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Investor Relations Profis für gute Kommunikation mit Anlegern

DIRK-Konferenz: Preis für gute Kommunikation mit Anlegern  Quelle: Presse

Welche Unternehmen halten ihre Aktionäre am besten auf dem Laufenden? Der Investor-Relationsverband DIRK und die WirtschaftsWoche haben Unternehmen in dieser Disziplin ausgezeichnet. Was Privatanleger davon haben.

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Die Aktionärsquote in Deutschland gilt als verbesserungsbedürftig. Viele Privatanleger fühlen sich jedoch außen vor, angesichts des rasanten Computerhandels an den Börsen und des wachsenden Einflusses aktivistischer Investoren auf die Unternehmenspolitik.

Die Beziehungspflege mit den Aktionären ist daher eine wichtige Aufgabe kapitalmarktorientierter Unternehmen, die Aktien oder Anleihen ausgegeben haben. Diese Aufgabe erfüllen spezialisierte Investor-Relations-Profis. Um die besten Leistungen zu würdigen, hat der Investor-Relations-Verband DIRK gemeinsam mit der WirtschaftsWoche zum 19. Mal den Deutschen Investor Relations Preis verliehen. Die Verleihung fand als krönender Abschluss der jährlichen DIRK-Konferenz vom 3. und 4. Juni in Frankfurt statt.

Von wem sich die Börsenprofis am besten informiert fühlen, hat der Branchendienst extel mit einer umfangreichen Umfrage ermittelt, an der 14.000 Analysten teilgenommen haben. Der Preis geht an jeweils ein Unternehmen aus den Aktienindizes Dax, MDax und SDax, sowie an jeweils einen IR-Profi aus diesen drei Indizes.

Die Unternehmen mit der besten IR-Leistung sind der Technologiekonzern Siemens (Dax), das Energieunternehmen Innogy (MDax) und der Versicherer Talanx (SDax). Entsprechend wurden als beste IR-Profis Sabine Reichel von Siemens, Holger Perlwitz von Innogy und Carsten Werle von Talanx ausgezeichnet. Reichel, deren Konzern sich derzeit nach und nach aufspaltet, überzeugte die Analysten, weil sie bei ihr alle gewünschten Daten für ihr Research bekamen. Bei Perlwitz und Werle lobten die Börsenprofis vor allem das spezielle Branchenwissen und die Unterstützung der Sell-Side-Investoren. Das sind die Verkäufer und Vermittler von Wertpapieren, also etwa Investmentbanken, die im Auftrag von Unternehmen deren Aktien oder Anleihen an den Markt bringen und anschließend für einen kontinuierlichen Handel sorgen.

Umbrüche beschäftigen nicht nur die Aktionäre von Siemens, sondern auch die Anteilseigner von Innogy, das 2016 als Abspaltung des Energieriesen RWE an die Börse kam. Die Börsenhistorie könnte aber schnell wieder beendet sein, wenn Konkurrent E.On die nach der geplanten Übernahme von Innogy verbleibenden Minderheitsaktionäre herausdrängt. „Wegen der bevorstehenden Übernahme orientiert sich die Innogy-Aktie im Wesentlichen am Angebotspreis für die ausstehenden Aktionäre“, sagt Verena Nicolaus-Kronenberg, Chefin der Aktionärsbetreuung bei Innogy. Das Energieunternehmen wird nach der Übernahme einen wesentlichen Bestandteil der neuen E.On und der neuen RWE darstellen und beeinflusst daher auch deren Aktienkurse. „Daher gibt es nach wie vor einen intensiven Austausch mit Investoren und Analysten“, sagt Nicolaus-Kronenberg.

Hauptversammlung der Talanx AG im Mai 2019. Quelle: imago images

Hinter dem DIRK stehen 90 Prozent des in Deutschland börsennotierten Kapitals. Investor Relations, also die Kommunikation der kapitalmarktorientierten Unternehmen mit ihren Eigentümern, ist ein wichtiges Scharnier für die Börsen. Der Großteil der Ressourcen in den IR-Abteilungen konzentriert sich dabei auf die Kommunikation mit institutionellen Investoren, also mit Profi-Anlegern.

Privatanleger dagegen spielen aus Sicht vieler IR-Profis auf den Kapitalmärkten weder die Musik, noch bestellen sie diese. Das liegt auch daran, das etwa zwei Drittel des Aktienindex Dax institutionellen Anlegern gehören. Trotzdem richten Unternehmen Hotlines für Privatanleger ein oder veranstalten Konferenzen, die sich gezielt an private Aktionäre richten.

Börsentaugliche Unternehmenskultur ist gefragt

Die IR-Profis müssen zunächst sicher stellen, dass ihre Unternehmen die strengen Finanzmarktregeln einhalten, also regelmäßig Geschäftszahlen publizieren oder kursbewegende Ereignisse und Entscheidungen sofort – ad-hoc – öffentlich machen, damit alle Investoren und Anleger über die gleichen Informationen verfügen. Die hohe Schule der IR zeigt sich aber auf einer anderen Ebene. Hier geht es darum, die Unternehmenskultur börsentauglich zu machen.

Davon profitieren auch Anleger, die sich nicht regelmäßig an die IR-Abteilungen wenden, um Fragen zur Aktie oder zur Dividende zu stellen. „Bei Investor Relations geht es auch darum, die Anforderungen der Aktionäre und des Kapitalmarkt in das Unternehmen zu transferieren“, sagt IR-Preisträger Carsten Werle von Talanx. ‎Soll heißen: die IR-Leute halten das Management und die Mitarbeiter auf dem Laufenden darüber, was an der Börse los ist und welche Erwartungen die Aktionäre an das Unternehmen haben. Werles Talanx hat 2018 die Anteilseigner etwa auf den Wechsel des Vorstandsvorsitzenden vorbereitet. Das SDax-Unternehmen gehört zu 79 Prozent dem Versicherungsverein HDI, der Streubesitz ist zu einem Viertel in den Händen von Privatanlegern.

Bei allen Bemühungen und Erfolgen professioneller Kapitalmarktkommunikation sollten Anleger sich immer im Klaren sein, dass Investor Relations keine unabhängige Institution sind, sondern dem Management des Unternehmens unterstehen und dienen. Der Kontakt mit der IR-Abteilung – und sei er auch noch so professionell und verbindlich – sollte nicht die einzige Informationsquelle für Anlageentscheidungen sein. Der eigene Blick in den Geschäftsbericht und die Lektüre unabhängiger Finanzmedien gehört für jeden verantwortungsvollen Anleger dazu.

Die Unternehmen mit der besten IR-Leistung sind der Technologiekonzern Siemens (Dax), das Energieunternehmen innogy (MDax) und der Versicherer Talanx (SDax). Quelle: dpa

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