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Insiderbarometer Manager trennen sich in großem Stil von Aktien

Fünf Verkäufen in Millionenhöhe standen zuletzt nur geringe Käufe gegenüber. Die Haltung der Top-Manger spiegelt sich auch im aktuellen Insider-Barometer wider. Experten glauben an fallende Kurse.

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Ein Wertpapierhändler am Parketthandel der Frankfurter Börse. Quelle: dapd

Frankfurt Olaf Stotz genügt ein Wort, um die Wertpapierorders von Deutschlands Top-Managern in den vergangenen Wochen zu beschreiben: „Lehrbuchmäßig“ hätten sich die Unternehmensinsider seither verhalten, weiß der Professor an der Frankfurt School of Finance. Seitdem der Dax vor rund zwei Wochen wieder über die Marke von 7000 Punkten gestiegen ist und damit die Verluste seit dem vergangenen Sommer komplett wettgemacht hat, verkaufen Vorstände und Aufsichtsräte mehr und mehr Aktien aus ihren Beständen.

Auffällig dabei: Die Top 5 der Verkäufe aus den 160 Unternehmen aus dem Dax, dem MDax, dem TecDax und dem SDax lagen allesamt im Millionenbereich. Die Käufe machten dagegen nur einen Bruchteil dessen aus. „Eine solche Konstellation konnte schon lange nicht mehr beobachtet werden“, sagt Stotz.

Die eindeutige Haltung der Top-Manager spiegelt sich auch im Insider-Barometer wider, das das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) zusammen mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Es ist seit der jüngsten Erhebung vor zwei Wochen rapide gefallen und steht jetzt bei 91 Punkten, nachdem es davor noch im dreistelligen Bereich gelegen hat. Noch befindet man sich damit auf neutralem Terrain, das heißt, dass sich Aktien künftig im Gleichklang mit den anderen Anlageklassen bewegen dürften. Geht es unter 90 Punkte, dann gibt das Barometer bereits ein Verkaufssignal. In der Vergangenheit war das stets ein ernstzunehmendes Zeichen, drohte dann eine Korrektur an den Aktienmärkten.

Erste Anzeichen dafür gab es – wenn auch moderat – bereits in der vergangenen Woche, als der Dax wieder unter die Marke von 7000 Punkten fiel. „Die Konjunkturpessimisten gewinnen die Oberhand“, sagt Thomas Grüner von der Landesbank Berlin (LBB). Nach dem immensen Kursplus von fast 20 Prozent seit Jahresanfang und den schwächeren Konjunkturdaten aus Deutschland und China in der vergangenen Woche verwundert das nicht. Dem stehen die altbekannten Argumente für weitere Aktieninvestments gegenüber wie die weiterhin hohe Liquidität und Alternativlosigkeit wegen geringer Renditen.

Dabei sind es nicht nur die jüngsten Millionen-Verkäufe bei den Dax-Konzernen Adidas, Fresenius und Henkel. In den Wochen seit Anfang Februar gab es ebenfalls schon auffällige Verkaufsorders bei der Allianz, der Deutschen Bank und bei Siemens. „Einzeln wären diese Signale wohl nicht ganz so stark gewesen, aber in der Summe haben sie eine hohe Aussagekraft“, sagt Olaf Stotz. Die zeigt für den Aktienmarkt eindeutig nach unten.

Meist wurden von den Top-Managern zuletzt Aktien verkauft, die in der Nähe ihrer Höchststände notierten. Wie beim Konsumgüterhersteller Henkel, wo sich Aufsichtsrat Christoph Henkel von Papieren im Wert von 5250000 Euro trennte. Schon in der Vergangenheit war er sehr aktiv beim Handel mit Aktien und Derivaten auf Papiere des eigenen Hauses. Auch Analysten sind auf Distanz gegangen. Auf „unattraktiv“ haben die Experten von Commerzbank Wealth Management die Aktie heruntergestuft.

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