John Paul Scandalios "Bei Apple muss man nochmal genauer hinschauen"

Einer der einflussreichsten Manager von Technologieaktienfonds in den USA erklärt, welche Risiken rasante Kursentwicklungen der Internet-Papiere vor dem Twitter-Börsengang bergen.

John Paul Scandalios Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Mr. Scandalios, im Silicon Valley und an der Wall Street fiebert man dem Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter entgegen. Sie auch?

Scandalios: Wir schauen uns das wie immer alles nüchtern an. Momentan stecken wir noch in der Analyse, die Firmenpräsentation findet ja erst noch statt. Aber ganz generell finde ich Unternehmen, die Internet-Plattformen betreiben, sehr interessant.

Warum?

Weil diese Plattformen, wenn sie erfolgreich sind, massiv skalierbar sind. Andere Marktteilnehmer setzen auf ihnen auf. Außerdem lassen sich mit ihnen verschiedenste Geschäftsmodelle realisieren, beispielsweise mit Werbung und Marketing. Das ist der Grund, warum wir beispielsweise in Facebook und LinkedIn investiert sind. Ob Twitter ähnlich ausbaubar ist, müssen wir uns im Team aber noch genauer anschauen.

Was der Börsenprospekt über Twitter enthüllt

Wie wird der Börsengang von Twitter den Markt für Internet-Aktien beeinflussen?

Internet-Aktien haben sich in diesem Jahr extrem gut entwickelt, wenn man sich nur mal Google anschaut, Amazon, Facebook oder auch kleinere Werte wie Yelp oder Shutterfly. Lassen Sie es mich so sagen: Falls der Twitter-Börsengang enttäuschen sollte, würde das sicher eine Delle geben. Aber der Sektor würde nicht entgleisen.

Sind Tech-Werte nicht schon zu teuer?

Sie sind nicht mehr so attraktiv. Sie haben so zugelegt, dass meine Unruhe wächst.

Wie sichern Sie Risiken ab?

Wir streuen viel breiter. Die Zeiten, wo wir vier, fünf oder gar sieben Prozent unseres Portfolios in einer Aktie hatten, sind vorbei. Manche Investoren hatten 20 Prozent in Apple, und man sieht, wie schnell die Unsicherheit am Markt um sich greifen kann. Wir haben einen Korridor zwischen 1,5 und 3,0 Prozent.

Ihr größtes Investment ist Amazon. Ein Unternehmen, das mit 150 Milliarden Dollar bewertet wird, obwohl es im vergangenen Jahr sogar Verluste schrieb.

Aber die Wachstumschancen sind enorm. Amazon ist klar im Expansionsmodus. E-Commerce hat ja noch immer erst eine Marktdurchdringung von etwas über zehn Prozent in den USA. Amazons Anteil beträgt etwa 15 Prozent derzeit. Ich sehe keinen Grund, warum der Internet-Handel nicht auf 20 bis 30 Prozent Marktanteil steigen kann und Amazon vielleicht davon 25 Prozent hat. Das Potenzial ist also wesentlich höher als der 75-Milliarden-Dollar-Umsatz, der 2013 für Amazon erwartet wird.

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