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Keine Rendite, hohe Schulden IWF warnt: 19 Billionen Dollar in Gefahr

Ultratiefe Zinsen und geöffnete Geldschleusen: Der IWF warnt, dass die Stabilität des Finanzsystems in Gefahr sei. Quelle: dpa

Der IWF mit Blick auf das weltweite Finanzsystem dringenden Handlungsbedarf. Investoren würden auf der Suche nach Rendite immer höhere Risiken eingehen. Vor allem Finanzdienstleister abseits der Banken seien gefährdet.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt wegen der sperrangelweit geöffneten Geldschleusen vieler Notenbanken und der ultratiefen Zinsen vor Gefahren für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems. Zwar unterstütze eine lockere Geldpolitik die Konjunktur auf kurze Sicht, erklärte der IWF am Mittwoch zur Vorstellung seines neuen Finanzstabilitätsberichts. Angesichts niedriger Zinsen gehen institutionelle Investoren wie Fonds, Pensionskassen oder Versicherer dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge immer höhere Risiken ein.

Investitionen in riskantere und weniger liquide Anlagen würden zu „Schwächen“ führen, die „düstere Folgen für die globale Finanzstabilität“ haben könnten, so der IWF. Die Suche nach höheren Renditen habe in einigen riskanten Märkten auch zu übertriebenen Bewertungen geführt, hieß es weiter.

Inzwischen werfen dem IWF zufolge Anleihen von Firmen und Staaten im Wert von rund 15 Billionen US-Dollar keine positive Rendite mehr ab. Dies sei beispielsweise auch für Lebensversicherer in Deutschland problematisch, deren Kunden weiterhin solide Wertsteigerungen erwarteten. Sie investierten daher vermehrt in Anlagen geringerer Kreditwürdigkeit und längerer Laufzeiten, so der IWF. Im Fall einer Krise könnte es daher zu gleichzeitigen Verkäufen kommen, die einen Abschwung weiter beschleunigen könnten, hieß es.

„Die politischen Entscheidungsträger müssen dringend handeln, um die finanziellen Verwundbarkeiten anzugehen, die den nächsten Abschwung verschärfen könnten“, erklärte der Fonds. Die US-Handelskonflikte und ein schwächeres globales Wachstum hatten die großen Notenbanken dazu bewegt, ihre Geldpolitik erneut zu lockern. Eine zuvor geplante vorsichtige Abkehr von der sehr expansiven Ausrichtung nach der Finanzkrise ist damit erst einmal auf Eis gelegt.

Die US-Notenbank Fed senkte ihre Leitzinsen bereits zwei Mal in diesem Jahr. In der Euro-Zone hatte die Europäische Zentralbank (EZB) erst vor wenigen Wochen ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stützung der Konjunktur auf den Weg gebracht, zu dem auch eine Zinssenkung und erneute Anleihenkäufe gehören.

Schärfere Aufsicht gefordert

Gefährliche Schwachstellen im Finanzsystem sieht der Fonds insbesondere bei Finanzdienstleistern abseits der klassischen Banken. Seit April seien die Gefahren in diesem Teil der Finanzwirtschaft in den USA und in der Euro-Zone gestiegen, warnte er. Der IWF rief dazu auf, die Aufsicht über diesen Teil der Finanzwirtschaft zu verstärken.

Auch die gestiegene Verschuldung von Unternehmen sieht die Organisation skeptisch. Im Fall einer Wirtschaftskrise, die nur halb so schlimm wäre wie die globale Finanzkrise, könnten etwa 40 Prozent aller Unternehmensschulden in acht wichtigen Volkswirtschaften - darunter die USA, China und einige EU-Staaten - in Gefahr sein. Dabei geht es dem IWF zufolge um rund 19 Billionen US-Dollar.

Sorgen bereitet dem Fonds auch eine zunehmende Auslandsverschuldung in den Schwellenländern. Sollten sich die Finanzierungsbedingungen plötzlich verschärfen, könnte in diesen Länder der Schuldendienst schwerer werden.

Weltweite politische Koordination sei weiterhin entscheidend, erklärte der Fonds. Er rief zugleich dazu auf, die globalen Reformen in der Finanzaufsicht nach der Finanzkrise vollständig umzusetzen. Dabei müsse sichergestellt werden, dass bei den Standards das Rad nicht zurückgedreht werde.

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