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Internetgeld Die besonderen Risiken von Bitcoins

Die Europäische Bankenaufsicht EBA warnt Sparer vor der boomenden Bitcoin-Währung. Was sind die Hauptrisiken des virtuellen Geldes – und wie kann man sich schützen?

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Zehn exotische Zahlungsmittel
BiberfellIn früheren Jahrhunderten galt Biberfell in Nordamerika als Zahlungsmittel. Es gab nicht nur Wechselkurse für Biberfelle - gegen zwei Felle gab es beispielsweise ein Pfund Tabak - sondern auch etwas später auch Bibermünzen als Zahlungsmittel. Quelle: dpa
KanugeldIm Königreich Luang Prabang in Laos zahlten die Menschen früher mit einem bronzenen Barren, der wie ein Boot geformt war. Deshalb wurde dieser dortige Vorläufer des Münzgeldes Kanu- oder Bootsgeld genannt. Quelle: AP
Bild Ersatzgeld Havelblüten
Tee Quelle: REUTERS
Eingeborener auf Papua-Neuguinea Quelle: dpa/dpaweb
Kakao Quelle: obs
Bananenblatt Quelle: dpa

Die Europäische Bankenaufsicht EBA in London prüft gerade, in welcher Form die im Internet boomenden virtuellen Währungen wie Bitcoins reguliert und beaufsichtigt werden sollten. Gleichzeitig fordert die Aufsichtsbehörde Nutzer des immer populärer werdenden Internetgeldes eindringlich auf, sich mit den damit verbundenen Risiken vertraut zu machen.

Prügelt da eine EU-Behörde auf ein junges Währungsphänomen außerhalb der bestehenden Strukturen ein, weil ihr Alternativen zum kriselnden Euro ein Dorn im Auge sind? Selbst wenn ein solcher Eindruck entstehen könnte, sollten sich vor allem sicherheitsorientierte Anleger mit den Warnungen der EBA auseinander setzen, bevor sie mit der Bitcoin-Nutzung loslegen.

Der Reiz von Bitcoins in den Augen von Sparern und Verbrauchern besteht darin, eine Währung außerhalb des etablierten Bankensystems halten zu können. Diese kann für Zahlungen weltweit und weitgehend anonym transferiert werden, was Freiheit und Flexibilität verspricht. Da der Vorrat der binären Münzen per Programmcode limitiert ist, versprechen sich Bitcoin-Nutzer einen Inflationsschutz – ganz im Gegensatz zu den etablierten Währungen der USA, Japans oder Europas, die gerade durch expansive Geldpolitik der Zentralbanken an Wert verlieren.

Allerdings bringen virtuelle Währungen wie Bitcoins auch neue Risiken, mit denen sich Nutzer eingehend vertraut machen sollten. Die WirtschaftsWoche hat in den vergangenen Wochen bereits über die Chancen und Gefahren des virtuellen Geldes berichtet und dabei auch die nun von der Europäischen Bankenaufsicht dargestellten Risiken in den Fokus genommen.

Kein Einlagenschutz

Die EBA weist Bitcoin-Nutzer darauf hin, dass die Tauschbörsen für die Internetwährung häufig nicht reguliert seien. Gehen Tauschbörsen in die Pleite, haben Sparer anders als bei Geschäftsbanken keinen Anspruch auf gesetzlichen Einlagenschutz. Das gelte selbst dann, wenn der betroffene Dienstleister bei einer nationalen Aufsichtsbehörde registriert sei. Auch die WirtschaftsWoche hatte in ihren Berichten über das Bitcoin-Phänomen auf den fehlenden Einlagenschutz hingewiesen.

Wenn Plattformen etwa aufgrund technischer Probleme zusammenbrechen, verlieren Anleger regelmäßig ihr Geld. Besonders tückisch ist es, dass Tauschbörsen gerade bei Kurseinbrüchen oft vom Netz gehen, sodass viele Bitcoin-Besitzer dann keine Chance mehr haben, Verluste zu minimieren. Das war bereits beim Kurseinbruch der Internetwährung im Frühjahr der Fall. Damals schlossen die Tauschbörsen Bitcoin24 und Bitfloor ihre Pforten – Nutzer hatten das Nachsehen.

Außerdem werden die Handels- und Tauschplattformen laut EBA immer wieder Opfer von Hackerattacken, bei denen Interneträuber virtuelle Beute machen und die Bitcoin-Nutzer um ihre Ersparnisse bringen.

Keine Rückerstattung

So bezahlen die Deutschen im Netz
Das Electronic-Commerce-Center Handel vom Kölner Institut für Handelsforschung und die Hochschule Aschaffenburg haben in ihrer aktuellen Payment-Studie "Der Internetzahlungsverkehr aus Sicht der Verbraucher", den Online-Kunden auf die Finger geschaut: Womit zahlen die Deutschen am liebsten, wenn sie online einkaufen? Und gibt es Unterschiede beim Bezahlverhalten, wenn der Kunde mit dem Smartphone oder am Computer shoppt? Für das Ranking haben sich die Wissenschaftler 7.958 Bezahlvorgänge von 993 Webshoppern angeschaut. Das Ergebnis: 0,7 Prozent nutzen giropay, ein Online-Bezahlverfahren, das auf der Überweisung des Online-Bankings basiert und von verschiedenen deutschen Banken angeboten wird. Hinter der Die giropay GmbH stehen Postbank, Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken. Eine Registrierung bei giropay ist nicht nötig, es genügt ein Girokonto, das für Online-Banking per TAN-Verfahren freigeschaltet ist. Bei Online-Einkäufen per Smartphone gaben 13,2 Prozent an, schon einmal giropay benutzt zu haben, 41,2 Prozent können es sich zumindest vorstellen, mit dem Smartphone per giropay zu zahlen. Quelle: Screenshot
Prepaid-Karten nutzen ein Prozent der Online-Shopper zum Bezahlen im Netz. Die Prepaidkarten gibt es, wie auch Handy-Prepaidkarten, im stationären Handel zu kaufen. Das jeweilige Guthaben kann dann bei Online-Einkäufen ausgegeben werden. Bei den Smartphone-Einkäufen haben immerhin 17,2 Prozent schon einmal auf eine solche Guthabenkarte zurückgegriffen. Quelle: Fotolia
Viele Geschäfte, die einen Online-Shop betreiben, bieten ihren Kunden an, die Ware online zu bestellen und in der Filiale abzuholen. Bezahlt wird dann bar oder mit EC-Karte bei Abholung. Das Prinzip widerspricht zwar dem Gedanken des E-Commerce, wird aber von Online-Kunden akzeptiert: 1,2 Prozent nutzen diese Option. Bei den Usern, die ihre Einkäufe per Smartphone tätigen, haben 18,2 Prozent schon per Handy bestellt und die Ware dann persönlich abgeholt und bezahlt. Quelle: dpa
Auf das Bezahlsystem ClickandBuy greifen 1,4 Prozent zurück. Bei den Smartphone-Shoppern ist das Bezahlsystem weiter verbreitet als bei den PC-Nutzern. 15,2 Prozent der Handy-Kunden haben das Bezahlsystem von der Telekomtochter schon einmal benutzt. Laut Unternehmensangaben kann weltweit bei mehr als 16.000 Online-Shops per Clickandbuy bezahlt werden. Bekannte Shops sind unter anderem T-Online Musicload, der Apple iTunes Store, Spiegel Online, Parship, Media Markt und buch.de. Quelle: Screenshot
Immer noch weit verbreitet ist die vergleichsweise teure Nachnahmezahlung, bei der der Kunde die Ware plus eine Gebühr beim Paketzusteller bezahlt. Zwei Prozent wählen diese Option beim Online-Einkauf. Mit dem Smartphone entschieden sich 17,6 Prozent für die Bezahlung bei Lieferung. Quelle: Presse
Das System Sofortüberweisung ist umstritten, weil beim Bezahlen mit diesem Dienstleister neben der Kontonummer auch die Online-Banking-Pin und die entsprechende Tan eingegeben werden müssen. Sofortüberweisung tätigt dann quasi die Online-Überweisung für den Kunden - mit dessen Daten. Eine solche Weitergabe der Pin und Tans verbieten viele Banken ihren Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Firma Sofort AG versichert, dass mit den Daten kein Schindluder getrieben wird und die Kunden scheinen dem Unternehmen zu vertrauen. 3,6 Prozent der Transaktionen, die die Studie untersucht, wurden mit Sofortüberweisung bezahlt. Bei den Einkäufen, die mit dem Smartphone getätigt wurden, waren es 22,1 Prozent. Quelle: Screenshot
Mit Amazon Payments können User ihre Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops nutzen, die nicht zu Amazon gehören und müssen keine Zahlungsdaten wie Kontonummer und Bankleitzahl offenlegen. Für Händler, die diesen Dienst anbieten, müssen allerdings eine Transaktionsgebühr an Amazon zahlen. Für Amazon-Kunden ist das Modell kostenlos. Dementsprechend nutzen 5,3 Prozent ihr Amazon-Konto beim Online-Einkaufsbummel, auch wenn sie gar nichts bei Amazon einkaufen. Quelle: Screenshot

Bitcoins können über das Internet bequem transferiert werden und eignen sich daher hervorragend als alternatives internationales Zahlungsmittel. Wenn sicherheitsorientierte Verbraucher damit aber auf Einkaufstour gehen, sollten sie sich im Klaren darüber sein, dass sie anders als bei der Nutzung nationaler Währungen kein Rückerstattungsrecht besitzen, falls sie mit der gelieferten Ware oder Leistung unzufrieden sein sollten. Ähnlich wie Barzahlungen lassen sich Bitcoin-Transfers kaum mehr rückgängig machen. Zudem sei die Nutzung von Bitcoins im Einzelhandel laut EBA noch nicht zementiert. Händler, die heute Zahlungen in Bitcoin entgegennehmen, könnten es sich schon morgen anders überlegen.

Starke Kurseinbrüche

So steil, wie der Bitcoin-Kurs in den vergangenen Monaten angestiegen ist, so steil kann es auch jederzeit wieder bergab gehen. Zwar bietet die Volatilität Chancen für risikofreudige Anleger, die nur einen kleinen Teil ihres Vermögens für Bitcoin-Spekulationen einsetzen. Sicherheitsaffinen Anlegern können die starken Schwankungen dagegen schnell zum Verhängnis werden. Diese Warnung der EBA spricht allerdings nicht gegen virtuelles Geld an sich. Doch könnte auch eine andere Internetwährung populärer als die derzeit boomenden Bitcoins werden, was deren Kurs einbrechen ließe.

Börse



Bitcoin-Nutzer, die sich vom anarchischen Charakter des Internetgeldes angezogen fühlen, sollten sich vergegenwärtigen, dass gerade darin auch Gefahren für ihr Geld liegen. So können Sicherheitsbehörden Tauschbörsen schließen und die dortigen Konten einfrieren, wenn sie gegen Geldwäsche vorgehen. Betroffen wären dann nicht nur die kriminellen Nutzer, sondern auch die gesetzestreuen Bitcoin-Fans. Auch der Fiskus fordert seinen Anteil an der virtuellen Währung. Kursgewinne unterliegen der Steuer und auf mit Bitcoins bezahlte Lieferungen und Leistungen wird laut EBA Umsatzsteuer fällig. Die Anerkennung von Bitcoins durch das Bundesfinanzministerium als Recheneinheit ist also nicht nur als Ritterschlag zu verstehen. Die Behörden haben damit auch ihre Claims auf dem für sie noch unbekannten Terrain des virtuellen Geldes abgesteckt.

Schutzmaßnahmen

Diese sind simpel aber wirkungsvoll. Wer Geld in Bitcoins tauscht, sollte nur einen kleinen Teil seines Vermögens dazu einsetzen, dessen Verlust keine allzu großen Schäden anrichten würde. Besitzer digitaler Geldbörsen müssen auf diese genauso achten wie auf das gute alte Portemonnaie. Gehen Festplatten oder USB-Sticks mit Bitcoin-Guthaben verloren oder kaputt, ist auch das darin gespeicherte Vermögen weg.

Bei der Auswahl von Tauschbörsen sollte man sich mit deren Geschäftsmodell und Spielregeln vertraut machen. Das deutsche Portal bitcoin.de arbeitet mit der Fidor Bank zusammen. Letztere wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht, damit bei der Kooperation mit der Tauschbörse nichts schief läuft. Ein Garant für absolute Sicherheit ist auch das allerdings nicht.

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