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Kapitalmarkt angezapft Portugal leiht sich Geld für zehn Jahre

Zwei Jahre nach der Fastpleite kann sich Portugal erstmals wieder langfristig Geld am Kapitalmarkt leihen. Die Regierung in Lissabon legt eine zehnjährige Anleihe auf und trifft auf große Nachfrage.

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Wieder als Schuldner gefragt: Portugal platziert Anleihen im Wert von drei Milliarden Euro. Quelle: dpa

Lissabon Das Euro-Krisenland Portugal hat erstmals seit der Inanspruchnahme internationaler Finanzhilfe vor zwei Jahren wieder zehnjährige Staatsanleihen platziert. Die Emission sei ein großer Erfolg gewesen, sagte Finanzminister Vítor Gaspar am Dienstag in einer ersten Mitteilung aus Brüssel. Mit gut neun Milliarden Euro habe die Nachfrage das Angebot um mehr als das Dreifache übertroffen, fügte er an. Wie aus Regierungskreisen in Lissabon verlautete, haben die Anleihen eine Laufzeit bis Februar 2024.

Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Jornal de Negocios wurden Anleihen im Wert von drei Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 5,6 Prozent verkauft. Die Platzierung wird von Marktteilnehmern als wichtiger Schritt Portugals zur Rückkehr an die internationalen Finanzmärkte gewertet. Im Februar war es dem Land bereits gelungen, eine existierende fünfjährige Anleihe aufzustocken. Die Begebung erfolgte nicht durch öffentliche Versteigerung, sondern in syndizierter Form. Das bedeutet, dass Banken die Papiere übernehmen und interessierten Investoren anbieten, was als deutlich weniger riskant gilt.

"Es gibt einen größeren Appetit auf Anleihen der Peripherie-Staaten, die Zuversicht bei den Investoren steigt", sagte Orlando Green, Anleihe-Stratege bei Credit Agricole in London. "Es ist erfreulich, dass die Zinsen unter der Gefahrenmarke von sechs Prozent liegen", sagte Commerzbank-Experte David Schnautz.

Portugal hatte im April 2011 von der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds ein Hilfspaket in Höhe von 78 Milliarden Euro erhalten. Im Gegenzug verpflichtete sich das ärmste Land Westeuropas zu einer strengen Sanierungspolitik. Im Zuge der Sparmaßnahmen steuert Portugal auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu. Die Arbeitslosenquote erreichte zuletzt das Rekordniveau von 17,5 Prozent. Nachdem das Verfassungsgericht mehrere Sparmaßnahmen des Etats 2013 gekippt hatte, kündigte die Mitte-Rechts-Regierung von Pedro Passos Coelho jüngst für den Zeitraum 2013-2015 neue Einsparungen von insgesamt 4,8 Milliarden Euro an.

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