Internationale Energieagentur Opec hat bei Förderkürzungen ihre Mission erfüllt

Das Ölkartell habe die Ziele seiner Förderkürzungen erfüllt, glaubt die Internationale Energieagentur. Die Opec will trotzdem weiter kürzen.

Der IEA zufolge haben sich die Rohöllager im vergangenen Jahr konstant entleert. Quelle: dpa

FrankfurtDie Internationale Energieagentur (IEA) gibt sich zunächst noch bescheiden: Es stehe ihr nicht zu, zu verkünden, dass die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) und ihre Partner die Ziele ihrer Förderkürzungen erreicht haben. Einen Halbsatz später ist es um die Zurückhaltung aber geschehen. Eigentlich, wenn sich die Experten der Pariser Einrichtung die Fundamentaldaten anschauen, deute schließlich vieles auf eine klare Botschaft hin: Die Opec hat schon sehr bald ihre „Mission erfüllt“.

Zu dem Schluss kommt die IEA in ihrem jüngsten Monatsbericht, der am Freitag veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit zehn weiteren Staaten, darunter Russland, verzichtet die Opec seit Januar 2017 auf einen Teil seiner Ölförderung, um das Überangebot am Ölmarkt zu eliminieren, das den Ölpreis zwischen 2014 und 2016 von über 110 auf zeitweise unter 30 Dollar einbrechen ließ.

Die Kürzungen und eine global anziehende Nachfrage haben den Preis wieder deutlich nach oben getrieben. Weiteren Schwung verlieh nun der IEA-Bericht. Am Vormittag kostet Öl 72,50 Dollar und somit knapp ein Prozent mehr als am Vortag. Auf diesem Niveau hat sich der Preis zuletzt im Dezember 2014 befunden.

Ein Preisziel verfolgt die Opec offiziell nicht. Als Maß zur Erfüllung ihrer Ziele – der Stabilität am Ölmarkt – nimmt die Kürzungsallianz die Rohöllagervorräte ins Visier. Schließlich sind diese in Zeiten des Überangebots stark angeschwollen.

Als die Kürzungen vor fünfzehn Monaten begonnen, hätten die Lagerbestände in den Industrie- und Schwellenländern der OECD noch 340 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Schnitt gelegen, erklärte Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo im vergangenen Jahr. Seit Mai 2017 seien die Bestände konstant gefallen und zuletzt sogar noch deutlicher, bemerkt die IEA.

Aktuell belaufe sich der Überhang nur noch auf 30 Millionen Barrel über dem anvisierten Niveau. „Da wir erwarten, dass sich der Markt weiter einengt, ist es möglich, dass die Lagervorräte im nächsten oder übernächsten Monatsbericht unter den Fünf-Jahres-Schnitt gefallen sind“, schreiben die Ölmarkt-Experten der IEA.

Bereits am Donnerstag hat die Opec ihren monatlichen Report publiziert, in dem das Ölkartell sich selbst schon ein gutes Zeugnis ausstellte. In den USA seien die Rohöllagerbestände schon unter das angepeilte Niveau gefallen und dank der anziehenden Nachfrage könnten die globalen Lagervorräte in der zweiten Jahreshälfte um mehr als eine Million Barrel pro Tag fallen.

Trotz dieses Ausblickes hält die Kürzungsallianz an ihren Markteingriffen fest. Offiziell läuft das Abkommen noch bis Ende 2018. Ein vorzeitiges Ende ist bislang nicht in Sicht, im Gegenteil: Der saudische Energieminister Khalid Al-Falih sinnierte erst vor wenigen Wochen darüber, dass der Ölmarkt vermutlich erst 2019 ausgeglichen sein könnte, also dass sich Angebot und Nachfrage bis dahin ausgleichen.

Die USA fördern so viel Öl wie nie zuvor

Damit schürte er auch Spekulationen, dass die Kürzungen sich sogar noch im kommenden Jahr fortsetzen könnten. Die Saudis und Russland, die Drahtzieher hinter dem Deal, haben ohnehin schon angekündigt, dass ihre Partnerschaft „Jahrzehnte“ und „Generationen“ andauern werde.

Erst vor wenigen Tagen erwägte der russische Energieminister Alexander Nowak sogar die Gründung einer eigenen Organisation für eine Fortsetzung der Kürzungsallianz. Details, wie diese aussehen könnte, nannte er nicht. Verbraucher lässt die Ankündigung aber aufschrecken: Immerhin haben Saudis und Russen in ihrem Kürzungspakt mit insgesamt 24 Staaten die Produzenten von fast der Hälfte des globalen Ölangebots hinter sich versammelt. Die Allianz hat Schlagkraft.

Aufgrund der zunehmenden geopolitischen Risiken, nicht zuletzt der Furcht vor einer Eskalation im Syrien-Krieg durch einen Militärschlag der USA und eine Verschärfung des Bürgerkriegs im Jemen, ist der Ölpreis in dieser Woche deutlich über 70 Dollar gestiegen.

Ein offizielles Preisziel verfolgen die Saudis zwar nicht. Immer wieder dringen derartige Zahlen aber an die Öffentlichkeit. So stuften Vertreter des Königreichs vor einem Jahr noch 60 Dollar als fairen Preis ein. Anfang dieses Jahres lag diese Schwelle bei 70 Dollar und laut der Nachrichtenagentur Bloomberg soll das Königreich nun schon 80 Dollar anvisieren.

Verbrauchern bleibt aber Hoffnung, dass jetzt bei Heizöl, Benzin, Diesel & Co. keine endlose Aufwärtsspirale droht. Sehe man von den geopolitischen Risiken ab, sei der Markt eigentlich gut versorgt. „Eine gewaltige Menge von Öl kommt aus den USA“, sagte Birol in einem Interview mit Bloomberg. „Wir stehen vor einer zweiten Welle der Schieferöl-Revolution.“

Denn dank des gestiegenen Ölpreises hat sich die Zahl der Bohrstellen in den USA in den vergangenen Monaten stetig erhöht, was auf eine steigende Förderung in den USA hinweist.

Erst im November haben die USA Saudi-Arabien als zweitgrößten Ölförderer der Welt überholt und könnten in diesem Jahr sogar noch Russland vom Thron stoßen. Derzeit fördern die USA 10,5 Millionen Barrel Öl pro Tag, so viel wie nie zuvor. Da auch die Nachfrage in diesem Jahr stark steigen soll, ist unklar, ob die steigende Förderung in den USA den Markt erneut in ein Überangebot rückt. Zumindest aber sollte die Entwicklung den Preisaufschwung im Zaum halten.

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