Internationale Aktienmärkte Den Börsen droht der Ausverkauf

Auch in den USA brechen die Inflationserwartungen ein, die Börsen wackeln. Um sie zu stützen, bräuchte es wohl mehr als 200 Milliarden Dollar pro Quartal - aber selbst die Aussicht darauf dürfte nicht reichen.

Wer die Anleger zittern lässt
VermögensverwalterLarry Fink, Mitbegründer Blackrock, führt den größten Vermögensverwalter der Welt. Der 61-Jährige versucht, eine Einstufung als systemrelevant und damit einhergehende strengere Prüfung durch die Aufsicht zu vermeiden – bislang mit Erfolg. Bloomberg hat die 50 einflussreichsten Personen der Welt in fünf Kategorien aufgeteilt: Vermögensverwalter, Denker, Lenker in Unternehmen, Banker und Entscheidungsträger. Zu sehen ist jeweils die Top drei der Kategorien. Quelle: REUTERS
VermögensverwalterMary Callahan Erdoes, CEO JPMorgan Asset Management kümmerte sich Ende Juni um etwa 1,7 Billionen Dollar Anlagevermögen und leitete damit die größte Vermögensverwaltung im Besitz einer Bank. Die 47-Jähirge hat den operativen Quartalsgewinn um zehn Prozent verbessert. Quelle: Getty Images
VermögensverwalterLeon Cooperman, Gründer Omega Advisors in New York, befand sich in der von Bloomberg jährlich erstellten Rangliste der großen Hedgefonds unter den Top 20. Der 71-Jährige zieht die Aufmerksamkeit anderer Investoren auf sich, wann immer er kauft oder verkauft. Quelle: dpa
DenkerLael Brainard, Governor U.S. Federal Reserve, lobt die höheren Kapitalpuffer bei den US-Banken und die Volcker-Regel. Standpunkte bekommen durch die Karriere des 52-Jährigen in Washington Rückhalt, die bis zu der asiatischen Finanzkrise zurückgeht. Quelle: AP
DenkerJack Bogle, Gründer Vanguard Group, ist die Stimme der Vernunft bei alten Themen, wie die Torheit hoher Gebühren, und neuer Themen, wie als der 85-Jährige den Hochfrequenzhandel als etwas überwiegend Positives in Schutz nahm. Quelle: REUTERS
DenkerTimothy Garton Ash, Professor Universität Oxford, setzte die „Putin Doktin“ in eine historische Perspektive. Der 59-Jährige warnt vor Gefahren inhärent in Putins Aussage, dass Russen außerhalb Russlands seinen Schutz verdienten. Quelle: dpa Picture-Alliance
Lenker in UnternehmenWarren Buffett, CEO Berkshire Hathaway, sagt, dass die Berkshire-Aktien, deren Kurs erstmals über 200.000 Dollar liegt, für ihn zu teuer sind. Dem 84-Jährigen stehen 55 Milliarden Dollar an Barmitteln zur Verfügung, falls er einen Zukauf tätigen möchte. Quelle: AP
Lenker in UnternehmenMary Barra, CEO General Motors: Der Ruf der 52-Jährigen stand auf dem Spiel, als sie vier Mal vor dem Kongress angehört wurde, wobei sie den schmalen Grat zwischen der Verteidigung ihres Unternehmens und dem Versprechen, dass sich die Dinge ändern werden, meisterte. Quelle: AP
Lenker bei UnternehmenRinat Achmetow, 47, Gründer System Capital Management, versucht, seine Mitarbeiter davon abzuhalten, sich den prorussischen Kräften anzuschließen und sein Industrie-Imperium im Griff zu behalten, das ihn zum reichsten Mann der Ukraine werden ließ. Quelle: dpa
BankerAna Patricia Botin, Präsidentin Banco Santander SA: Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters hat sie seine Nachfolge als Präsidentin der spanischen Banco Santander SA angetreten. Die Leitung der spanischen Bank wird nun bereits in vierter Generation von einem Mitglied der Botin-Familie übernommen. Zuvor war die 53-Jährige Chefin der Santander U.K. Quelle: dpa
BankerLloyd Blankfein, CEO Goldman Sachs Group, witzelte, dass er seinen Job so lange macht, bis er am Schreibtisch stirbt. Der 59-Jährige setzt weiterhin auf das Handelsgeschäft von Goldman und hofft davon zu profitieren, dass sich andere Banken aus dem Bereich zurückziehen. Quelle: REUTERS
BankerArundhati Bhattacharya, Chairman State Bank of India, führt die größte Bank in Indien. Die 58-Jährige drängt Politiker dazu, mit der Praxis zu brechen, Darlehen zu erlassen, weil das seinen Worten nach die Kreditkultur verdirbt. Quelle: Getty Images
EntscheidungsträgerJason Furman, Chairman White House Council of Economic Advisers, arbeitete mit Obama zusammen, noch bevor dieser Präsident wurde, und ist nun sein wichtigster Wirtschaftsberater. Der 44-Jährige sagt, der Wirtschaft würde es besser gehen, wenn der Kongress die Ausgaben in die Infrastruktur erhöhen würde. Quelle: REUTERS
EntscheidungsträgerMario Draghi, Präsident Europäische Zentralbank, hat ein Maßnahmenpaket historischen Ausmaßes gestartet, um die Wachstumsschwäche zu bekämpfen und eine Deflation zu vermeiden. Der 67-Jährige hat seinem Versprechen, alles Notwendige zur Erhaltung des Euro zu tun, hinzugefügt, dass er noch nicht am Ende angelangt sei. Quelle: dpa
EntscheidungsträgerPreet Bharara, 45, US-Staatsanwalt Justizministerium, untersuchte Insiderhandel bis hin zur der Firma von Steven Cohen, aber nicht Cohen selbst, und ist mit New York Governor Andrew Cuomo aneinander geraten wegen einer Anti-Korruptions- Kommission. Quelle: AP

Im Oktober gingen an den Weltaktienmärkten mehr als drei Billionen Dollar den Bach runter. Diese Summe entspricht annähernd der Dollarmenge, die in den vergangenen sechs Jahren von der US-Notenbank Fed durch den Ankauf von Staatsanleihen und Kreditverbriefungen (Quantitative Easing, QE) neu geschaffen wurde. Angst vor einem drohenden Mangel an Liquidität machte sich breit an den internationalen Finanzmärkten. So war etwa der Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen, so genannter Junk Bonds, zeitweise „closed“.

Die Wahrnehmung, was Geldpolitik leisten kann und was nicht, hat sich in den vergangenen Wochen fundamental geändert. QE, die Allzweckwaffe der Notenbanken, gerät in den USA zunehmend in die Kritik. Selbst bisher eingefleischte Anhänger dieses geldpolitischen Experiments, wie zum Beispiel die „New York Times“, beklagen inzwischen dessen ungleiche Verteilungswirkung. Zwei Jahre vor der Präsidentschaftswahl und kurz vor der sich abzeichnenden Wahlschlappe der Demokraten bei den Halbzeitwahlen zum US-Kongress am 4. November bläst der Fed der politische Gegenwind immer kräftiger entgegen.

So kommen Aktien-Anleger durch das Zinstal

Der Kongress hatte der Fed einst das Mandat verliehen, maximale Beschäftigung bei Wahrung von Preisstabilität zu erreichen - aber kein Mandat zur Schaffung von Spekulationsblasen. Doch genau das macht die Fed seit gut zwei Jahrzehnten. Sie selbst spricht lieber von positiven Vermögenseffekten. Mit Blick auf die ungleiche Verteilung dieser Vermögenseffekte und die Spätfolgen für Währung, Wirtschaft und Gesellschaft ist das eine höchst zweifelhafte Argumentation.

Wichtigster Treiber

Analysten von Bianco Research in Chicago haben ermittelt, dass die Aktienkurse in den USA in Phasen quantitativer Lockerung um durchschnittlich 148 Prozent gestiegen, in Phasen ohne QE aber um 27 Prozent gefallen sind. Die Fed war also der wichtigste Treiber hinter der 2009 einsetzenden Aktienhausse. Das Problem: Wenn die Aktienkurse einbrechen sollten, wird sich die Fed auch für die dann eintretenden negativen Vermögenseffekte rechtfertigen müssen.

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