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Kontrolleurs-Studie Bei VW kassieren Aufsichtsräte am meisten

Während die Gehälter der Aufsichtsräte in deutschen Konzernen deutlich angestiegen sind, dümpelt der Frauenanteil weiter vor sich hin. Wer die einflussreichsten Kontrolleure sind.

VW zahlt seinen Aufsichtsräten die höchsten Gehälter. Allein Chefkontrolleur Ferdinand Piech kassierte 2012 1,1 Millionen Euro für sein Amt. Quelle: dpa

Ein Posten im Aufsichtsrat eines Dax-Konzerns ist in Deutschland weiterhin sehr lukrativ. Insgesamt überwiesen die 30 Dax-Konzerne 2012 rund 74,8 Millionen Euro an ihre Aufsichtsräte. Damit ist die Vergütung der Kontrolleure gegenüber dem Vorjahr um 7,4 Prozent gewachsen. Das ergab die diesjährige Aufsichtsratsstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Vor allem die Kontrolleure bei VW konnten sich über satte Prämien freuen, die Wolfsburger zahlten die höchste Summe an ihre 20 Aufsichtsräte. Insgesamt 8,8 Millionen Euro flossen auf die Konten von Ferdinand Piech und seinen Kollegen. Allein gegenüber dem Vorjahr hat der Autokonzern die Vergütung damit um 19 Prozent erhöht. Gegenüber 2006 liegt das Gehaltsplus sogar bei satten 210 Prozent - alle Dax-30 Werte zusammengenommen lag der Gehaltsanstieg dagegen nur bei 23 Prozent. Um die hohen Gehälter bei den Wolfsburger Kontrolleuren zu illustrieren verwies der DSW auf die Vergangenheit. "Im Jahr 1992 mussten sich alle VW-Aufsichtsräte noch mit insgesamt einer Million D-Mark begnügen", erklärt Christiane Hölz, DSW-Landesgeschäftsführerin in Nordrhein-Westfalen.

VW-Chefkontrolleur Piech liegt auch in der Rangliste der Einzelverdiener unangefochten auf Platz 1. Mit 1,1 Millionen Euro verdient der 76-Jährige mehr als das Dreifache des Durchschnittsgehalts aller Dax-Aufsichtsräte. Auch die Silber- und Bronzeplätze sind fest in der Hand der Wolfsburger, auf Rang 2 folgt Ferdinand Porsche und danach Piechs Stellvertreter Berthold Huber. Erst danach folgt mit Gerhard Cromme ein Siemens-Kontrolleur. Kumuliert man allerdings die Erträge aller Mandate landet Mehrfach-Aufsichtsrat Cromme mit insgesamt ansehnlichen 946.700 Euro hinter Piech und Huber auf dem dritten Platz.

Gerade die Höhe der Gehälter im VW-Aufsichtsrat sei "der Öffentlichkeit wohl schwer vermittelbar", sagt DSW-Hauptgeschäftsführerin Jella Benner-Heinacher. Schon das Vorstandsgehalt von Martin Winterkorn sorgte Anfang des Jahres für Schlagzeilen. Grundsätzlich kritisierte die DSW allerdings vor allem Konzerne, die weiterhin auf kurzfristige, variable Vergütungen setzten. Zwar hätten mittlerweile immerhin 16 Dax-Unternehmen eine reine Festvergütung ihrer Aufsichtsräte beschlossen. Unter den restlichen Konzernen seien allerdings immer noch welche, die den variablen Teil ausschließlich an kurzfristige Ziele koppelten, wie beispielsweise die Dividende. Gerade die Höhe der Ausschüttungen ist aber als Gradmesser für die Vergütung denkbar schlecht geeignet, da so die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats in Frage gestellt wird - die Kontrolleure stimmen selber über die Höhe der Dividende ab. "Wenn variable Vergütungsbestandteile genutzt werden sollen, dann bitte langfristig orientierte", sagt Hölz. Insbesondere die Commerzbank, Fresenius, SAP und VW forderte die DSW auf, ihre Vergütung zu überdenken, da sie immer noch an die Dividende gekoppelt sei.

Mangelnde Vielfalt

Die mächtigsten Frauen im Business 2013
Nächstes Jahr wird das US-Magazine "Fortune" nicht um sie herumkommen: Die künftige Chefin und erste Frau an der Spitze des größten US-Autobauers General Motors (GM) ist ein echtes Eigengewächs. Mit 18 Jahren begann Mary Barra in dem amerikanischen Traditionsunternehmen als Werkstudentin - seitdem hat sie in den unterschiedlichsten Konzernbereichen mit angepackt. Barra arbeitete im Ingenieurwesen, leitete ein Fertigungswerk und war Co-Chefin des Personalressorts. Auf allen Stationen machte sie sich als exzellente Strategin einen Namen. Ihren schwierigsten Job hatte die 51-Jährige sicher zuletzt: Als Vize-Präsidentin war sie für die weltweite Produktentwicklung von GM verantwortlich - eine Aufgabe, der ihr in der Männerdomäne nur wenige zugetraut hatten, wie das Magazin „Bloomberg Businessweek“ in einem Barra-Porträt schrieb. „Sie ist führend am neuesten Erfolg der Firma beteiligt und belebt die Produktentwicklung bei GM neu“, lobte das Unternehmen sie nun anlässlich der Ernennung zur mächtigsten Frau in der globalen Autoindustrie. Ihre Produkte seien von einer ungekannten Qualität und kämen beim Kunden besonders gut an. Die zweifache Mutter habe sich als Anführerin herausgestellt, meinte der Aufsichtsrat. Quelle: dpa
Platz 14: Safra A. CatzDie 51-Jährige ist eine der Präsidentinnen der Oracle Corporation, einem der weltgrößten Software-Hersteller. Sie kam bereits 1999 zum Unternehmen und war seit 2001 Mitglied des Vorstandes. Auf den Plätzen 10 bis 13 finden sich außerdem Abigail Johnson, Phebe Novakovic und Carol Meyrowitz, Ursula Burns. Quelle: AP
Platz 9: Meg WhitmanDie 57-Jährige ist seit 2011 CEO und Präsidentin von Hewlett-Packard und war zuvor bei ebay. Vor ihrem BWL-Studium hat sie übrigens Medizin studiert, wechselte dann aber das Fach. Außerdem kandidierte sie 2010 in Kalifornien für das Amt der Governeurin. Vergangenes Jahr belegte sie im Fortune-Ranking noch Platz 3. Quelle: REUTERS
Platz 8: Marissa MayerDie 38-Jährige ist seit 2012 Vorstandsvorsitzende bei Yahoo. Dreizehn Jahre war sie zuvor bei Google – Mitte 2012 wurde sie vom Rivalen abgeworben. Ihr Ziel: Yahoo soll wieder zu einer der ersten Adressen im Internetgeschäft werden. Quelle: REUTERS
Platz 7: Patricia WoertzDie 60-Jährige ist CEO des Nahrungsmittelkonzerns Archer Daniels Midland und dort seit 2006 die Chefin. Bereits in den Vorjahren stand sie auf der Liste der mächtigsten Frauen der Welt. Sie verdient pro Jahr 20.684.000 US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 6: Irene RosenfeldDie 60-Jährige verlor im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Kraft Foods. Ihre Großeltern waren Juden, die aus Deutschland eingewandert sind. Sie promoviert in Marketing und Statistik. Quelle: Reuters
Platz 5: Sheryl Sandberg Die 44-Jährige hat hingegen gleich drei Plätze gut gemacht. Sie ist seit 2008 Geschäftsführerin von Facebook und war zuvor sowohl bei Google als auch Stabschefin im US-Finanzministerium. Sie ist eine der reichsten Frauen der Welt. Quelle: REUTERS

Weiterhin bleiben Aufsichtsräte eine Männerdomäne. Gerade einmal 101 der insgesamt 488 Aufsichtsratsmandate im Dax werden laut DSW von Frauen besetzt, also nur etwas mehr als 20 Prozent. Dabei ist allerdings der Anteil bei den Arbeitnehmervertretern in den Gremien etwas höher als auf der Arbeitgeberseite.

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Entscheidend ist laut DSW allerdings, dass Frauen bei der Besetzung von Schlüsselpositionen nicht zum Zuge kommen. Lediglich ein Dax-Aufsichtsrat wird von einer Frau geleitet - Simone Bagel-Trah ist Aufsichtsratsvorsitzende bei Henkel. Entsprechend landen Frauen bei der Frage, welches die einflussreichsten Aufsichtsräte in Deutschland sind, weit hinten. Renate Köcher, Allensbach-Chefin und im Aufsichtsrat von BMW, Allianz und Infineon, rangiert immerhin auf Platz 16. Auf den vordersten Rängen finden sich dagegen die Mehrfach-Aufsichtsräte Ulrich Lehner (Telekom, ThyssenKrupp, E.On), Werner Wenning (E.On, Bayer, Siemens) und Wolfgang Mayrhuber (Lufthansa, Infineon, BMW, Münchner Rück).

Grundsätzlich zieht die Studie allerdings eine positive Bilanz. "Die letzten Ausläufer der Deutschland-AG sind auf dem Rückzug" heißt es dort. Auch die Ämterhäufung gehe langsam zurück. Auch wenn die Kontrollfunktion des Aufsichtsrats immer wieder hinterfragt wird, wie zuletzt bei Siemens, konstatiert die DSW: "Insgesamt ist die Arbeit der Aufsichtsräte professioneller geworden". Auch der Arbeitsaufwand der Kontrolleure sei deutlich gestiegen. Insgesamt seien die Gremien immer breiter aufgestellt und damit auf dem richtigen Weg.

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