WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Konjunktur „Wirtschaftswachstum fällt unter zwei Prozent“

Martin Hüfner (76), ist seit 2009 Chefvolkswirt beim Münchner Vermögensverwalter Assenagon. Zuvor hatte er diese Position lange Jahre bei der Bayerischen Vereinsbank und der HypoVereinsbank inne. Quelle: Presse

Für den renommierten Volkswirt Martin Hüfner sind die Russland-Sanktionen eine Wachstumsbremse.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Herr Hüfner, für wie gefährlich halten Sie die aktuellen US-Sanktionen gegen Russland?
Auf den ersten Blick scheint es, als hätten sie gesamtwirtschaftlich keine große Bedeutung. Das ist aber falsch. Sie sind für Deutschland erheblich einschneidender als die protektionistischen Maßnahmen der USA bei Stahl und Aluminium. Sie treffen uns auch mehr als die milliardenschweren protektionistische Maßnahmen der Amerikaner gegen China. Das liegt daran, dass sich die Russland-Sanktionen nicht nur auf den Handel auswirken, sondern über viele verschiedene Kanäle wirken. Das verändert eine Menge. 

Was genau?
Einmal wären die deutschen Unternehmen von einem Konjunktureinbruch in Russland betroffen. Zum zweiten wirkt sich aus, wenn Unternehmen mit russischer Beteiligung Schwierigkeiten haben, Kredite bei westlichen Banken aufzunehmen oder Zahlungen an US-Unternehmen zu leisten. Dann tut die Abwertung des Rubel beim Verkauf nach Russland weh.
Die Russen werden sich Vergeltungsmaßnahmen ausdenken, die wiederum deutsche Unternehmen und ihre Tochtergesellschaften in Russland treffen könnten. Gut, dass der Winter vorbei ist und es weniger schlimm wäre, wenn Russland am Gashahn drehen würde. 

Muss sich die deutsche Politik stärker einmischen? 
Das ist schwer, weil die Bundesregierung selbst Sanktionen gegen Russland verhängt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten. Deutschland ist in der Zwickmühle, aber als Exportnation natürlich sehr betroffen.

Wie stark wird die Konjunktur leiden? 
Russland allein macht unsere Konjunktur nicht kaputt, aber es ist zusammen mit vielen anderen Veränderungen ein Baustein, der für eine schwächere Konjunktur spricht und allein diese Erwartung und dass dadurch Investitionen zurückgestellt werden könnten und private Kunden ihren Konsum drosseln, reicht schon, um das Wachstum zu bremsen. Ich rechne beim gesamtwirtschaftlichen Wachstum in diesem Jahr mit einem Wert unter zwei Prozent, die Prognosen der Wirtschaftsinstitute mit bis zu 2,6 Prozent beim ifo Institut halte ich nach den aktuellen Krisen für Makulatur. Als sie gemacht wurden, hat niemand so sehr an die Konfrontation zwischen den USA und Russland und all die anderen Gefahren in der Weltwirtschaft gedacht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%