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Investment Jetzt schon Facebook kaufen

Erst in einigen Monaten wird Facebook an die Börse gehen. Doch schon jetzt können sich Anleger an dem sozialen Netzwerk beteiligen. Wie das geht.

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Illustration: WirtschaftsWoche-Redakteur hat Facebook am Haken Quelle: Torsten Wolber

Bis zu fünf Milliarden Dollar will Facebook bei seinem Börsengang einnehmen. Bei großem Interesse soll es vielleicht sogar das Doppelte sein. Insgesamt könnte Facebook mit bis zu 100 Milliarden Dollar bewertet werden, berichten Insider. Eine ambitionierte Bewertung, denn laut Börsenunterlagen lag der Gewinn 2011 bei einer Milliarde Dollar, der Umsatz bei 3,7 Milliarden Dollar. Außerdem hat Facebook den Gewinn um 65 Prozent gesteigert. Und die Facebook-Euphorie wird durch den nahenden Börsenstart noch einmal befeuert. Warum also nicht jetzt einsteigen und verkaufen, wenn der Hype besonders groß ist? Bei anderen Internet-Werten war das zuletzt meist kurz nach dem Börsengang der Fall.

Geht nicht? Geht doch. Nicht nur die US-Investmentbank Goldman Sachs hat bereits Facebook-Anteile gekauft, auch andere Investoren sind schon an Bord. Heute schlage auch ich zu und kaufe Facebook. Nicht ganz, aber einen kleinen Teil. Immer mehr Mitglieder zählt Facebook, in den vergangenen 12 Monaten ist die Mitgliederzahl um rund 40 Prozent auf über 800 Millionen gestiegen. Auf Facebook tauschen sie sich mit Freunden und Bekannten aus, stellen Fotos ins Netz, spielen und geben sich als Fans von Bands oder Unternehmen zu erkennen.

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    Vor einem Jahr hatten Goldman Sachs und der russische Investor Digital Sky Technologies Facebook-Anteile gekauft. Für ein Prozent des sozialen Netzwerks hatten die beiden Investoren zusammen 500 Millionen Dollar gezahlt. Ganz so viel will ich nicht investieren. Aber wenn Facebooks Aufstieg weitergeht, sollten auch 1000 Euro Investition ordentliche Gewinne bringen. Schließlich ist der Marktwert, bislang werden Facebook-Anteile nur außerbörslich gehandelt, in den vergangenen 12 Monate um gut 75 Prozent gestiegen. Wenn das so weitergeht, wären aus meinen investierten 1000 Euro bis Anfang 2013 schon 1750 Euro geworden. Mit der Euphorie des Börsengangs geht es bestimmt noch schneller.

    Mitarbeiter-Aktien gesucht

    Social Media an der Börse
    TwitterKurz vor dem Börsengang waren die Investoren heiß auf den Kurznachrichtendienst: Die Nachfrage nach der Aktie war so hoch, dass Twitter den Ausgabepreis von erst mindestens 17 Dollar auf 26 Dollar hochschrauben konnte. Das sieben Jahre alte Unternehmen, das noch nie auch nur in die Nähe von schwarzen Zahlen gekommen ist, war damit schon vor dem Läuten der Börsenglocke in New York gut 14 Milliarden Dollar wert. Am Ende des ersten Handelstages stand die Aktie dann sogar bei 44,90 Dollar. Twitter konnte die Investoren bislang überzeugen, dass die Wachstumsaussichten gut sind und mit dem Anziehen der Werbeerlöse auch die Gewinne folgen werden. Aber es gibt keine Garantie, dass diese Rechnung aufgeht. Und wie lange hält die Geduld der Börsianer, wenn erst einmal Quartal für Quartal weiterhin rote Zahlen in der Bilanz auftauchen sollten? Schließlich wird Twitter jetzt nicht mehr wie in den ersten Jahren im Verborgenen agieren können, sondern unter voller Transparenz. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass das Wachstum abflache und Twitter mit 230 Millionen Nutzern weltweit immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen ist. Quelle: REUTERS
    Facebook soll einen Börsengang der Superlative planen Quelle: dpa
    Der Internet-Gutscheindienst Groupon gab zum Börsenstart Anfang November 35 Millionen Aktien zum Preis von 20 Dollar aus Quelle: REUTERS
    LinkedIn startete im April 2011 mit massiven Kursaufschlägen Quelle: REUTERS
    Spiele-Anbieter Zynga Quelle: dapd
    US-Portal Yelp hat erste Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht Quelle: dapd
    Yandex Quelle: REUTERS

    Doch wie komme ich schon jetzt an Facebook-Anteile, noch vor dem Börsengang? Nur gut, dass im Internet Plattformen gibt, auf denen ehemalige Mitarbeiter und frühe Investoren sich von ihren Anteilen an Internet-Unternehmen trennen können. Secondmarket und Sharespost sind die beiden größten in den USA. Nachdem der Handel mit Facebook-Anteilen dort kurz vor Bekanntgabe der Börsenpläne am Mittwoch ausgesetzt worden war, ist er nun wieder möglich. Tatsächlich will sich ein Verkäufer auf Sharespost von seinen Anteilen trennen. Für 37 Dollar würde er sie mir geben. Für das gesamte Unternehmen würde das rund 87 Milliarden Dollar an Wert entsprechen. Käme es zum Börsenstart tatsächlich zu einer 100-Milliarden-Dollar-Bewertung hätte ich also schon 15 Prozent Gewinn gemacht.

    Dumm nur: Käufer und Verkäufer müssten auf Sharespost 1500 Dollar Gebühren für einen Treuhänder zahlen, der das Geld annimmt und die Anteile weiterreicht. Mit meinen 1000 Euro, etwas mehr als 1300 Dollar, komme ich hier nicht weit.

    Kein Wunder also, dass Sharespost mir nach meiner Anmeldung eine kurze Mail geschickt hatte: Aufgrund meines angegebenen Einkommens und Vermögens sei ich leider nicht berechtigt, Aktien über Sharespost zu handeln. Für außerbörsliche Käufe auf Portalen wie Sharespost oder Secondmarket sieht das US-Wertpapierrecht ein Mindestvermögen von einer Million Dollar vor oder wenigstens 200 000 Dollar Einkommen während der vergangenen zwei Jahre. Die Mindestsumme für einen Kauf oder Verkauf auf Sharespost liegt bei 25 000 Dollar. Allein komme ich so also nicht an Facebook-Anteile. Auch die Suche nach Mitstreitern auf meiner Facebook-Seite bringt keinen Erfolg. Meine Kontakte reagieren zurückhaltend. Ein Facebook-Freund schreibt, es würde ihm schon reichen, wenn er das Recht an seinen Daten zurückkaufen könnte. Er hat das große Potenzial wohl noch nicht erkannt.

    Gut, dass es noch einen anderen Weg gibt. Er führt über Russland. Der russische Internet-Konzern Digital Sky Technologies, der Anfang 2011 gemeinsam mit Goldman Sachs Anteile gekauft hat, ist schon länger an Facebook beteiligt. Digital Sky Technologies hat sich 2010 ist in zwei Sparten aufgeteilt. Den größten Facebook-Anteil, 5,4 Prozent, hält die Sparte DST Global. Da sie nicht an der Börse notiert ist, kann ich mich hier nicht direkt einkaufen.

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      Die zweite Sparte mit dem Namen Mail.ru ist hingegen an der Londoner Börse notiert. Sie hält 2,3 Prozent der Facebook-Anteile, außerdem 1,4 Prozent am Online-Spieleanbieter Zynga (FarmVille) und 4,6 Prozent des Internet-Rabattunternehmens Groupon.

      Investment über Russland

      Die Mitarbeiter von Facebook in Menlo Park, Kalifornien, haben Aktien, verkaufen diese aber in der Regel nicht. Quelle: dapd

      Allein diese Anteile bringen es, gemessen an börslichen und außerbörslichen Bewertungen, zusammen auf etwa 2,6 Milliarden Dollar. Allerdings sind wohl schon andere Facebook-Fans auf die Idee gekommen. Aktuell kostet Mail.ru an der Börse 7,1 Milliarden Dollar. Ein stolzer Preis angesichts von 264 Millionen Dollar erwarteten Gewinns für 2012.

      Immerhin hält Mail.ru aber nicht nur Anteile an Facebook & Co., sondern dominiert auch den russischen Markt für soziale Netzwerke. Facebook konnte dort bislang nicht Fuß fassen. Am russischen Marktführer VKontakte hält Mail.ru 39,99 Prozent. Die Nummer zwei und drei unter den sozialen Netzwerken, My World@Mail.Ru and Odnoklassniki.ru, gehören komplett zu Mail.ru. Klingt nicht schlecht. Über einen Online-Broker kann ich die Mail.ru-Aktien problemlos ordern.

      Doch die hohe Börsenbewertung von Mail.ru schreckt mich ab. Deshalb werfe ich noch einen zweiten Blick auf die nicht-börsennotierte Sparte von Digital Sky Technologies, DST Global. Zu deren Aktionären zählt laut früheren Veröffentlichungen neben dem russischen Oligarchen Alisher Usmanov auch der südafrikanische Medienkonzern Naspers.

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        Ob das immer noch so ist? Ich rufe in Kapstadt bei Naspers an, doch außer Wartemusik erhalte ich vorerst keine verwertbare Auskunft. Dann aber meldet sich Naspers Investorenbetreuung mit schlechten Nachrichten: Naspers sei nicht mehr an DST Global beteiligt - weder direkt, noch indirekt.

        An Facebook-Anteile kann ich über Naspers trotzdem kommen. So hält das südafrikanische Unternehmen selbst Anteile an Mail.ru (29 Prozent) und dem chinesischen Internetkonzern Tencent (34 Prozent). Beide halten wiederum einen kleinen Facebook-Anteil. So kommen Investoren über Naspers zwar insgesamt nur an rund ein Prozent von Facebook. Doch Naspers Beteiligung an Tencent ist auch selbst interessant, denn Tencent betreibt das größte soziale Netzwerk in China. Auch dort spielt Facebook bislang keine große Rolle.

        Die Naspers-Aktie kann ich einfach kaufen, sogar an der Frankfurter Börse. In den vergangenen drei Jahren hat sich ihr Kurs zwar schon vervierfacht, doch im Vergleich zu Mail.ru ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 20 noch vergleichsweise günstig. Ich schlage zu.

        Facebook, ich komme!

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