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Kehrtwende der Notenbank erwartet US-Unternehmen läuten die Zinswende ein

Noch pumpt die US-Notenbank Federal Reserve Unmengen Geld in den Kapitalmarkt. Aber schon bald könnten sie beginnen, die Dollarmilliarden wieder einzusammeln. Schuld sind die erfolgreichen Unternehmen.

Federal Reserve Quelle: AP

Ein ermutigender Auftakt in die Bilanzsaison hat am Mittwoch die Stimmung an der Wall Street gehoben. Nach überraschend starken Zahlen des Aluminium-Herstellers Alcoa präsentierten sich die US-Börsen mit moderaten Kursgewinnen, nachdem sie tags zuvor noch nachgegeben hatten. Alcoa eröffnet mit seinen Zahlen traditionell die US-Berichtssaison. Das vom Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Unternehmen verdiente im zweiten Quartal 2014 mehr als erhofft und kehrte in die Gewinnzone zurück. Alcoa-Titel stiegen um sechs Prozent.

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Quartalszahlen mit Spannung erwartet
Für die meisten börsennotierten Unternehmen in den USA sieht es gut aus, die Stimmung in der US-Wirtschaft steigt. Analysten erwarten einen Anstieg der Unternehmensgewinne um rund zwei Prozent im zweiten Quartal. Das würde die Quartalsgewinne auf ein Rekordhoch anheben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Vor allem die IT-Branche sowie Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation und Automobil könnten zulegen. Von IBM, Intel, Colgate, Verizon, Ford, Facebook und vielen anderen erwarten Börsenbeobachter deutlich steigende Gewinne.

Die Quartalszahlen sollen den Aufschwung sichtbar, ja erlebbar machen. Die Arbeitslosenzahlen sind bereits gesunken und liegen damit mit 6,1 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit fast sechs Jahren. Die Löhne sind ebenso gestiegen, auch die Konjunktur scheint endlich wieder das Niveau erreicht zu haben, welches sie vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 hatte. Zusätzlich steigen die Konsumausgaben steigen und bescheren der Obama-Regierung endlich das lang herbeigesehnte Wachstum.

Bahn frei für die Zinswende
Damit ist der Boden für eine historische Kehrtwende in der Geldpolitik der Notenbank bereitet. Seit 2008 flutet die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, die Märkte mit Geld, damit es wieder aufwärts geht. Erst senkte sie die Zinsen auf faktisch null, seit 2010 kaufte sie zudem Anleihen für tausende Milliarden Dollar. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sie Anleihen im Wert von 4,4 Billionen Dollar in ihren Büchern.

Jetzt zeichnet sich ab: Der Geldhahn kann im Oktober zugedreht werden. Danach ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Fed auch ihre Leitzinsen erhöht und einige der Dollarmilliarden, mit denen sie seit 2008 die Konjunktur am Laufen gehalten hat, wieder einsammelt.
Das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll der Notenbank-Sitzung vom Juni umreißt bereits die ersten Schritte des noch unvollständigen Fahrplans der Fed. Sofern die Wirtschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt sich weiter so solide erholen, werden die Notenbanker noch im Herbst ihre milliardenschweren Anleihekäufe auf Null reduzieren.

Bereits seit Jahresbeginn haben sie ihre Ausgaben von zuvor 85 Milliarden Dollar monatlich bei jeder Sitzung um zehn Milliarden Dollar reduziert. Derzeit nimmt sie noch jeden Monat Anleihen im Wert von 35 Milliarden Dollar in ihre Bücher und pumpt somit Geld in die Märkte.

Kein Zeitplan für die erste Zinserhöhung

Dabei finden sich im Fed-Protokoll noch keine konkreten Hinweise auf Zeitpunkt und Geschwindigkeit der erwarteten Zinswende. Der Dollar reagierte nach Veröffentlichung der Fed-Protokolle zunächst mit Verlusten. Die Notenbanker diskutieren noch rege über die Art und Weise, wie sie aus der jahrelangen Niedrigzinspolitik aussteigen wollen.

Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa

Die große Frage aber ist: Wann erhöht die Fed auch ihre Zinsen, zu denen sie den Geschäftsbanken Geld verleiht? Damit die jahrelange Geldschwemme nicht doch noch zu kräftig ansteigenden Verbraucherpreisen führt – die Inflation also deutlich Fahrt aufnimmt -, müssen die Zinsen irgendwann steigen. Dann würden Immobilienfinanzierung teurer und Aktien unattraktiver, weil es wieder attraktivere festverzinsliche Alternativen gäbe. Immobilienpreise und Aktienkurse kämen also unter Druck.

Börse honoriert Gewissheit
Bislang konnten die Fed-Pläne die Stimmung an der Börse nicht trüben, im Gegenteil. Die Frage nach dem wann beschäftigt die Börsen seit Monaten. Der Börsenboom und die neuen Rekordstände in New York, Frankfurt und anderswo gingen zwar vor allem auf das Konto der expansiven Geldpolitik. Aber schlimmer noch als ein absehbares Ende der Geldschwemme ist für Börsianer die Ungewissheit darüber, was die Notenbanken vorhaben. Mehrheitlich rechnen Volkswirte mit einem ersten Zinsschritt im Jahr 2015 mit einer Leitzinserhöhung auf 1,0 Prozent.

Schon bei den vergangenen Zinssitzungen der US-Notenbank honorierte die Wall Street vor allem neue Informationen über den Ausstiegsfahrplan der Fed. So auch am Mittwochabend. Die Kurse an der Wall Street legten im späten Handel nochmal zu, der Leitindex Dow Jones schloss mit einem halben Prozent im Plus.

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Aber schon am Donnerstag fielen die Kurse wieder deutlich. Denn es gibt immer noch viele ungeklärte Fragen, die Unsicherheit ist weiterhin groß. Schwache Daten aus Asien genügen, um den Markt auf Talfahrt zu schicken. Zu sehr hängt die Wirtschaft noch am Tropf der Zentralbanken.
Wie und mit welchen Mitteln eine Rückkehr zur restriktiven Geldpolitik gelingen kann, ohne neue Verwerfungen an den Finanzmärkten hervorzurufen, müssen die Fed-Banker nun intensiv beraten. Ebenso die Frage, mit welchen Zinssätzen die Fed dabei genau hantieren wird. Die nächste Zinssitzung der Fed ist am 29. Und 30. Juli.

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