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Jahresbilanz Musterdepots Besser als Dax und Co.

Auch ein Jahr nach dem jüngsten Betreuerwechsel fällt die Bilanz aller drei Handelsblatt-Musterdepots gut aus – trotz zunehmender Marktschwankungen.

Welche Depotstrategien sind nach neun Jahren Aktienhausse noch aussichtsreich? Quelle: dpa

FrankfurtMünden die anhaltenden Turbulenzen an den Aktienmärkten in eine Baisse? Die Betreuer der Handelsblatt-Musterdepots halten dies für unwahrscheinlich, raten aber trotzdem zur Vorsicht. Dabei richten sie ihre Portfolios, die sich alle drei besser geschlagen haben als der breite Aktienmarkt, sehr unterschiedlich aus.

„Trotz der Schwankungen in den letzten Wochen gibt es noch keinen Grund, sich aktuell von Aktien zu trennen“, sagt Sönke Niefünd von der Otto M. Schröderbank, der das „Privatbank-Depot“ steuert. Die Aufwärtsphase dauere zwar bereits außergewöhnlich lange an. Zudem drückten ein möglicher von den USA ausgelöster Handelskrieg und die Furcht vor steigenden Zinsen auf die Stimmung. Da aber die Konjunkturerwartungen zunächst positiv blieben und der mittelfristige Trend am Aktienmarkt noch intakt sei, sollten sich Anleger erst ab Jahresmitte gegen mögliche Rücksetzer wappnen.

Konstruktiv beurteilt die derzeitige Lage auch Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen, der das „Social Trading“-Depot verantwortet: „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche – sondern durch Kopfschuss“, zitiert der Portfoliomanager ein Wall-Street-Bonmot. Das Ende der Hausse kommt demnach in der Regel zwar völlig unerwartet. Doch vor allem die makroökonomischen Daten sprechen auch laut Kovalenko momentan noch nicht für einen nachhaltigen Richtungswechsel nach unten.

Ähnlich sieht das Ulf Sommer, der das Redaktionsdepot des Handelsblatts seit einem Betreuer- und Strategiewechsel im März vergangenen Jahres verantwortet: „Nach neun Jahren Aufschwung ist die Hausse an den Aktienmärkten zwar überreif. Deshalb halten wir gut 40 Prozent Cash vor“, sagt Sommer. Doch die Rekordgewinne der Unternehmen und die weiterhin gut laufende Weltwirtschaft sprächen immer noch gegen ein rasches Ende der Hausse.

Die Musterdepots im Handelsblatt wurden vor gut vier Jahren aufgelegt. Das Ziel: Privatanlegern sollen aussichtsreiche Ansätze vorgestellt werden, mit denen sie ihre Renditeziele erreichen können. Auch in anspruchsvollen Marktphasen wie derzeit: Nach neun Jahren Hausse treten die Kurse auf der Stelle. So notiert etwa der deutsche Aktienindex Dax nach einem Kursrutsch von zeitweise über anderthalbtausend Punkte wieder auf seinem Niveau vom Frühjahr 2015, nachdem er Anfang des Jahres noch ein Allzeithoch bei 13.559 Zählern erreicht hat.

Drei Strategien für mehr Rendite

Anleger fragen sich, was nun zu tun ist. Aufschluss geben kann das Handeln der Experten. Im Vordergrund steht dabei nicht ein Wettbewerb zwischen den drei Portfolios. Es geht stattdessen um Nachvollziehbarkeit und Transparenz ihres Anlageverhaltens. Wie schlagen sich die Depots seit dem Konzeptwechsel des Redaktionsdepots? Und mit welcher Strategie verfolgen die Portfoliobetreuter ihre Ziele? Zeit für eine Zwischenbilanz – und den Blick nach vorne.

Erfreulich: Alle Depots haben den hiesigen Aktienmarkt in den vergangenen zwölf Monaten abgehängt. Während der Dax seit März vergangenen Jahres nur ein Plus von rund drei Prozent aufzuweisen hat und der europäische Vergleichsindex „Stoxx 50“ sogar im Minus notiert, legten die drei Musterportfolios deutlich zu.

Eine besonders beeindruckende Performance weist das „Social Trading“-Depot auf: Es gewann knapp ein Zehntel an Wert hinzu. „Unser Depot setzt sich zusammen aus einem Aktienkernportfolio und einigen ausgewählten Zertifikaten der Social-Trading-Plattform wikifolio.com“, erklärt Depotmanager Kovalenko. Bei der Handelsblatt-Beteiligung Wikifolio folgen Investoren öffentlichen Anlagekonzepten anderer Teilnehmer. „Unsere transaktionsarme Strategie zielt darauf, langfristig den europäischen Aktienmarkt zu schlagen“, ergänzt er.

In der Regel sei man beinahe voll investiert – so wie derzeit auch. „Da die makroökonomischen Daten nicht für ein baldiges Ende der Hausse sprechen, konzentrieren wir uns weiter auf eine fundamentale Wertpapierauswahl und versuchen, nur ganz große panikartige Kurseinbrüche über ein spezielles Wertsicherungsmodell abzumildern“, sagt Kovalenko.

Überzeugen kann auch das Privatbank-Depot, das binnen Jahresfrist mehr als doppelt so viel zugelegt hat wie der Dax: „Als risikoärmstes der drei Musterdepots müssen wir uns mit unserer Performance nicht verstecken“, sagt Niefünd. Der Betreuer peilt vier bis fünf Prozent jährlichen Ertrag an – und zwar mit Investitionen, die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

„Zu den wenigen negativen Ausreißern gehört die Rohstoffposition in Lithium, die aufgrund des schwachen US-Dollars im Minus notiert“, sagt der Geldprofi. Dennoch wird er an dem Investment festhalten. „Die steigende Nachfrage nach Akkuzellen im Automobilbau wird dazu führen, dass sich neben Kobalt auch Lithium verknappt“, ist Niefünd überzeugt. Alleine Volkswagen habe sich Batterielieferungen im Wert von 25 Milliarden US-Dollar gesichert, andere Hersteller werden seiner Ansicht nach folgen.

Bestätigt in seinem Anlagekonzept sieht sich auch der Betreuer des Redaktionsdepots: „Mein Ziel ist es, langfristig den Wert zu mehren und eine Rendite deutlich oberhalb des Sparbuch- und Anleihezinses zu erzielen“, sagt Sommer. Mit dem Plus von über vier Prozent sei dies bisher problemlos gelungen. Dabei entwickelten sich die allermeisten Positionen im Depot erfreulich. Die Aktien von Rheinmetall, Lufthansa und dem expandierenden chinesischen Autokonzern Geely seien viel besser gelaufen als der Gesamtmarkt.

„Dass sich das Redaktionsdepot nicht noch besser geschlagen hat, liegt am recht hohen Cash-Bestand“, ergänzt Sommer. Rückblickend sei es ein Fehler gewesen, schon vor einem Jahr mit dem nahenden Ende der Hausse zu rechnen. Trotz aller Risiken könnten die Kurse aber noch eine Zeit lang weiterlaufen, meint der Redakteur: „Deshalb halte ich es für die richtige Strategie, 2018 auf Sicht zu fahren – das heißt vor allem die weltweite Zinspolitik und die Frühindikatoren der Realwirtschaft im Blick zu behalten.“

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