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Internetwährung auf Rekordkurs Was den Bitcoin-Kurs in die Höhe treibt

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Klare Vorteile - gravierende Risiken

Die Gemeinde der Bitcoin-Anhänger wächst – und verteidigt im Internet vehement die neue Währung. So schrieb etwa der Nutzer Herbert Maier im Handelsblatt-Kommentarforum: „Was bei den Bitcoins schön ist, ist dass dadurch so richtig erst einmal klar wird, was für ein ,Phantasieprodukt' unser ,richtiges' Geld eben auch ist. Wobei, die Bitcoins können ja nicht in beliebiger Menge erstellt werden wie unser (Geld), sondern werden relativ langsam in virtuellen Minen ,gefördert'. Insoweit also seriöser als der Euro usw.“

Hier äußert sich der größte Vorteil, den die Bitcoin-Gemeinde in der virtuellen Währung sieht. Sie hofft auf die Etablierung einer neuen Weltwährung abseits des Zugriff durch Staaten, Finanzinstitute und Notenbanken. Bitcoins zeichnen durch drei wichtige Eigenschaften aus:

  • Die Digitalwährung wird

    „peer-to-peer“

    gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb einer verteilten Datenbank werden alle Bitcoin-Transaktionen redundant und dezentral (und damit nachvollziehbar) verzeichnet. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben.

  • Bitcoins funktionieren

    „permissionless“

    , können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden.

  • Die Internetwährung ist zudem

    „trustless“

    : Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

All das unterscheidet die Digitalwährung in den Augen ihrer Anhänger von etablierten Währungssystemen. „Bitcoin ist toll, liebe Leute, beschäftigt euch einfach mal selbst damit und ihr werdet sehen worin das Potential liegt“, schreibt ein Nutzer im Handelsblatt-Kommentarforum. Der Euphorie zum Trotz gibt es zahlreiche Rückschläge bei der Etablierung der Bitcoins als massenkompatibles Alternativgeld.

Zehn exotische Zahlungsmittel
BiberfellIn früheren Jahrhunderten galt Biberfell in Nordamerika als Zahlungsmittel. Es gab nicht nur Wechselkurse für Biberfelle - gegen zwei Felle gab es beispielsweise ein Pfund Tabak - sondern auch etwas später auch Bibermünzen als Zahlungsmittel. Quelle: dpa
KanugeldIm Königreich Luang Prabang in Laos zahlten die Menschen früher mit einem bronzenen Barren, der wie ein Boot geformt war. Deshalb wurde dieser dortige Vorläufer des Münzgeldes Kanu- oder Bootsgeld genannt. Quelle: AP
Bild Ersatzgeld Havelblüten
Tee Quelle: REUTERS
Eingeborener auf Papua-Neuguinea Quelle: dpa/dpaweb
Kakao Quelle: obs
Bananenblatt Quelle: dpa

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf.

Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst aber Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffen auf große Krypto-Tauschbörsen, wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte.

Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig hinabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Verdachtsfall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, Anzeichen für ein Betrugssystem. Viele Kleinanleger scheinen den Unterschied aber nicht verstanden zu haben, in Deutschland wurden laut Schätzungen hunderte Millionen Euro in Onecoins investiert. Das Geld dürfte weg sein, die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt wegen Betrugsverdachts.

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