WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kommende Schwellenländer Exotische Börsenchampions der nächsten Generation

Seite 4/4

Starke Schwankungen am Aktienmarkt

Aktienfonds und Zertifikate mit Anlageschwerpunkt in Afrika, Türkei und dem Nahen Osten

Der Boom am Bosporus beflügelt auch die Fantasie der Anleger. 2012 zählte die Börse Istanbul mit einem Indexplus von 58 Prozent zu den Jahressiegern. Relativiert wird der Anstieg allerdings dadurch, dass der Markt im Jahr zuvor rund 36 Prozent verloren hatte. Traditionell kennzeichnen starke Schwankungen den türkischen Aktienmarkt. Anleger brauchen deshalb gute Nerven. So steil wie 2012 wird es zwar in diesem Jahr an der Bosporus-Börse nicht nach oben gehen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes liegt bei zehn, viele Werte sind nicht mehr ganz billig. Unterm Strich sind "Kursgewinne von 10 bis 15 Prozent aber durchaus realistisch", sagt Gregor Holek, Türkei-Experte und Fondsmanager im Emerging Markets Team bei Raiffeisen Capital Management. Zu seinen Favoriten gehören Finanzwerte: "Hier bergen die Bewertungen auch nach der Rally des letzten Jahres noch Potenzial."

Märkte von morgen

Über Türkei-Fonds können Anleger auch indirekt Geld in Afrika anlegen. "Mangels Liquidität ist es sehr schwierig, in Afrika direkt zu investieren", sagt Pioneer-Fondsmanager Fiejka. "Türkische Bauunternehmen und Konsumgüterhersteller aber sind in Afrika gut unterwegs." Türkische Unternehmen bieten dort immer häufiger auch Chinas Staatskonzernen Paroli. Der Baukonzern Eser etwa baut Straßen, Dämme und Kraftwerke im Afrika südlich der Sahara. Das Familienunternehmen Koc, in den meisten Türkei-Fonds ebenfalls vertreten, ist in vielen afrikanischen Ländern einer der Marktführer bei "weißer Ware" – Waschmaschinen, Rasiergeräte oder Bügeleisen verkaufen sich prächtig bei Mittelklasse-Haushalten in Kairo, Nairobi oder Johannesburg.

Großer Bedarf an Infrastruktur

Überhaupt bringt Afrika Investoren derzeit ins Träumen. Trotz der Kriege in Nordafrika ist der Kontinent seit Mitte der Neunziger friedlich wie nie in der Geschichte. Die Volkswirtschaften in Schwarzafrika sind seit dem Jahr 2000 im Schnitt um über sechs Prozent pro Jahr gewachsen. Der Konsum zieht an, der Bedarf an Infrastruktur ist gewaltig, Dienstleistungen wie Banken oder Mobilfunk boomen. "Afrika ist für Investoren das letzte weiße Blatt, der letzte verbliebene Frontier-Markt", schwärmt Afrika-Experte Jens Schleuniger, der bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS einen der ersten Afrika-Fonds aufgebaut hat und heute für die Frankfurter VCH arbeitet.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Afrikas Unternehmen legen selten Bilanzen nach internationalen Standards vor; über vielen schwebt der Verdacht der Bilanzfälschung, Steuerhinterziehung oder Korruption. Für institutionelle Anleger sind die Aktien heiße Eisen, denn ein Skandal um Menschenrechtsverletzungen oder Umweltsünden kann einem in Afrika investierten Fonds schon aus moralischen Gründen schwer Schlagseite verpassen.

Schleuniger weiß das. Darum investiert er vorsichtig, setzt auf Düngemittelhersteller und Banken in Kenia oder Südafrika, die von der Konstanz des Aufschwungs im Agrarsektor profitieren. Da "der Bierkonsum durchweg stärker wächst als die Wirtschaft allgemein" lohnten auch Brauereiaktien – Pils statt Rooibos-Tee also.

Von Florian Willershausen, Alexander Busch (Sao Paulo), Gerd Höhler (Istanbul), Philipp Mattheis (Shanghai), Mathias Peer (Bangkok), Heike Schwerdtfeger

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%