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Jupiter-Chef Edward Bonham Carter "Gigantisches Geldexperiment"

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"Bei uns ist jeder Fondsmanager unabhängig"

Die besten Deutschland-Fonds

Wem dient der Chef einer börsennotierten Fondsgesellschaft mehr, seinen Aktionären oder den Fondsanlegern?

Wenn wir einen guten Job für die Fondsanleger mache, dann profitieren davon auch die Aktionäre, weil das verwaltete Vermögen steigt und wir aus der Verwaltungsvergütung mehr Einnahmen haben. Dadurch wiederum wird normalerweise auch der Aktienkurs steigen.

Sie könnten die Einnahmen steigern, indem sie die Verwaltungsgebühren in den Fonds erhöhen.

Die Kosten lassen sich in dem wettbewerbsintensiven Umfeld mit börsengehandelten Indexfonds nicht erhöhen. Anleger, die billige Produkte wünschen, können Indexfonds kaufen. Wer aber die Chance auf einen Mehrertrag haben möchte, muss aktiv gemanagte Fonds kaufen. Talentierte Menschen, die es schaffen Vermögen gewinnbringend anzulegen, kosten halt mehr als ein Computer – im Moment ist das wenigstens noch so.

Erfahrene Fondsmanager sind für Anleger ein Pluspunkt, Jupiter halten sie lange die Treue und die Teams sind stabil. Wie halten Sie sie bei Laune?

Also am Kaffee, den es bei uns im Büro gibt, liegt es nicht, der ist scheußlich. Sie müssen die Fondsmanager motivieren können. Wir sind unabhängig, und hängen nicht an einer Bank oder einem Versicherer, die Fondsmanager sind Miteigentümer und dadurch direkt am Erfolg des Unternehmens beteiligt.

Geld ist am wichtigsten?

Nicht nur. Fondsmanagement ist ein sehr wettbewerbsorientiertes Geschäft, man kann es sekündlich, stündlich, wöchentlich messen. Es sind spezielle Menschen, die den Druck aushalten. Sie sind wie Handwerker stolz auf das, was sie herstellen und sie sind stolz, wenn sie in dem Wettbewerb gut abschneiden. Wir haben Teams, aber keine Komitees oder Ausschüsse, die eine Richtung vorgeben. Bei uns ist jeder Fondsmanager für sein Portfolio verantwortlich. Dazu muss man eine besondere Kultur im Unternehmen herstellen.

Fonds-Gebühren im Überblick

Und was heißt das?

Wir setzen unsere Fondsmanager vielleicht etwas weniger unter Druck als andere Fondshäuser. Ich kann von keinem Fondsmanager ständige Outperformance gegenüber einem Index erwarten. Das wäre verrückt und gefährlich. Ich will nur wissen, warum ein Fonds vorübergehend schwächelt. Es gibt etwa die mittelgroßen wachstumsstarken Unternehmen, die sind je nach Börsenzyklus mal aus der Mode. Aber solange der Manager nicht plötzlich die Anlagestrategie ändert, sollte man ihm treu bleiben, um einen erneuten Aufschwung mitzumachen. Nur dann, wenn man das Vertrauen in den Manager verliert oder er seine Anlagestrategie über den Haufen wirft, sollte man sich von ihm trennen.

Nennen Sie mal ein Beispiel.

2007 hatte einer unserer Europa-Aktienfonds eine schlechte Performance. Wir haben uns erklären lassen, warum das so ist. Der Fondsmanager hat in seinem Fonds sehr schwach Finanztitel gewichtet. Er hat damals nicht die Finanzkrise vorausgesehen, aber er hat sie nicht als stark identifiziert, weil sie keine Preissetzungsmacht hätten, so sein damaliges Argument. Als die Finanzkrise kam, hat er die schwächere Performance aufgeholt und in einen großen Mehrertrag umgewandelt. Es gibt also gute Gründe eine schwache Performance zu akzeptieren. Ein anderer Manager hat hingegen in 2001 mit britischen Aktien schlecht gelegen und dann seinen Anlagestil geändert und den Aktienumschlag stark erhöht. Das hat uns damals nicht überzeugt. Wir haben ihn ausgetauscht.

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