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Kapitalmarktexperte Otto "Der Teufelskreis ist im Gang"

Italien ist der Ernstfall, der die Euro-Staaten bald zu einer harten Entscheidung zwingen wird, sagt der unabhängige Anlageexperte Andreas Otto.

Die Eurokrise bringt die Eurozone ins Wanken Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Otto, reicht der geplante Schuldenschnitt, damit Griechenland wieder auf die Beine kommt?

Otto: Nein, der Schuldenschnitt ist eindeutig zu klein. Griechenland ist aktuell mit 360 Milliarden Euro oder 168 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet. Ein Schuldenerlass von 50 Prozent würde diese Quote theoretisch in etwa auf die Höhe Deutschlands drücken. Doch das passiert ja nicht, weil der Schuldenschnitt nur private Gläubiger betreffen soll.

Wie sieht die Rechnung aus?
Aus dem ersten Hilfspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro sind bisher 102 Milliarden Euro nach Athen überwiesen worden. Zusammen mit den von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekauften Anleihen werden also etwa 160 Milliarden Euro von öffentlichen Gläubigern gehalten. Diese sind nicht betroffen vom Schuldenschnitt, also beträgt der Schuldenerlass nur 28 Prozent.

Die EZB will sich nicht beteiligen, weil sie um ihre eigene Solvenz fürchtet und ihre Aufkaufpolitik nicht fortsetzen könnte.
Eben deshalb reicht der Schuldenschnitt ja nicht aus, um die Verschuldung Griechenlands auf ein tragbares Niveau zu bringen. Die 200 Milliarden Euro Schulden bei privaten Gläubigern können auf 100 Milliarden Euro reduziert werden. Damit verringerte sich die Schuldenlast Griechenlands also höchstens auf 260 Milliarden Euro, was bei einer für 2011 geschätzten Wirtschaftsleistung von 214 Milliarden Euro einer Verschuldungsquote von 121 Prozent entspräche.

Das sind bestenfalls italienische Verhältnisse.
Richtig. Doch selbst diese Rechnung ist noch zu optimistisch. Zu den privaten Gläubigern gehören ja griechische Banken mit 46 Milliarden Euro, griechische Pensions- und Rentenkassen halten 35 Milliarden Euro. Das griechische Bankensystem müsste rekapitalisiert werden. Als Kapitalgeber käme logischerweise nur der Rettungsfonds EFSF in Frage. Nach dem Schuldenschnitt entständen also sofort neue Schulden. Dem griechischen Rentensystem gingen sofort 17,5 Milliarden Euro verloren.

Also gilt: Je mehr Staatsanleihen die EZB hält, um so größer wird der notwendige Beitrag privater Investoren, wenn ein Staat insolvent wird?
In der Tat. Die EZB-Politik schreckt private Investoren ab.

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