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Insiderhandel bei der Deutschen Börse Verfahren gegen Kengeter könnte eingestellt werden

Das Insiderverfahren bei der Deutschen Börse könnte gegen Zahlung einer millionenschweren Geldbuße eingestellt werden. Konzernchef Carsten Kengeter selbst käme ohne Auflagen aus dem Verfahren.

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Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter Quelle: REUTERS

Die Ermittlungen gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wegen des Verdachts des Insiderhandels könnten gegen Zahlung einer millionenschweren Geldbuße eingestellt werden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe eine solche einvernehmliche Beendigung des Verfahrens in Aussicht gestellt, teilte die Deutsche Börse am Dienstag mit. Im Gegenzug würde die Deutsche Börse zwei Geldbußen in Höhe von insgesamt 10,5 Millionen Euro zahlen. Der Verdacht, dass Kengeter Aktien der Deutschen Börse in dem Wissen um eine bevorstehende Übernahme der London Stock Exchange (LSE) gekauft hat, ist das größte Hindernis vor einer Vertragsverlängerung für den Börsen-Chef. Zugleich wurde der Deutschen Börse vorgeworfen, den Kapitalmarkt zu spät über die letztendlich gescheiterten Fusionspläne informiert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft gehe nach vorläufiger Prüfung davon aus, dass wegen der Vorwürfe des Insiderhandels und der Marktmanipulation durch Unterlassen einer Pflichtmitteilung jeweils die Voraussetzungen für die Festsetzung von Geldbußen gegen die Deutsche Börse vorlägen, erklärte ein Sprecher der Behörde. Wegen des Vorwurfs des Insiderhandels solle die Börse 5,5 Millionen Euro zahlen, wegen der verspäteten Mitteilung über die Fusionspläne fünf Millionen Euro. Die Börse und die Aufsichtsbehörden seien darüber am Dienstag informiert worden. Die Deutsche Börse will nun prüfen, ob sie auf den Vorschlag der Staatsanwaltschaft eingeht. Sie hält die Vorwürfe weiterhin für unbegründet.

Die Ermittlungen gegen die Börse gehen auf eine Anzeige der Finanzaufsicht BaFin vom Februar zurück. Das Unternehmen hatte die Fusionspläne mit der LSE im Februar 2016 erst bestätigt, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters darüber berichtet hatte. Diese hatten den Aktienkurs massiv nach oben getrieben. Der ehemalige Investmentbanker Kengeter wollte durch den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss mit der LSE einen europäischen Champion schmieden, um den größeren US-Rivalen Paroli zu bieten. Doch im März 2017 scheiterte die deutsch-britische Börsenhochzeit.

Kengeters Wohnung in Frankfurt und sein Büro bei der Börse waren Anfang Februar von Staatsanwälten und Polizisten durchsucht worden. Der Vorstandschef hatte im Dezember 2015 in großem Stil Aktien des Börsenbetreibers gekauft - zwei Monate, bevor die Fusionspläne öffentlich wurden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zu diesem Zeitpunkt bereits Gespräche mit der LSE. Kengeter hält die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft für haltlos, und auch die Deutsche Börse hat sich hinter ihn gestellt. Kengeter habe die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms gekauft, mit dem Aufsichtsratschef Joachim Faber den ehemaligen Investmentbanker langfristig an die Börse binden wollte.

Auf der Hauptversammlung der Börse war Kritik an Kengeters Vorgehen laut geworden. Die meisten Großaktionäre haben sich aber hinter die Führungsspitze gestellt. Aus ihrer Sicht müsste der Firmenchef nur dann abtreten, wenn die Staatsanwälte im Insider-Verfahren Anklage gegen ihn erheben. Kengeters Vertrag läuft noch bis März 2018. Der Aufsichtsrat wollte ihn Insidern zufolge erst verlängern, wenn die Staatsanwaltschaft über den Fortgang des Insider-Verfahrens entschieden hat.

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