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Kontrollen und Übernahmen Wie Anleger von aktivistischen Investoren profitieren können

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Celesio-Übernahme torpediert

Zuletzt aktiv war die Singer-Truppe in Deutschland beim Pharmagroßhändler Celesio. Der wurde vom US-Konzern McKesson geschluckt – und Elliott mischte hier kräftig mit.

Obwohl McKesson und Celesio-Eigner Haniel die Übernahme wollten, ließ der Einstieg von Elliott den Plan zunächst scheitern: dank einer kurzfristig aufgebauten Sperrminorität mit 25 Prozent der Stimmrechte. Zudem drängte Elliott auf eine Ausgliederung des Apothekengeschäfts von Celesio und einen höheren Kaufpreis pro Aktie als die von McKesson angebotenen 23 Euro. Für Celesio eine Überraschung: „Dass Elliott einen solch hohen Anteil aufbauen würde, entsprach nicht deren bisheriger Vorgehensweise bei Übernahmen“, sagt Markus Georgi, der die Investor-Relations-Abteilung von Celesio leitet.

Celesio habe sich einem Dialog mit Elliott aber nicht verschlossen. „Investoren sind ja grundsätzlich Wegbegleiter und nicht Gegner von Unternehmen, auch wenn einige in jüngster Zeit zu Recht in der Kritik standen“, sagt Georgi. Man habe gründlich analysiert, welche Auswirkungen die Beteiligung von Elliott haben könnte.

Zwar muss ein Investor ab einem Stimmrechtsanteil von zehn Prozent offenlegen, welche Ziele er mit seiner Beteiligung verfolgt, etwa einen Wechsel der langfristigen Strategie oder nur einen Kursgewinn aus den gehaltenen Anteilen. Aber das sei aus der Veröffentlichung von Elliott nicht herauszulesen gewesen, sagt Georgi. Der IR-Chef, im diesjährigen Ranking der besten Investor-Relations-Manager in der Kategorie MDax auf Rang 3 (siehe Kasten rechts), spricht sich zwar für einen möglichst transparenten Umgang mit Investoren aus. Das bedeutet aber offensichtlich nicht, auf jeden Vorschlag und jede Forderung von Aktionären öffentlich zu reagieren. Eine offizielle Reaktion auf den Vorschlag von Elliott, das Apothekengeschäft aus Celesio herauszulösen, gab es jedenfalls nicht.

Hedgefonds Elliott kaufte Anteile des Pharmahändlers Celesio. Quelle: AP

Dafür aber einige Telefonate mit Mitarbeitern des Hedgefonds. „Es ist wichtig, den Prozess mit Investoren aktiv zu steuern“, sagt Georgi. Wenn angreifende Investoren es erst einmal über die Medien versuchten, könne man als Unternehmen nur noch reagieren und wenig selbst beeinflussen. Umso beeindruckender findet er es, dass Ebay den Angriff von Icahn so gut habe kontern können.

Per Wandelanleihe kassiert

Auch McKesson konnte die Celesio-Übernahme schließlich durchbringen, mit einem leicht erhöhten Kaufangebot von 23,50 Euro pro Aktie. Den Preis bekamen alle Aktionäre. In Börsenkreisen wunderten sich einige, dass sich die Singer-Truppe mit einem so niedrigen Aufschlag von nur 50 Cent zufrieden gab. Der dürfte ihr bei gut 40 Millionen Aktien und einem unterstellten Einstiegskurs von 23 Euro zwar auch fast 21 Millionen Euro Profit gebracht haben. Vor allem aber dürfte Elliott der Übernahme wegen einer attraktiven Kaufofferte für die Celesio-Wandelanleihe zugestimmt haben, die Elliott vor der Übernahme gekauft hatte.

Für Aktienanleger, die sich an Elliotts Fersen hefteten, war es wegen dieser Besonderheit deshalb schwieriger als bei früheren Übernahmen, einen klaren Profit aus dem Einstieg der Aktivisten zu ziehen. Anleger spekulieren offensichtlich aber noch auf ein lukratives finales Abfindungsangebot, mit dem sich McKesson möglicherweise aller freien Aktionäre entledigen könnte: Seitdem McKesson die Übernahme Ende Januar bekannt gab, ist die Celesio-Aktie auf 26 Euro gestiegen.

In Arbeit
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Dass Unternehmen trotz aller Transparenzoffensiven nicht immer ein offenes Ohr für die Vorschläge ihrer Aktionäre haben, musste James McRitchie bereits mehrfach feststellen. Er wurde zuletzt vom IT-Konzern EMC verklagt; der wollte so verhindern, dass McRitchie seine Vorschläge als Tagesordnungspunkt bei der Hauptversammlung eintragen lassen kann. „Einschüchterungsversuche“, sagt McRitchie, der sich bei solchen Prozessen stets selbst vertritt.

Oft argumentieren die Unternehmen, McRitchie besitze gar nicht das erforderliche Aktienpaket, um Vorschläge zur Abstimmung einzureichen. Das funktioniert nicht immer, zuletzt entschied ein US-Gericht im Falle EMC für McRitchie. Für ihn ein Wendepunkt: „Unternehmen werden es nach diesem Urteil schwerer haben, Vorschläge von uns Kleinaktionären abzubügeln.“

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