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Investoren verdienen kräftig Riesenrendite mit Ramsch - dank Draghi

Die Staatsschuldenkrise hat Investoren eine einmalige Gelegenheit beschert. Sie verdienen kräftig mit Ramschanleihen aus Krisenstaaten. Bedanken sollten sie sich dafür bei Mario Draghi.

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Geld verdienen mit Müll: Das ist Investoren in Europa gelungen. Quelle: dpa

Mit Bundesanleihen lässt sich nichts mehr verdienen. Für zweijährige Papiere liegt die Rendite bei 0,004 Prozent. Das hat die Bezeichnung "Rendite" eigentlich gar nicht verdient. Nicht viel besser sieht es mit Anleihen von Unternehmen aus, die als sicher gelten. Wer dagegen voll ins Risiko geht, wird dafür belohnt. Ramschanleihen aus Europa haben in diesem Jahr 23 Prozent zugelegt und dazu noch hohe Zinsen abgeworfen. Besonders lukrativ: Unternehmensanleihen aus den Krisenländern und die Bonds von Banken.

Die Staatsschuldenkrise hat Investoren eine einmalige Gelegenheit beschert. Bedanken sollten sie sich dafür bei Mario Draghi. Der Chef der Europäischen Zentralbank hat dafür gesorgt, dass europäische Unternehmen, wenn nicht sogar Staaten reihenweise pleitegehen. Indem er unbegrenzt billiges Geld zur Verfügung stellte, hielt er etwa die Banken am Leben, sodass diese weiter fleißig ihre Gläubiger bedienen konnten.

Als Ramschanleihen oder Hochzinsanleihen werden Papiere bezeichnet, die von den Ratingagenturen als besonders riskant eingestuft werden. Am Markt wird unterschieden zwischen Investment Grade – mit einem Rating bis einschließlich „BBB-“ – und Non-Investment Grade, auch Ramsch genannt – ab „BB+“. Ramschanleihen werfen höhere Renditen ab, bergen in der Regel aber auch höhere Risiken. Die EZB hat diese Regel außer Kraft gesetzt. Durch ihre Einmischung hat sie den Investoren das Risiko abgenommen.

Begehrt sind vor allem die "Gefallenen Engel". So werden Unternehmen bezeichnet, die zuvor noch als sicher eingestuft, und dann auf Ramschniveau abgestuft worden sind. Die Mehrheit dieser so genannten gefallenen Engel sitzt laut S&P in Europa, und zwar 22 von 37 weltweit. Die Hälfte der europäischen gefallenen Engel sind Banken.

Im November verzeichneten Ramschanleihen mit den höchsten Bonitätsnoten die beste Entwicklung, wie Daten von Bank of America Merrill Lynch zeigen. Spitzenreiter in dem Monat war Barclays, die zweitgrößte britische Bank, mit einem Plus von 4,9 Prozent, gefolgt von der französischen Sparkasse BPCE, mit 3,8 Prozent Ertrag.


"Irgendwo muss man sein Geld anlegen"

Europäische Ramschanleihen stellen nicht nur sämtliche als sicher geltende Anlagen in den Schatten, sondern auch Hochzinsanleihen aus dem Rest der Welt. Der 23-Prozent-Anstieg im Euro High Yield Constrained Index, der 416 Wertpapiere umfasst, übertrifft auch die globale Entwicklung der Junkbonds mit einem Plus von 15,4 Prozent. Mit den Pendants aus den USA ließ sich sogar nur halb so viel verdienen.

"Europa ist immer noch preisgünstiger als die USA, und die Ausfallraten sind fast gleich", sagt Tatjana Greil Castro, Portfoliomanagerin bei Muzinich in London. Castro favorisiert den portugiesischen Versorger EDP- Energias de Portugal, der von den Ratingagenturen Moody's Investors Service und Standard & Poor's im letzten Jahr auf "Ramsch" heruntergestuft wurde.

Auch ING Investment Management setzt mit dem im August 2010 aufgelegten Luxemburger Hochzins-Fonds ING Renta Fund Europe High Yield mit einem Fondsvolumen von derzeit 188 Millionen Euro auf Emittenten aus Krisenstaaten. Der Fonds beteiligt sich auch an ausgewählten Neuemissionen. Gemieden werden dagegen Unternehmen, deren Anleihen in großem Umfang in Kürze fällig werden und refinanziert werden müssen. "In Europa gibt es immer noch Spielraum für eine bessere Entwicklung und es gibt immer noch Nachfrage", sagt Hans Stoter, Leiter Hochzinsanlagen bei ING Investment Management in Den Haag. "Und schließlich muss man sein Geld irgendwo anlegen."

In Europa haben Unternehmen dieses Jahr Hochzinsanleihen im Volumen von 65,5 Milliarden Dollar an den Markt gebracht, das lag unter dem Vorjahresrekord von knapp 81 Milliarden Dollar. Ein großer Teil der Rally mit Ramschanleihen dürfte inzwischen gelaufen sein. Der Risikoaufschlag der europäischen Hochzinsanleihen gegenüber Staatsanleihen geht wieder zurück.

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