John Paulson Star-Investor wettet gegen Deutschland

John Paulson sagte die Finanzkrise richtig voraus, auch seine Investments machten ihn berühmt. Zuletzt aber lag er öfter mal daneben. Jetzt wettet er gegen Europa.

John Paulson, US-Hedgefondsmanager Quelle: dpa

John Paulson ist einer der Stars unter den Hedgefondsmanagern von New York. Sein guter Riecher hat seine Fonds groß und ihn selbst schwer reich gemacht. Aber zuletzt lag er öfter daneben. Sein neuester Coup: Er verkauft europäische Staatsanleihen leer und wettet so gegen die Sorgenkinder der Euro-Zone. Ob er diesmal wieder richtig liegt?

Konkret wettet Paulson darauf, dass sich die Schuldenkrise in Europa wieder zuspitzt. Paulson habe – wie verschiedene Medien und Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten – seine Strategie zu Wochenbeginn in einer Telefonkonferenz mit Investoren erläutert. Demnach spekuliert er seit einiger Zeit mit Optionsgeschäften auf sinkende Kurse europäischer Staatsanleihen und kauft zudem Kreditausfallversicherungen (CDS), um sich gegen einen Komplettausfall abzusichern.

Laut „Financial Times“ wettet Paulson insbesondere auf eine schlechtere Bonität Deutschlands, dessen Bonds bislang als sicherer Hafen galten. Der Starinvestor gehe davon aus, dass auch Deutschland immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise gerate, wenn sich die Lage in den nächsten Monaten zuspitze, berichtete die Zeitung. Anderen Berichten zufolge sehe er vor allem im spanischen Bankensektor eine drohende Abhängigkeit von der Europäischen Zentralbank, vor allem weil diese viele spanische Staatsanleihen halten und zugleich Kunden ihr Geld abziehen. Ein Sprecher Paulsons lehnte eine Stellungnahme ab.

Die größten Hedgefonds der Welt

Das dieses Investment bekannt wurde, dürfte so manchen Anleger aufhorchen lassen, denn Paulson ist nicht irgendwer: Seine Fonds verwalten heute ein Vermögen von rund 24 Milliarden Dollar, Paulson & Co. gilt als die viertgrößte Hedgefondsgesellschaft der Welt. Der 56-jährige Paulson begann seine Karriere als Unternehmensberater bei Boston Consulting. Später wechselte er an die Wall Street und arbeitete unter anderem für die Investmentbank Bear Stearns. 1994 gründete er dann seinen ersten eigenen Hedgefonds, angeblich mit nur zwei Millionen Dollar und nur einem Angestellten. In Spitzenzeiten war Paulson Verwalter von 38 Milliarden Dollar.

Paulsons Investmentstrategie lässt bei vielen Börsenkennern die Alarmglocken klingen. Der Hedgefonds-Manager wurde berühmt, weil er als einer der ersten den Zusammenbruch des US-Häusermarktes vorhersah, der sich später zur weltweiten Finanzkrise auswuchs. Der heute 56-Jährige wettete 2007 erfolgreich vor allem gegen den Markt mit Hypotheken niedriger Qualität (subprime).

Das Geschäft gelang und gilt heute als einer der größten Trades aller Zeiten. Paulson wurde durch die Wette gegen den Subprime-Markt zum Milliardär, im Jahr 2007 verdiente er 3,5 Milliarden Dollar. Im Jahr 2010 gelang ihm ein neuer Hedgefonds-Rekord, mit einem Verdienst von fünf Milliarden Dollar.

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