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Intelligent investieren

Schwindet die Liquidität, steigen die Chancen

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Ende der Liquiditäts-Illusion

Liquidität ist keine Konstante. Sie hängt vielmehr von vielen Faktoren ab, die sich im Zeitablauf verändern können. Was heute hoch liquide ist, kann morgen schon illiquide sein; und umgekehrt.

In Hausse-Phasen steigt die Liquidität in der Regel an: Die Stimmung ist gut, alles ist problemlos handelbar, jederzeit stellen viele Broker Kauf- und Verkaufspreise. Anders ist es in der Börsen-Baisse: Broker werden vorsichtiger, wollen keine Positionen mehr auf ihre Bücher nehmen, der Handel wird zusehends illiquide, die Preisschwankungen der gehandelten Papiere nehmen zu. 

Das ist ein Szenario, dass Realität werden kann: Schon seit März 2009 dauert der Börsen-Boom an, eilen die Kurse von Rekordstand zu Rekordstand. Je länger die Hausse, desto wahrscheinlicher wird ein Kursrückschlag – das zumindest legt die Börsengeschichte nahe: Auf den Boom erfolgt nun einmal irgendwann die Ernüchterung.

Nun haben sich allerdings in den letzten Jahren die institutionellen Bedingungen auf den Finanzmärkten maßgeblich verändert. Beispielsweise hat die staatliche Regulierung den institutionellen Investoren (Fonds, Pensionskassen, Versicherungen etc.) immer engere Fesseln angelegt, die ihren Handlungsspielraum beschränken. 

Beispielsweise müssen diese professionellen Anleger ihre Investitionsrisiken nun nach dem Konzept „Value at Risk“ (deutsch: „Wert im Risiko“) steuern. Es handelt sich dabei, vereinfachend gesprochen, um eine an Vergangenheitsdaten orientierte Statistikgröße (die konzeptionell gesehen durchaus einige kritische Frage aufwirft).

Quelle: Thomson Financial

Das Risiko wird dabei gewissermaßen durch „den Blick in den Rückspiegel“ bemessen: Sind die Börsenkurse bereits gefallen, so steigt das regulatorische Risikomaß. Übersteigt es eine kritischen Schwelle, sind die Institutionellen gezwungen, zu niedrigen Kursen zu verkaufen, also Verluste zu realisieren – selbst wenn die Kursverluste nur vorübergehenden Charakter haben und wieder aufgeholt werden können. Das übrigens verschärft tendenziell einen einmal in Gang gekommenen Kursrutsch.   
Zudem hat die Regulierung die Kosten, die Banken im Bereich Eigenhandel und Handelstransaktionen entstehen, ganz erheblich in die Höhe getrieben. Das wiederum hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren in vielen Geldhäusern die Handelstische verkleinert oder gar abgebaut und interne Risikolimite erheblich reduziert wurden.

Chancen im Ausverkauf

Bei einem kräftigen Ausverkauf auf den Börsen – was auch immer der Auslöser sein wird, und wann immer es auch dazu kommt – wird sich die Liquidität wahrscheinlich als überraschend gering erweisen: In einem Umfeld hoher Kursschwankungen werden vor allem große Kapitalanleger in ihrem Nachfrageverhalten gehemmt sein.

Die Kursverluste aufgrund verminderter Liquidität werden dadurch wahrscheinlich größer ausfallen, als man es in der Vergangenheit gewohnt war. Für die Investoren, die unabhängig agieren können, ergeben sich dadurch jedoch große Chancen. Denken wir an einen kräftigen und schnellen Kursrutsch von, sagen wir 10 bis 20 Prozent. 

Institutionelle Investoren verkaufen, weil sie regulatorisch dazu gedrängt werden, nicht notwendigerweise, weil sich die Geschäftslage der Unternehmen, deren Aktien sie halten, verschlechtert hätte. Unter solchen Bedingungen können die Aktienkurse mitunter deutlich unter ihren Wert fallen – und sind damit besonders attraktive Investitionsmöglichkeiten.

Um solche Chancen zu nutzen, muss der Investor allerdings gegen den Strom schwimmen können und auch wollen – also dann kaufen, wenn viele nur eines kennen: verkaufen. Das ist sicherlich leichter gesagt als getan. Dessen ungeachtet ist und bleibt das gegen den Strom schwimmen eine wichtige Fähigkeit, um langfristig erfolgreich beim Investieren zu sein – gerade dann, wenn die Liquidität auf den Märkten einmal stark schwinden sollte.

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