Inside Börse

Finanztransaktionssteuer ja, aber nicht für Private

Politiker wollen Sparer über eine neue Steuer an den Kosten der Krise beteiligen. Wie aber kann eine gerechte Finanztransaktionssteuer aussehen? Eine Analyse von Christoph Boschan, Vorstandsmitglied der Börse Stuttgart.

Mit diesen Werten zocken Anleger am liebsten
15. PlatzDie Commerzbank-Aktie liegt wie Blei in vielen Depots. Viel Freude hatten die Aktionäre in den vergangenen Monaten und Jahren nicht mit den Papieren. Auch die Kursgewinne der vergangenen Wochen ändern daran wenig. Trotzdem oder gerade deshalb gehört die Commerzbank zu den beliebtesten Basiswerten der Zertifikate-Anleger. Mit einem Volumen von 13,5 Millionen Euro wurden an der Stuttgarter Börse Commerzbank Faktor 4x Short DAXF Indizes ge- und verkauft. Das reicht für Platz 15 der beliebtesten Basiswerte, die im September an der Stuttgarter Börse gehandelt wurden. Quelle: Börse Stuttgart Quelle: dpa
14. PlatzAuch die Bayer-Aktie zog zuletzt kräftig an. Seit Juli ist das Papier kontinuierlich im Wert gestiegen. Von den Kursgewinnen wollten auch viele Zertifikate-Anleger profitieren. Sie handelten Papiere mit Basiswert Bayer für 15,5 Millionen Euro. Quelle: AP
13. PlatzIm August brach bei BMW der Neuwagenverkauf um 13,5 Prozent ein. Das belastete auch den Kurs der Aktie. Dennoch waren die Papiere zuletzt bei den Anlegern gefragt. Zertifikate mit Basiswert BMW wurden mit einem Volumen von 19,1 Millionen Euro gehandelt. Quelle: dapd
12. PlatzEntgegen ihrer Ankündigung wird die Commerzbank wohl auch für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende an ihre Aktionäre auszahlen. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus plagen vor allem Probleme im Kreditgeschäft. Zertifikate-Anleger stört das weniger. Sie zockten trotzdem kräftig mit Papieren auf Deutschlands zweitgrößte Bank. Im September wurde der Basiswert Commerzbank an der Börse Stuttgart mit einem Volumen von 21,5 Millionen Euro gehandelt. Quelle: dpa
11. PlatzObjekt der Begierde vieler Anleger war im September auch Silber. Sie kauften und verkauften Papiere mit Basiswert Silber im Volumen von 22,8 Millionen Euro. Quelle: dpa
10. PlatzAnfang Juni war ein günstiger Zeitpunkt, um Aktien der Telekom zu kaufen. Seither hat das Papier rund 20 Prozent zugelegt. Im September war der Bonner Konzern auch bei Zertifikate-Anlegern gefragt. Sie kauften und verkauften den Basiswert Telekom in Höhe von 23,1 Millionen Euro. Quelle: dapd
9. PlatzDie Pkw-Absatzkrise in Deutschland macht auch Volkswagen zu schaffen. Doch was hierzulande schlecht läuft, klappt in den USA umso besser. Dort verbuchen die Wolfsburger Verkaufsrekorde. Ähnlich gefragt wie VW-Fahrzeuge in Übersee, war im September der Wolfsburger Konzern bei Anlegern. Sie kauften und verkauften Zertifikate auf die Aktie im Volumen von 26,2 Millionen Euro. Quelle: rtr
8. PlatzDie Aktie des Energieversorgers Eon hat seit Juni eine beeindruckende Rally hingelegt. Selbst die Empfehlung der Berenberg Bank im September, dass Papier zu verkaufen, konnte der Aktie wenig anhaben. Anleger handelten Eon-Zertifikate im Volumen von 26,8 Millionen Euro. Quelle: dpa
7. PlatzNach wie vor gilt Gold als sicherer Hafen. Das Edelmetall erreichte zuletzt ein neues Allzeithoch. Auch als Basiswert für Zertifikate hat Gold nichts an Beliebtheit eingebüßt. Für 30,8 Millionen Euro wurden entsprechende Papiere im September an der Börse Stuttgart gehandelt – besonders gefragt waren Partizipationspapiere. Quelle: rtr
6. PlatzAuch die Allianz-Aktie ist zuletzt in der Gunst der Investoren gestiegen und konnte jüngst kräftig zulegen. Beliebt ist der Versicherer auch als Basiswert. Die entsprechenden Papiere wurden im Volumen von knapp 40 Millionen Euro gehandelt. Quelle: dapd
5. PlatzDie BASF-Aktie hat sich nach einem Tief zwischen Mai und Juni wieder gefangen und klettert seither stetig nach oben. Auch als Basiswert von Anlagezertifikaten ist der Chemiekonzern gefragt. Im September führte die Börse Stuttgart Kundenorders in Höhe von 38,5 Millionen Euro aus. Quelle: obs
4. PlatzZu Beginn des Jahres hatten Besitzer von Daimler-Aktien noch Grund zur Freude. Bis Mitte März stiegen ihre Papiere rund 30 Prozent im Wert. Danach folgte der Einbruch, von dem sich Aktie in den vergangenen Wochen aber wieder etwas erholt hat. Auch Zertifikate-Anleger wetteten auf die Kurserholung der Aktie. Im September wurden für 39 Millionen Euro entsprechende Papiere ge- und verkauft. Quelle: dapd
3. PlatzUnter dem neuen Führungsduo Jain und Fitschen will die Deutsche Bank künftig vieles anders und besser machen. Bei Händlern stand Deutschlands größtes Geldhaus zuletzt hoch im Kurs. An der Stuttgarter Börse wechselten Deutsche-Bank-Zertifikate im Gesamtumfang von 55,5 Millionen Euro die Besitzer. Quelle: dapd
2. PlatzEuro-Krise hin oder her - sehr beliebt als Basiswert für Zertifikate war im September auch der Euro Stoxx 50. Anleger kauften und verkauften diese Zertifikate für knapp 226,1 Millionen Euro. Besonders Express-Papiere im Umfang 67,8 Millionen waren gefragt. Quelle: dpa
1. PlatzUnangefochtener Liebling der deutschen Zertifikate-Anleger ist und bleibt der Dax. Kundenorders in Höhe von insgesamt 493 Millionen Euro gingen im September bei der Stuttgarter Börse ein. Mit einem Volumen von 146,4 Millionen Euro wurden Indexpapiere besonders stark gehandelt. Quelle: dapd

In der öffentlichen Diskussion wurde sie schon abgeschrieben. Und lange schien es alles andere als sicher, ob sich genug Unterstützer finden. Mindestens neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mussten sich zusammentun, um eine Finanztransaktionssteuer auf den Weg zu bringen. Nach der Bestätigung der EU-Kommission vom vergangenen Dienstag ist es jetzt amtlich: Die Länder, die eine Finanztransaktionssteuer umsetzen wollen, erfüllen alle rechtlichen Voraussetzungen. Mit Estland kam inzwischen das elfte EU-Mitglied hinzu, das die Steuer im Rahmen der sogenannten „Verstärkten Zusammenarbeit“ einführen möchte.

In den nächsten Wochen und Monaten muss zunächst eine qualifizierte Mehrheit aller Mitgliedstaaten dem Vorhaben zustimmen. Daneben ist die Annahme durch das Europäische Parlament erforderlich. Und die EU-Kommission will bis Ende des Jahres einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen.

Faire Finanztransaktionssteuer

Wie aber kann eine gerechte Finanztransaktionssteuer aussehen? Bei ihrem jüngsten Treffen sprachen die EU-Finanzminister erneut von einer möglichst breiten Bemessungsgrundlage. Ihr Ziel: Die Steuer soll möglichst alle Finanztransaktionen und – vor allem – alle Akteure am Finanzmarkt erfassen. Ob die Besteuerung so die Richtigen trifft und für Gerechtigkeit sorgt, wird im aufkommenden Wahlkampf eine wichtige Frage sein.

Die Strategien der Blitz-Trader

Die Politik sollte sich hier an ihr eigenes Postulat erinnern: Die Finanztransaktionssteuer soll die Verursacher der Krise an deren Kosten beteiligen. Diese Haltung ist quer durch alle Parteien unbestritten. Erst am Dienstag betonte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, es sei eine Sache der Fairness, dass die Kosten der Krise vom Finanzsektor übernommen werden, anstatt sie den einfachen Bürgern aufzubürden. Das klingt plausibel, aber kann es auch gelingen?

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