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Kanada-Fonds Die abenteuerlichen Argumente der Ölbarone

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Die POC-Argumente im Faktencheck - Punkt 5 bis 7

Firmen Spuren zu Jürgen Hanne

5 – Aussage in einer Grafik

Behauptung Proven Oil: „Die Grafik ist sowohl unvollständig als auch fehlerhaft: die Ausschüttungen betragen nicht 12 Prozent p.a. Tatsächlich hat der POC Eins seit Mai 2009 nachweislich über 12 Prozent p.a. ausgeschüttet. Auch der hierin enthaltene Hinweis, dass kanadische Staatsbürger die POC-Fonds nicht zeichnen dürfen, ist irreführend. Tatsächlich ist nordamerikanischen Staatsbürgern die Beteiligung an in Deutschland emittierten geschlossenen Fonds gesetzlich generell untersagt.
Wir haben bei mittlerweile drei kanadischen Rechtsanwälten nachgefragt, ob kanadischen Staatsbürgern die Beteiligung an in Deutschland emittierten geschlossenen Fonds gesetzlich verboten ist. Keiner von ihnen kannte ein solches Gesetz. Der Passus, wonach die Fonds an Kanadier nicht verkauft werden dürfen, stand ohnehin aus einem ganz anderen Grund in unserem Artikel: In den Gesellschaftsverträgen der Fondsgesellschaften legt Proven Oil selbst fest, dass Kanadier von der Beteiligung an den Fonds ausgeschlossen sind. An sie können die Anteile daher nicht verkauft werden. In der Grafik wird auch nicht behauptet, dass der POC Eins pro Jahr 12 Prozent ausgeschüttet hat. Wir haben geschrieben: „12 Prozent Ausschüttung pro Jahr sollen beim ‚POC Eins‘ für Anleger herausspringen“ – so wie es auch in den Prospekten steht. Derzeit ist vielmehr die Frage, ob es überhaupt Ausschüttungen gegeben hat – und nicht bloß Auszahlungen. Siehe Punkt vier.

6 – Qualifikation der Conserve-Oil-Chefs

Behauptung Proven Oil: Unsere Zweifel an der Qualifikation von Conserve-Oil-President David Crombie und Vizepräsident Yoshiki Nakamura seien falsch und unvollständig. „Beide Herren hätten die Fragen des Autors beantwortet, hatten dazu aufgrund der Fristsetzung – wie bereits erwähnt, sandte der Autor seine Fragen am 28. Dezember um 13 Uhr ein und wollte diese bis zum 2. Januar um 13 Uhr beantwortet haben – keine Gelegenheit. Sowohl Mr. Crombie als auch Mr. Nakamura befanden sich zu dieser Zeit im Urlaub, sodass ihnen die Fragen gar nicht vorlagen.“

Am 2. Januar – vor Fristablauf – schrieb Maureen Hay, die Assistentin von David Crombie: „David Crombie is here if you need to speak with him and his number is 403-***-**** for mobile/cell. Perhaps David can help you first. Thanks.” Die Telefonnummer wurde von uns anonymisiert. Crombie war also im Büro, beantwortete unsere Fragen aber dennoch nicht. Ans Handy ging er auch nicht. Yoshiki Nakamura schickte noch am 28. Dezember 2012, nur etwa eine halbe Stunde nach Absenden der E-Mail-Anfrage, die angeforderte Lesebestätigung. Bezüglich Nakamura schreibt Proven Oil in der Stellungnahme zudem, seine Vergangenheit als Assistant Manager in zwei Hotels spreche nicht gegen seine Qualifikation für die Tätigkeit bei Conserve Oil: „Yoshiki Nakamura ist nicht innerhalb des operativen Geschäfts der COC tätig, sondern innerhalb der Verwaltung. Seine Qualifikation für dieses Feld ist, nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrung im Personalwesen aus seinen vorherigen Tätigkeiten, unbestritten.“ Laut Homepage der Conserve Oil Corporation ist Nakamura „Vice-President Business Development“, also für die strategische Entwicklung des Unternehmens zuständig. Nach Auffassung der WiWo dürfte Expertise im Ölgeschäft dabei nicht schaden.

7 – Interpretation von Bilanzzahlen

Behauptung Proven Oil: Unsere Interpretation eines von Frau Galba vorgelegten Finanzberichts für die kanadische Objektgesellschaft des ersten Fonds sei fehlerhaft. „Damit nimmt der Autor, der sich auf den Jahresabschluss der Objektgesellschaft für 2010 bezieht, offenbar aufgrund mangelnder Sachkenntnis eine gänzlich unzutreffende Interpretation vor, denn das betreffende Dokument heißt nicht nur „Statement of Earnings“ wie die An- und Abführung andeutet, sondern vollständig „Statement ofEarnings BeforeDepletion, AmortizationandAccretion“. Die deutsche Übersetzung in Klammern „(Ertragsüberblick)“ stammt vom Autor selbst. Und demzufolge weist dieses Dokument nicht etwa „…einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 7,94 Millionen kanadischen Dollar aus.“. Vielmehr weist dieses Dokument – so wie es dessen Titel ja auch besagt - Earnings Before Depletion, Amortization and Accretion aus, also Erträge vor Abschreibungen, Abgrenzungen und Zuschreibungen. Das ist etwas anderes als das Ebitda. Ebitda ist die englische Abkürzung für Earnings before interest, taxes, depreciationandamortisation. Das „Statement of EarningsBeforeDepletion, Amortization andAccretion“ berücksichtigt also - anders als das Ebitda – Zinsen und Steuern. Als passende Abkürzung hierfür ließe sich also Ebda (Earningsbeforedepreciationand amortisation) verwenden - das entspricht dem operativen Cashflow der Objektgesellschaft.

Das Dokument trägt zwar in der Tat den Titel „Statement of Earnings before Depletion, Amortization and Accretion“, weist aber dennoch den Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus. Anders als in der POC-Stellungnahme behauptet sind Zinsen und Steuern in diesem Ertragsstatement nicht inbegriffen. Bezüglich Zinsen auf die Kredite, die für den Kauf von Quellen aufgenommen wurden, heißt es explizit: „Expenditures related to the evaluation, negotiation and acquisition of producing petroleum and natural gas properties, including interest charges incurred on acquisition, are paid from partner’s capital.“

Das Statement ist untestiert, und der Prüfer warnt in deutlichen Worten, dass deshalb auch Murks drin stehen könnte: „Readers are cautioned that these statements may not be appropriate for their purposes.“ Leser sind gewarnt, dass diese Angaben für ihre Zwecke ungeeignet sein könnten. Klarheit über die wirtschaftliche Lage der Fonds würden die vollständigen testierten Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaften schaffen – die aber will Proven Oil nicht herausrücken.

Doch auch das „Statement of Earnings“ ist spannend genug. Auf der Kostenseite sind neben Zinsen auch etliche andere Kosten wie „Know How Transfer Fee“, „Planning Fee“, „Admin Fee“, „Legal and Accounting Fees“ und „Finance Fees“ aus der Berechnung herausgenommen worden. Die Überschüsse erscheinen somit künstlich höher, als sie tatsächlich sind. Unter dem Strich bleiben als Jahresüberschuss nach allen Kosten kärgliche 800 000 Dollar übrig.

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