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Internet-IPO Facebook-Aktien – muss ich dabei sein?

Selten wurde ein Börsengang so herbeigesehnt wie der von Facebook. In den nächsten Monaten soll es so weit sein. Aber wie stehen die Chancen für Anleger? Ein Blick in den Börsenprospekt liefert erste Eindrücke.

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Facebook geht an die Börse - viele Details sind aber noch unklar. Quelle: dpa

Düsseldorf „Bist Du bei Facebook?“ Immer mehr Menschen beantworten diese Frage mit Ja. Fast 850 Millionen Mitglieder hat das Soziale Netzwerk mittlerweile weltweit – Tendenz stark steigend. Jetzt geht das Unternehmen an die Börse. Viele Facebook-Fans und Anleger fragen sich, ob sie auch hier mitziehen sollen.

Um es vorweg zu nehmen: Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Zwar hat Facebook gestern die Katze aus dem Sack gelassen und den Börsenprospekt bei der US-Finanzaufsicht SEC eingereicht. Das Papier enthält einige interessante Informationen, die Investoren einen tieferen Blick in die Facebook-Welt erlauben. Viele Fragen sind allerdings nach wie vor offen, unter anderem der Termin für die Erstnotiz, die im Mai aber auch erst im zweiten Halbjahr erfolgen könnte.

Klar ist seit gestern, dass Facebook mit seinem Netzwerk ordentliche Erträge erzielt. Eine Milliarde Dollar Gewinn stand 2011 nach Steuern zu Buche – ein Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch schneller wachsen die Umsätze. Binnen vier Jahren sind diese um das 24-fache gestiegen. Im vergangenen Jahr verdoppelten sie sich auf 3,71 Milliarden Dollar.

Auch wenn manch Analyst noch höhere Zahlen erwartet hatte – beim Umsatz etwa lagen die Schätzungen zum Teil deutlich über vier Milliarden Dollar – sind das gute Zahlen für einen Börsenaspiranten. Überraschend ist das allerdings nicht. Denn ohne vorzeigbare Zahlen hätte Facebook den Schritt an die Börse kaum gewagt. Dass sich das Unternehmen bis 2012 Zeit für seinen Börsengang ließ, wurde in den vergangenen Monaten unter anderem damit erklärt, dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg genug Zeit haben wollte, um attraktive Kunden- und Geschäftszahlen vorweisen zu können.

Die Chancen auf ein erfolgreiches Börsendebüt steigern die guten Fundamentaldaten ohne Zweifel. Mindestens genau so wichtig wird jedoch die Frage sein, wie hoch Facebook die eigenen Aktien bewertet. Und hierzu schweigt sich das Unternehmen noch aus. Im Prospekt gibt es weder Angaben dazu, wie viele Aktien verkauft werden sollen und welcher Preis angestrebt wird. Genannt wird lediglich ein beabsichtigter Emissionserlös von fünf Milliarden Dollar. Und auch das ist nur eine Richtgröße, die vor allem für die Berechnung der Gebühren der Konsortialbanken benötigt wird. Das tatsächliche Emissionsvolumen kann je nach Nachfrage auch deutlich höher liegen. Auch ein Erlös von zehn Milliarden Dollar, der im Vorfeld oft kolportiert wurde, ist nach wie vor denkbar.


Mark Zuckerberg könnte Anleger verschrecken

Ob Facebook-Aktien billig oder teuer sind, lässt sich damit noch nicht einschätzen. Allerdings gibt es Näherungswerte: Nachrichtenagenturen wie Bloomberg oder Reuters zitieren Finanzkreise, denen zufolge Facebook eine Börsenbewertung für alle ausstehenden Aktien in Höhe von 75 bis 100 Milliarden Dollar anstrebt. Nimmt man das obere Ende dieser Spanne, wäre das Unternehmen etwa mit dem 27-fachen des letztjährigen Umsatzes bewertet.

Zum Vergleich: Der Internetgigant Google kommt bei einem Umsatz von knapp 38 Milliarden Dollar lediglich auf einen Börsenwert von 150 Milliarden Dollar. Auch beim Börsengang im Jahr 2004, dem mit 1,9 Milliarden Dollar Volumen bisher bedeutendsten Internet-IPO, war Google deutlich moderater bewertet. Die Strategie ging auf: Von 85 Dollar zum Debüt hat sich die Google-Aktie bis heute auf 580 Dollar verteuert.

Sollte sich Facebook für einen ambitionierteren Startpreis entscheiden, dann muss es die Investoren überzeugen, dass auch in den kommenden Jahren mit hohem Wachstum zu rechnen ist. Dass die Raten mit den Jahren sinken werden, liegt in der Natur der Sache. Aber auch ein plötzlicher Abbruch der Euphorie kann zumindest nicht ausgeschlossen werden. Im Kapitel des Börsenprospekts, das die Risiken der Aktie beschreibt, warnt Facebook etwa vor dem hohen Wettbewerb durch Konkurrenten wie Google+.

Auch politische Schritte gegen Facebook und Missbrauch sensibler Daten werden dort als Risiken genannt. Und auch die zunehmende Verwendung mobiler Geräte birgt demnach Gefahren. Zwar sieht Facebook im mobilen Geschäft das größte Potenzial. Andererseits warnt das Unternehmen davor, dass man auf Smartphones und anderen Mobilgeräten derzeit keine Werbung ausspiele. Die Verlagerung der Nutzung von PCs auf Smartphones und Tablet-Computer könne daher die Werbeerlöse beeinträchtigen. Und die stehen bisher für 85 Prozent aller Umsätze.

Als Risiko wird schließlich der Abgang von Schlüsselpersonen bezeichnet. Explizit genannt werden im Prospekt Facebooks Zahlenkönigin Sheryl Sandberg sowie natürlich Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg.

Dass Zuckerberg von Bord geht kann vorerst wohl ausgeschlossen werden. Allerdings könnte auch Zuckerberg selbst den einen oder anderen Anleger verschrecken. Denn der 27-jährige, den der Börsengang zum viertreichsten Amerikaner machen könnte, tickt anders als viele Börsianer. So richtet er sich in einer persönlichen Botschaft im Emissionsprospekt gegen Gewinnmaximierung als Selbstzweck. „Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln“, schreibt Zuckerberg. „Facebook sei ursprünglich nicht als Unternehmen gegründet worden, sondern um eine soziale Mission zu erfüllen. „Wir wollen die Welt offener und vernetzter machen.“


Auf den Preis kommt es an

Dem einen oder anderen Börsianer mag das übel aufstoßen. Allerdings betont der Unternehmensgründer andererseits, dass der beste Weg, seine Mission zu erfüllen, darin liege, ein starkes und wertvolles Unternehmen zu schaffen. Insofern seien die Konzernziele durchaus deckungsgleich mit denen der Anleger. Auch der Börsengang solle dem Wohl der Mitarbeiter und der Investoren dienen.

Sollten die Interessen von Firmenchef und Anlegern doch auseinanderdriften, dürften die Aktionäre allerdings schlechte Karten haben. Denn die mächtige Position von Zuckerberg wird sich auch nach dem Börsengang kaum schwächen. Zwar hält dieser nach dem IPO mit 28,4 Prozent der Aktien nicht die Mehrheit. Durch eine Teilung der Papiere in A-Aktien mit einfachem Stimmrecht und B-Aktien, die zehn Stimmen auf sich vereinen, kommt Zuckerberg aber auf einen Stimmenanteil von 57 Prozent und kann damit die Geschicke weiter lenken.

Im Emissionsprospekt heißt es denn auch explizit, Zuckerberg habe die Möglichkeit, „den Ausgang von Angelegenheiten zu kontrollieren, die den Aktionären zur Abstimmung vorgelegt werden“. Dies gelte beispielsweise für die Bestimmung von Aufsichtsräten. Und auch seine eigene Nachfolge kann Zuckerberg unter gewissen Voraussetzungen bestimmen – nämlich dann, wenn er zum Zeitpunkt seines Todes noch Vorstandschef von Facebook sein sollte.

Relevant für Anleger, die vor der Wahl stehen, ob sie beim IPO Facebook-Aktien kaufen sollen oder nicht, ist das allerdings eher nicht. Wenn mehr Fakten zum Preis der Aktien auf dem Tisch liegen, müssen sie entscheiden, ob sie dem Unternehmen ausreichend Wachstum zutrauen. Das Beispiel Google hat gezeigt, dass Konzerne mit starker Position im Internet Anlegern viel Freude machen können. Facebook hat die Chance, den gleichen Weg zu gehen. Ein Selbstläufer wird es aber nicht.

 

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