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Der Gewinner in Europa

Europa hat weder nennenswerte Rohstoffvorkommen noch Internet-Giganten, dafür aber eine Schuldenkrise und ein Wachstumsproblem. Das klingt alles danach, als ob Thorsten Winkelmann einpacken könne. Tut er aber nicht. Der Chef des Europa-Aktienteams für Wachstumsaktien bei Allianz Global Investors in Frankfurt ist in dem Umfeld sehr erfolgreich: Mit 27 Prozent plus pro Jahr seit drei Jahren ließ sein Allianz RCM Europe Equity Growth-Fonds nicht nur alle europäischen, sondern auch viele Aktienfonds aus anderen Kontinenten hinter sich. Winkelmann findet im angeblich so schwachen Europa genug Unternehmen, bei denen er den Daumen hebt, wenn er ihre Schlagkraft im globalen Wettbewerb prüft. „Ihr typisches Merkmal ist, dass sie eine starke Position in ihrem Markt haben und dadurch Wettbewerbern den Markteintritt schwer machen.“ Das Kalkül: Weil sie Kunden Preise in einem gewissen Ausmaß vorgeben können, bleiben ihre Gewinne kalkulierbar. Zyklische Schwankungen im Heimatmarkt fangen sie durch Exporte ab.

Oder sie sind – wie das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk – immun gegen das Auf und Ab in der Volkswirtschaft. Die Dänen sind eines von 58 Unternehmen im Fonds. Schon jetzt haben sie einen Marktanteil bei Insulinprodukten von 51 Prozent weltweit. Weil immer mehr Menschen Diabetiker werden, wächst der Markt, den die forschungsstarken Dänen mit neuen Produkten bedienen.

Auch die Technologiebranche müsse sich in Europa keineswegs verstecken. Winkelmann glaubt, dass der deutsche Softwarekonzern SAP mit der neuen Hana-Technologie im Datenbankgeschäft dem US-Riesen Oracle Marktanteile abjagen wird. Der schwedische Spezialist für Messtechnik, Hexagon, wächst mit Software zur dreidimensionalen Darstellung von Bauplänen, aber auch durch den Service für Großprojekte: „Wenn heute hochkomplexe Gebäude entstehen, benötigen Eigentümer verlässliche Informationen darüber, wo welche Schraube sitzt und welche Materialien verarbeitet wurden, dafür liefert Hexagon die Software“, sagt Winkelmann.

Vergleich der Aktienindexe von Allianz Global Investors und MSCI Europa (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Die Stärken der Europäer

Winkelmann dürfte in die in London gelisteten Rohstoffriesen wie BHP Billiton investieren. Er profitiert aber lieber indirekt vom Boom im Bergbaugeschäft: „Australische Minen haben jahrzehntelang wenig in ihre Infrastruktur investiert“, sagt er. Viele Patente im Bergbau hält das finnische Unternehmen Outotech, das seine Gewinne in den kommenden fünf Jahren jährlich um zehn Prozent steigern will. Weitere Fondsaktien sind die französische Ingenico (EC-Kartenterminals) und die britische Serco, die Eisenbahnen, Schulen und Krankenhäuser betreibt und selbst die Luftraumüberwachung in einigen Ländern übernommen hat.

Börse



„Europäer sind sowohl stark darin, Marktnischen zu besetzen, als auch darin, marktführende Positionen auszubauen“, sagt Winkelmann. Solange dies so bleibt, werden Investoren weltweit den alten Kontinent noch nicht links liegen lassen – trotz ebenfalls verlockender Chancen auf anderen Kontinenten.

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