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Japanischer Yen Die am wenigsten hässliche Währung

Die Angst um die Zukunft der Euro-Zone schlägt auf die Devisenmärkte durch. Der Euro ist zeitweise unter die Marke von 100 Yen gefallen. Das verschärft die Probleme von Japans Exportindustrie.

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Zuletzt fiel der Euro seit vier Monaten erstmals wieder unter 100 Yen. Quelle: dapd

Der Euro schwächelt. So sehr, dass der Kurs Ende vergangener Woche erstmals seit fast vier Monaten wieder unter die Marke von 100 Yen je Euro gefallen ist. Aktuell kostet der Euro 102 Yen. Währungsexperten sehen vorerst kein Ende des Abwärtstrends - selbst wenn die Notenbank eingreift.

Die neue Stärke des Yens gegenüber dem Euro begründen Devisenexperten vor allem mit der sich weiter zuspitzenden Schuldenkrise in der Euro-Zone. In Sorge um die Zukunft der Währungsgemeinschaft flüchten die Anleger in sichere Währungen. Neben dem US-Dollar sei das typischerweise auch der Yen. Die beiden laufen häufig parallel.

„Der schwächere Euro-Dollar-Kurs zieht den Euro-Yen mit sich, zumal Dollar und Yen tendenziell stabil bleiben", meint Armin Mekelburg, Währungsanalyst bei der italienischen Bank Unicredit. Dabei tragen auch die Japaner selbst zu einem starken Yen bei: „In Krisenzeiten wie jetzt haben die Inländer Geld in die Heimat zurückgeholt - auch das hat den Yen zuletzt gestärkt", sagt Eugen Keller, Währungsanalyst beim Bankhaus Metzler.

Die Sicherheit des Yens ist jedoch relativ. Wie der ehemalige Vize-Finanzminister Eisuke Sakakibara sagt, profitiert der Yen derzeit von einem „umgedrehten Schönheitswettbewerb". „Der Yen ist derzeit die am wenigsten hässliche Währung", sagt Sakakibara.

Denn der Staat hat sich vor allem bei seinen eigenen Bürgern verschuldet, und das Establishment unternehme alles, dass diese nicht verschreckt werden: Die Notenbank hält die Zinsen bei null Prozent, um dem Staat den Schuldendienst zu ermöglichen. Dazu kauft sie seit zehn Jahren massiv Staatsanleihen auf, um den Markt im Gleichgewicht zu halten.


Gibt es eine Devisenintervention Japans?

Japans Kartenhaus aus Schuldscheinen wird daher das letzte sein, das zusammenfällt. Der Euro hingegen ist zum Spielball der Politik geworden. „Griechenland dominiert", sagt Naomi Fink, Chefstrategin von Jefferies in Japan. Die Analysten von MUFJ Morgan Stanley gehen daher davon aus, dass der Euro bis zum ersten Quartal 2013 kontinuierlich bis auf 92 Yen abrutschen wird, um dann wieder auf 110 Yen anzusteigen.

Tendenziell stehe der Euro auch ohne Krise unter Druck. Denn in Japan herrscht weiterhin Deflation. Das gibt dem Yen mehr Wert, während in Europa schon deutlich die Preise steigen. Die Japaner selbst sehen die Kursgewinne des Yens gegenüber dem Euro weniger besorgt. Das Augenmerk liegt auf der Entwicklung des Dollars.

Und auch der ist wieder unter die derzeitige Schmerzgrenze von 80 Yen gefallen. Martin Schulz, Volkswirt am Fujitsu Research Institute, meint, dass sich die Märkte auf eine Devisenintervention Japans, also Dollar-Käufe, einstellen müssen. Dem widerspricht hingegen der Devisenanalyst Tohru Sasaki von J.P. Morgan. Die USA hätten nach der letzten Aktion im Herbst 2011 lautstark protestiert, sagt Sasaki.

„Wir erwarten keine Yen-Intervention, aber Aktionen der Bank von Japan könnte es schon geben." Bereits im Februar hatte die japanische Notenbank die Märkte mit einer aggressiven Lockerung ihrer Geldpolitik überrascht und den Euro kurzfristig auf 110 Yen getrieben.

Doch da sie zuletzt Zurückhaltung geäußert hat, geht es umso rascher mit dem Euro bergab. Im Juli könnte es eine kleine Wende geben. Viele Analysten glauben, dass die Notenbank dann wieder mehr Geld in den Markt pumpen wird. Das dürfte allerdings allenfalls den Aufwertungsdruck gegenüber dem Dollar herausnehmen und den Yen stabil halten, erwartet Mekelburg von Unicredit.


Japanische Wirtschaft bräuchte eher schwachen Yen

Die Bindung zwischen der Euro-Dollar- und Euro-Yen-Entwicklung bleibe erhalten. Derzeit könnten dem guten Ruf des Yens weder die eingetrübte Lage der öffentlichen Haushalte in Japan noch das schwache Exportwachstum und wohl nicht einmal geldpolitische Schritte etwas anhaben, meint Dorothea Huttanus, Leiterin Devisen-Research bei der DZ Bank.

Der japanischen Wirtschaft wäre allerdings an einem schwächeren Yen gelegen: Der Fall des Euros unter die 100-Yen-Marke verschärft die Probleme von Japans Exportindustrie im Allgemeinen und die der Elektronikindustrie im Besonderen.

Konzerne wie Panasonic, Sharp und Sony haben 2011 Rekordverluste eingefahren und wollen dieses Jahr in die Gewinnzone zurückkehren. Dabei setzen sie nicht nur darauf, dass sie mehr verkaufen, sondern auch auf einen Euro-Kurs von über 100 Yen. Panasonic beispielsweise hat seinen Geschäftsplan auf einem Kurs von 103 Yen aufgebaut.

Doch je tiefer der Euro fällt, desto schwerer wird es, die Ziele zu erreichen. Umgekehrt profitieren Unternehmen der Euro-Zone, die nach Fernost günstiger exportieren können. Die Japaner erinnern sich noch gut an die Zeiten der letzten Euro-Schwäche vor zehn Jahren, die die Gewinne der japanischen Exportwirtschaft einbrechen ließ.

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