Investor Relations Schnelle Aktieninfos via Twitter, Facebook und Co.

Unternehmen versorgen Aktionäre auf Social-Media-Kanälen wie Facebook mit Information im Überfluss. Was das Anlegern wirklich bringt, wo Fallen lauern.

Viele Unternehmen haben spezielle Social-Media-Kanäle für Aktionäre eingerichtet, zum Beispiel Apple unter dem Cashtag $AAPL Quelle: dpa/Montage

Im Minutentakt poppen Nachrichten zu $AAPL bei Twitter auf. Für Eric Steiman können die kryptischen Kurznachrichten Geld wert sein. Er ist Trader beim US-Internet-Dienst Covestor.com. Dort präsentiert er Nutzern sein Aktienportfolio, erklärt, welche Aktien er kauft oder verkauft. Die Nutzer können seine Trades dann kopieren. AAPL ist das Börsenkürzel von Apple, und diese Aktie behält Steiman ständig im Blick. Er liest Nachrichten aus Blogs und Fachblättern, vom Unternehmen selbst, aus den Datenbanken der Börsenaufsicht SEC – und auch bei Twitter. Geldthemen werden auf dem Kurznachrichtendienst unter dem Dollar-Zeichen gebündelt. Cashtag heißt so ein Themenbündel, analog zu den Hashtags, bei denen allgemeine Themen hinter einer Raute stehen.

Unter dem Cashtag mit dem Börsenkürzel von Apple ($AAPL) findet Steiman deshalb alles zu Apple. Auch über deutsche Unternehmen lassen sich so Informationen sammeln. Der Chemiekonzern BASF etwa hat einen eigenen Twitter-Kanal, der unter $BASFY Informationen für Investoren verlinkt. Im vergangenen Jahr konnte BASF den Deutschen Investor Relations Preis gewinnen, der vom Branchenverband DIRK ausgelobt wird und den die WirtschaftsWoche verleiht. Die Allianz, Siegerin 2013 (siehe Kurztextgalerie), schickt zum Beispiel IR-Informationen wie den Link zum Quartalsbericht über den allgemeinen Twitter-Account des Konzerns.

Follower und Likes

Nur die eigene Unternehmenshomepage und die klassischen Kanäle zur Verbreitung von Ad-hoc-Mitteilungen zu bedienen reicht nicht mehr. Börsennotierte Unternehmen kämpfen um Follower und Likes. Den Geschäftsbericht gibt’s auf das iPad, das Interview mit dem Finanzvorstand auf YouTube und Quartalszahlen bei Twitter. Die Dax-Unternehmen halten bei der Social-Media-Präsenz im internationalen Vergleich sehr gut mit, zeigen Studien. Investoren, das wissen die Investor-Relations-Verantwortlichen, lassen sich so direkt erreichen. Doch was bringen die Aktivitäten Anlegern wirklich?

Bisher lautete die Strategie der Unternehmen, ganz simpel ausgedrückt: alles ins Netz, das ist modern. „Jetzt aber geht es um die Qualität der Informationen“, sagt Ansgar Zerfaß, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig. Er hat in mehreren Studien untersucht, wie Konzerne soziale Netze für ihre Finanzkommunikation einsetzen. Bisher nutzt nur etwa jeder fünfte Anleger unter 40 Jahren Dienste wie Twitter, um sich über Unternehmen zu informieren, hat Zerfaß in einer Anlegerbefragung herausgefunden.

Die Sieger des Deutschen IR-Preises

Via Twitter

Bei den über 40-Jährigen wird die Quote verschwindend klein. „Alle Unternehmen haben ausreichend mit Online-Kanälen für Investor Relations experimentiert“, sagt Zerfaß. „Wahrscheinlich werden aber einige Kanäle wieder eingestellt, weil sie Investoren keinen Mehrwert bieten.“

Der deutsche Softwarehersteller SAP hat sich dafür entschieden, Investor Relations via Twitter zu nutzen. „Damit kommunizieren wir noch intensiver mit unseren privaten Aktionären“, sagt James Dymond. Er ist verantwortlich für Social Media im IR-Team von SAP. In Notfällen kann er zwei Kollegen hinzuziehen. Da SAP global aktiv ist, steht einer in den USA bereit, „falls etwas passiert, während ich hier in Deutschland schlafe“, sagt Dymond.

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