WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Investmentfonds Anlagefahrplan für die ganze Welt

Seite 2/7

Ein Grieche im Valley

In John Paul Scandalios Eckbüro in der Nähe des Flughafens von San Francisco türmen sich neben den unvermeidlichen Doppel-Monitoren die Papierberge. Als eine Art Ruhepol hat der Fondsmanager hinter sich ein Foto von seiner Frau und seinen Kindern platziert – und einen farbenprächtigen Bildband von Nisyros. Von der kleinen griechischen Insel im Ägäischen Meer stammt seine Familie. Seine Großeltern wanderten in die USA aus. Im Büro wird Scandalios deshalb geneckt: „Ach, das sind also deine Leute, die mit den Milliardenschulden in Europa.“ Scandalios Bruder ist überzeugt, dass die Drachme wieder eingeführt wird. Der Fondsmanager selbst ist zurückhaltender: „Es kommen auch bessere Zeiten.“

Mitten im Epizentrum der Technologiebranche

Mit dieser allgemeinen Unaufgeregtheit führt er auch den Technologiefonds von Franklin Templeton. Scandalios, der den Fonds mit einem derzeitigen Wert von 634 Millionen Dollar seit 2003 leitet, hat sich frühzeitig mit Werten eingedeckt, die heute fast jeder Investor gern in seinem Portfolio hätte: Apple, Google, Amazon und Oracle. Dabei kommt ihm zugute, dass er und sein Team von 13 Analysten mitten im Epizentrum der Technologiebranche sitzen. „Meine Kollegen und ich arbeiten hier nicht nur, sondern wir wohnen hier, haben unsere Kinder in der Schule und Nachbarn und Bekannte in den Silicon-Valley-Unternehmen.“ Scandalios selbst ist in dem Valley-Städtchen Atherton aufgewachsen und am Jesuiten-College Bellarmine Prep in San Jose ausgebildet worden. Er kennt viele der Silicon-Valley-Größen. Und um sein Spezialgebiet – die Halbleiterbranche – kümmert sich der Chef persönlich.

Apple, die er 2003 zu 30 Dollar ins Portfolio aufnahm, wurden von einer Analystin empfohlen, die die Expansion ins Musikgeschäft interessant fand. Heute steht der Kurs bei 600 Dollar, und Scandalios ist davon überzeugt, dass Apple weiter wachsen wird. „Sie stehen beim iPad und iPhone doch erst am Anfang“, sagt er. Die Dividende, die Apple in Kürze zahlt, werde das Unternehmen für viele Investoren noch attraktiver machen. Scandalios genießt den Umbruch in der Branche. „Ich habe in all den Jahren noch nie so viele Umwälzungen gesehen, die gleichzeitig geschehen.“

Beispielsweise durch das sogenannte „Big Data“, bei dem massenhaft Daten verwaltet und ausgewertet werden müssen. Sein Fonds hat groß in den Datenspeicherspezialisten EMC investiert. Umwälzend auch der Trend zum „Cloud Computing“ und „Software as a Service“, bei dem Softwareprogramme direkt aus dem Internet betrieben werden. Scandalios setzt hier auf Werte wie Salesforce.

Vergleich der Aktienindexe von Franklin Technology und MSCI USA (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Gegen den Strom schwimmen

Skeptisch ist er bei Social Media. Momentan hat er keine Werte im Portfolio. „Meine Neffen und Nichten atmen Facebook, Twitter und Zynga förmlich“, sagt Scandalios. Aber er selber und seine Analysten stellten bei Gesprächen fest, dass sich die Newcomer, anders als Google, noch unschlüssig über ihre Geschäftsmodelle sind.

Auf seinem Schreibtisch hat Scandalios an diesem Dienstagnachmittag gerade eine frische Expertise über Facebook, das am Tag zuvor Analysten über seinen für Mai erwarteten Börsengang gebrieft hat. Der Autor der Studie hält einen Börsenwert von über 100 Milliarden Dollar für realistisch. „Wir werden das im Auge behalten“, sagt Scandalios. Druck, einen Modewert aufzunehmen, verspüre er nicht. Gegen den Strom zu schwimmen aber müsse man „aushalten und vor allem gut begründen können“. Bisher ist ihm das gelungen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%