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Italien-Ratings Wie Ratingagenturen Italiens Kreditwürdigkeit beurteilen

Anleger sind besorgt über die politisch unsichere Lage im hoch verschuldeten Italien. Die wichtigsten Ratingagenturen bestätigen die Bedenken.

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Matteo Salvini, der Vorsitzende der Partei Lega Nord, bei einer Großkundgebung. Die Rechtspopulisten könnten von Neuwahlen sogar profitieren. Quelle: dpa

Mailand/Frankfurt Auch nach der gescheiterten Regierungsbildung bleibt Italien im Fokus der Finanzmärkte. Das Land hatte Ende März mit 2,3 Billionen Euro weltweit die drittgrößte öffentliche Verschuldung und ist damit anfällig für steigende Refinanzierungskosten. Das Finanzministerium in Rom will in diesem Jahr Anleihen im Volumen von 240 bis 250 Milliarden Euro ausgeben, inklusive kurzlaufenden Bonds sind es sogar bis zu 400 Milliarden.

Die wichtigsten Ratingagenturen vergeben bestenfalls durchschnittliche Noten an Italien, wie die Übersicht über deren Ratings zeigt.

Moody's: Herabstufung wird geprüft

Moody's hat Italien auf „Baa2“ gesetzt, prüft allerdings eine Herabstufung. Die Note steht für eine durchschnittlich gute Anlage. Geht die Kreditwürdigkeit einen Tick runter, wäre sie nur noch knapp über dem sogenannten Ramsch-Niveau. Zu Beginn der Euro-Krise 2011 stufte Moody's Italiens Schulden noch deutlich besser mit „Aa2“ ein – und damit sechs Stufen über dem aktuellen Rating.

Standard & Poor's: Stabiler Ausblick

S&P bewertet Italiens Schulden mit einem zu Moody's vergleichbaren „BBB“ und einem stabilen Ausblick. Im Oktober hatten die Bonitätswächter noch eine Heraufstufung von „BBB-“ vollzogen. Der unerwartete Schritt war die erste Aufwertung Italiens durch S&P, seitdem die Agentur 1988 mit der Bewertung des Landes begonnen hat. Begründet wurde dies mit einer stärkeren Wirtschaft, verringerten Bankrisiken und der Erwartung, dass sich die öffentlichen Finanzen bessern.

Fitch: Neubewertung Ende August

Fitch hat sein „BBB“-Rating mit einem stabilen Ausblick am 16. März bestätigt. Dies geschah kurz nach der Parlamentswahl, die laut Agentur das Risiko von haushaltspolitischen Fehlentwicklungen erhöht und die Aussichten für Reformen geschwächt hat. Fitch geht davon aus, dass Italiens Staatsschulden allmählich sinken, und beobachtet politische Entwicklungen, die die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung in Rom schädigen könnten. Die Agentur veröffentlicht ihre nächste Bewertung zu Italiens Note am 31. August.

DBRS: „Auf kurze Sicht ist eine Erholung möglich“

Italien hat sein letztes „A“-Rating verloren, als DBRS das Land im Januar 2017 von „A (niedrig)“ auf „BBB (hoch)“ setzte. Im Januar 2018 bestätigte die Agentur das Rating mit einem stabilen Trend. Das Wirtschaftswachstum und die anhaltende Haushaltskonsolidierung kompensierten die Risiken, die von hohen Staatsschulden, faulen Bankkrediten und politischer Unsicherheit ausgingen.

Als die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsextreme Lega sich anschickten, ein Regierungsbündnis zu schmieden, warnte DBRS-Expertin Nichola James davor, dass deren Finanzpolitik den erwarteten Schuldenabbau gefährden könnte, der wiederum das aktuelle Rating untermauere. Die nächste DBRS-Ankündigung zu Italien ist für den 13. Juli geplant.

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