Roadster. Das Prachtstück gehörte einst der deutschen Baronin Gisela von Krieger, einer Schönheit der 30er Jahre.
Bei immerhin 11,7 Millionen Dollar fällt der Hammer für das Prachtstück.
Diese Spezialausführung des Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse wird in Pebble Beach gleich an einen Kunden verkauft – zum stolzen Preis von 2,2 Millionen Dollar.
Auch Freunde historischer Motorräder kommen auf ihre Kosten. Quelle: dapd

Und heute?

Heute haben wir sehr, sehr niedrige Zinsen, und das wohl noch für Jahre. Wir haben eine Menge Leute, die sehr viel Geld auf dem Bankkonto haben und nicht wissen, wohin damit – wenn sie sich ein Auto kaufen, dann mit eigenem Geld und ohne die Notwendigkeit, es schnell wieder zu veräußern. Und wir haben wachsendes Interesse an alten Autos in ganz neuen Märkten.

Woran denken Sie?

Zum Beispiel an China. Im vergangenen Jahr gab es den ersten Concours d’Élégance für Oldtimer in Shanghai, die sogenannte Bund Classic. Wir verkaufen auch schon Autos an Chinesen, aber die meisten dieser Käufer parken die Wagen noch außerhalb des Landes, weil die Einfuhr von Gebrauchtwagen nach China noch verboten ist. Die wenigen Oldtimer, die eingeführt wurden, waren als Kunstwerke deklariert. Oder sie wurden in Teilen importiert. Da spielt sich derzeit vieles im Graubereich ab. Denn der chinesische Gesetzgeber kennt noch keinen Unterschied zwischen klassischen Autos und alten Autos. Aber das wird sich sicher schon bald ändern.

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