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Kanada-Fonds Die abenteuerlichen Argumente der Ölbarone

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Die POC-Argumente im Faktencheck - Punkt 8 bis 10

Monika Galba

8 – Informationen für Anleger

Behauptung Proven Oil: Im Hinblick auf die Transparenz der POC-Fonds formuliert der Autor: „Was mit ihrem Geld passiert, können Anleger von Proven Oil kaum nachvollziehen. Deren deutsche Fondsgesellschaften investieren nicht direkt in Kanada, entsprechend dürftig sind die Angaben in den Geschäftsberichten. Aufschlussreicher wären die Bilanzen der Objektgesellschaften in Kanada, an denen sich die Fondsgesellschaften beteiligen. Deren Bilanzen aber bekommen die Anleger nicht zugeschickt.“ Diese Behauptung ist falsch. In den Einladungen zu den Gesellschafterversammlungen ab 2010 ist der wesentliche Inhalt von Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung der kanadischen Objektgesellschaft mit den entsprechenden Zahlenwerten detailliert dargestellt. Außerdem werden diese Zahlen innerhalb der Gesellschafterversammlungen ausführlich erläutert.

Damit bestätigt Proven Oil unsere Darstellung. Anleger bekommen nicht die vollständigen testierten Bilanzen der Objektgesellschaften zugeschickt, sondern nur Auszüge daraus. Die WiWo bekommt die Bilanzen trotz mehrfacher Nachfragen gar nicht zu sehen. Was da wohl Aufschlussreiches über die Geschäfte der Ölbarone drin stehen mag?

9 – Geförderte Menge an Öl & Gas
Behauptung Proven Oil: Zu den Zweifeln an der tatsächlich geförderten Ölmenge heißt es in der Stellungnahme: „Tatsächlich werden in den genannten staatlichen Statistiken ausschließlich „publiccompanies“, also öffentliche Unternehmen des kanadischen Öl- und Gassektors erfasst, die ihre täglich geförderten Produktionsmengen in ihren Quartalsberichten angeben. Hierauf bezieht sich die „Oilweek“ mit ihren Rankings. Da die COC kein öffentliches Unternehmen ist, kann sie mit ihren Fördermengen, die tatsächlich 5.061 Barrel betragen, in diesen Rankings nicht abgebildet werden.“
Im Rahmen unserer Recherche hatten wir auch bei „Oilweek“ selbst nachgefragt. Eine Mitarbeiterin des Research-Teams, die als Data Coordinator arbeitet, teilte daraufhin am 23. November per E-Mail mit, dass Conserve Oil in den Datenbanken auftaucht. Zitat:

„[…]you are right Conserve is not listed in there but we do have them showing some drilling. This is what we have found out;

Conserve Oil & Gas No. II Corporation (12 wells drilled from Sep 11 – Feb 12)

Conserve Oil Corporation (3 wells drilled from Sep 11 – Oct 11)

Conserve Oil 1st Corporation (9 wells drilled from Aug 12 – Nov 12)

Conserve Oil 6th Corporation (11 wells drilled from Aug 12 – Nov 12)

As for the legitimacy of the company we are not sure. […]”

Für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaft ist die geförderte Ölmenge ohnehin nicht entscheidend. Hier könnten alleine die testierten Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaft Aufschluss geben – die wiederum hält Conserve Oil unter Verschluss.

10 – Interpretation eines Risikohinweises

Behauptung Proven Oil: Proven Oil wirft uns vor, den in den Prospekten enthaltenen Risikohinweis vor betrügerischen Absichten von Vertragspartnern falsch zu interpretieren. Diesen Hinweis hatten wir „grotesk“ genannt. Zitat Proven Oil: „Die POC fasst ihre Prospekte u. a. auf Basis der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vorgegebenen Vermögensanlagen-Verkaufsprospekt-verordnung ab. Eine Aufklärung der Anleger in den Risikohinweisen soll demnach auch das Verhalten der Vertragspartner umfassen. Insofern ist ein Hinweis auf ein mögliches Fehlverhalten der Vertragspartner – auch auf deliktisches Handeln – in zahlreichen Prospekten, so diese denn wie die POC-Prospekte, ordnungsgemäß abgefasst sind, enthalten.“

Die Vermögensanlagen-Verkaufsprospekt-Verordnung schreibt den Hinweis, dass betrügerische Absichten von Vertragspartnern nicht ausgeschlossen werden können, nicht in diesem Wortlaut vor. Wir haben insgesamt vier Rechtsanwälte zu diesem Hinweis befragt. Alle haben diesen Hinweis gleichlautend bewertet, zwei von ihnen werden namentlich zitiert. So sagt Rechtsanwalt Martin Seidel von der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen: „So etwas habe ich in einem Prospekt noch nicht gelesen.“ Sein Frankfurter Kollege Andreas Lang von der Kanzlei Nieding+Barth sagt: „So eine Formulierung ist mir bisher noch nicht unter gekommen. Wenn ich so etwas in einem Prospekt lese, dann gehe ich als Anleger davon aus, dass das eine unseriöse Geschichte ist. Dann mache ich natürlich einen weiten Bogen drum herum.“

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