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Investieren in die Ölbranche Die besten Ölmultis für Anleger

Anleger freuen sich über den niedrigen Ölpreis: So günstig war der Einstieg in die Ölbranche lange nicht. Welche Ölmultis sich für Anleger lohnen und wie sie auf die gesamte Branche setzen können.

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Der niedrige Ölpreis hat auch die Aktienkurse vieler Ölmultis gedrückt. Quelle: dpa Picture-Alliance

Manager von Ölkonzernen sind in Sorge: Der Ölpreis hat sich seit Sommer halbiert, ein Fass der Nordseesorte Brent kostet 57 Dollar. Die Schwelle, ab der viele Förderprojekte Gewinn machen, liegt über dem aktuellen Preis. So streichen Ölgiganten Investitionen zusammen, entlassen Mitarbeiter, verkaufen Geschäft. Für Anleger kann das Grund zur Freude sein: So günstig war der Einstieg in die Branche lange nicht.

Zwar spricht nüchtern betrachtet vieles für steigende Preise: Venezuela, das Land mit den wohl größten Ölreserven, steht vor dem Bankrott. Libyen fördert weniger, ein Streik hat den letzten Ölexporthafen lahmgelegt. Andere sind längst wegen Kämpfen oder Pipeline-Problemen außer Betrieb.

Andererseits sind die Preise gefallen, weil zu viel Öl auf dem Markt ist, die Nachfrage schwächelt. Diverse Unternehmen müssen aber kräftig fördern, weil sie sonst Schulden nicht bedienen könnten – Ölkonzerne haben Reserven beliehen, die nun weniger wert sind. Bliebe Öl billig, würden schwache Unternehmen durch Übernahme oder Pleite verschwinden. Anleger sollten daher auf gut diversifizierte Multis setzen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen sollten.

  • Wer auf eine Erholung der Branche setzen will, investiert über börsennotierte Fonds in einen Aktienkorb, etwa den Lyxor UCITS TF MSCI World Energy TR (ISIN: LU0533032420). Der investiert in Aktien wie Schlumberger, ExxonMobil oder BP.
  • Wetten auf den Ölpreis sind über Zertifikate möglich. Weil der Terminmarkt starke Ölpreissteigerungen vorwegnimmt, sind die aktuell teuer. Sie sind daher eher etwas für routinierte Anleger, die nach Preisschüben schnell Kasse machen. Das geht etwa mit dem Faktorzertifikat der Deutschen Bank (ISIN: DE000DT2BRT1).
Ölproduzenten mit hohen Dividenden günstig abzugeben

Aktien sind für Langfristanleger besser geeignet. Wie die Ölgiganten die Krise wegstecken, zeigen Zahlen für das vierte Quartal. Ein Check der wichtigsten Player:

Exxonmobil

Gewinn Der nach Börsenwert weltgrößte Ölkonzern leidet – im vierten Quartal ist der Gewinn um 21 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar eingebrochen. Ohne Sondereffekte wie verschobene Steuerzahlungen wäre das Ergebnis noch schlechter. Der Aktienkurs in Dollar hat sich seit dem Tief um gut fünf Prozent erholt. Teuer ist die Aktie nicht – gemessen am Gewinn 2014 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei zwölf. Bleibt der Preis unten, dürfte sich das KGV jedoch erhöhen: Laut Citibank drückt jeder Dollar weniger beim Ölpreis den Exxon-Gewinn pro Aktie um 1,1 Prozent.

Abschreibungen 2014 hat Exxon 17,3 Milliarden Dollar abgeschrieben. Das schlägt zwar auf den Gewinn durch, nicht aber auf die Liquidität. Gut: Was abgeschrieben ist, ist runter von der Bilanz – und kann künftig nicht für Ärger sorgen.

Aktienrückkäufe Exxon will die Aktienrückkäufe kürzen, im laufenden Vierteljahr von zuletzt drei auf eine Milliarde Dollar. Das ist schlecht für Aktionäre, Rückkäufe stützen den Aktienkurs.

Dividenden Exxon hat seine Dividende stetig erhöht – in den vergangenen 32 Jahren um durchschnittlich 6,4 Prozent pro Jahr. Aktuelle Rendite: rund drei Prozent.

Finanzlage Die Bilanz ist robust. 2014 lag der freie Cash-Flow, der zeigt, wie viel Geld aus dem operativen Geschäft in die Kasse kommt, bei 18 Milliarden Dollar. Gut 29 Milliarden Schulden sind dabei tragbar.

Chance Falls ein Wettbewerber Geschäft verkauft, könnte Exxon zuschlagen – und als Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Fazit Wer das Risiko einzelner Unternehmen eingehen will, kann Exxon kaufen. Nicht vergessen: Euro-Anleger kaufen mit der Aktie den starken Dollar teuer mit ein.

Chancen und Risiken

Royal Dutch Schell

Gewinn Der Konzern beziffert den den Aktionären zurechenbaren Gewinn im vierten Quartal auf 595 Millionen Dollar – 66,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Shell reagiert sensibler auf fallende Preise als Exxon: Citi schätzt, dass ein Dollar pro Barrel den Gewinn pro Aktie um 1,8 Prozent drückt, entsprechend stark ist der Hebel bei steigenden Preisen.

Investitionen Shell will Projekte verschieben oder begraben und so in den nächsten drei Jahren stolze 15 Milliarden Dollar weniger investieren. Da derzeit alle Ölgiganten Investitionen zurückfahren, könnte sich das Überangebot auf dem Ölmarkt in zu knappes Angebot umkehren. Die Opec hat bereits gewarnt, dass der Preis auf 200 Dollar steigen könne, wenn keiner mehr nach neuen Ölfeldern sucht.

Dividenden Shell will die Dividende stabil halten, angesichts von 21,6 Milliarden Dollar Cash machbar. Rendite: 5,5 Prozent.

Chance Zum Konzern gehört auch ein Netz aus weltweit 44 000 Tankstellen – das diversifiziert das Geschäft.

Fazit Die Bilanz ist stark, doch kürzt Shell Investitionen zu sehr, gerät der Konzern bei steigenden Preisen langfristig ins Hintertreffen. Trotzdem spekulativ ein Kauf.

Fakten zum Rohölpreis

Chevron

Gewinn Der US-Konzern hat im vierten Quartal den niedrigsten Gewinn seit fünf Jahren gemeldet – der Nettogewinn brach um 30 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar ein. Kein Wunder: Geschätzt beeinflusst eine Preisänderung um einen Dollar pro Barrel den Gewinn pro Aktie um 1,4 Prozent.

Investitionen Die Nummer zwei der USA hat das Aktienrückkaufprogramm für 2015 ausgesetzt. 2014 hatte Chevron noch eigene Papiere für fünf Milliarden Dollar gekauft. Damit fehlt eine wichtige Kursstütze.

Dividenden Chevron hält die Höhe der Ausschüttung das vierte Quartal in Folge unverändert. Aktuelle Rendite: 3,9 Prozent.

Finanzlage Wie lange Chevron die großzügige Dividende durchhält, ist fraglich. Die Verschuldung hat sich Ende 2014 im Vergleich zu 2013 um 7,4 Milliarden Dollar rasant erhöht – auf 27,8 Milliarden Dollar. Auch die Cash-Reserve ist um 3,5 Milliarden geschrumpft – auf 12,8 Milliarden.

Risiko Ecuador versucht, 9,5 Milliarden Dollar von Chevron einzutreiben.

Fazit Nicht unser Favorit. Der Aktienkurs in Dollar hat sich vom Tief aber erst gut neun Prozent erholt, etwas Luft ist noch.

So schlagen sich die Förderkonzerne
Anlage von ExxonMobil Quelle: Reuters
Bp Quelle: Presse
Chevron Quelle: AP
Logo von Total Quelle: REUTERS
Rosneft: Der WackelkandidatDer staatliche russische Ölriese ist hoch verschuldet. Rosneft leidet unter den Sanktionen des Westens gegen Russland wegen der Ukraine-Krise. Vergangene Woche musste Rosneft-Chef Igor Sechin Präsident Wladimir Putin melden, dass er 2015 die Investitionen um zehn Prozent kürzen wird. Umsatz**: 37 Mrd. Dollar (-8 %) Gewinn**: 4,5 Mrd. Dollar (-4 %) ** 3. Quartal 2014 im Vergleich zum Vorjahresquartal Quelle: REUTERS
Royal Dutch Shell Quelle: REUTERS

Statoil

Gewinn Der Öl- und Gaskonzern hat 2014 umgerechnet 2,6 Milliarden Euro Nettogewinn gemeldet – im vierten Quartal aber eine Milliarde Verlust, aus Erkundungsprojekten und Abschreibungen auf Bohrvorhaben. Hier droht also keine Überraschung mehr.

Dividenden Sie will Statoil stabil halten und für das vierte Quartal 1,8 norwegische Kronen (0,21 Euro) zahlen. Die Summe soll die ersten drei Quartale gelten. Rendite: rund fünf Prozent. Achtung: Der freie Cash-Flow würde die Dividende 2016 nur bei einem Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel decken. Bleibt er drunter, könnte die Rechnung nicht aufgehen. Das dürfte aber auch für andere Ölgiganten gelten. Und Statoil könnte sich von Randgeschäften trennen, um Geld in die Kasse zu bekommen.

Finanzlage Der Bösenwert von 54 Milliarden Euro ist zu einem knappen Fünftel durch umgerechnet 9,7 Milliarden Cash gedeckt. Dem stehen 27 Milliarden Euro Schulden gegenüber.

Börse



Chance Stabilität gibt der norwegische Staat, er hält 67 Prozent. Wer das Papier kauft, investiert auch in norwegische Kronen. Aus Sicht des Euro-Anlegers bietet Statoil so doppelten Hebel: Die Krone steigt und fällt oft mit dem Ölpreis. Wer einsteigt, könnte bei steigenden Ölpreisen auch von der starken Krone profitieren.

Fazit Mit KGV über 20 schon recht teuer, dafür kommt das Öl aus politisch stabilen Regionen, ist also weltkrisenfest.

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