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Kostenerstattung Welche Unternehmen für das Homeoffice zahlen

Es gibt Unternehmen, die für das Homeoffice zahlen Quelle: imago images

Viele Büroangestellte arbeiten derzeit von zu Hause. Eine Umfrage unter Dax-Konzernen zeigt: Nur selten beteiligen sich Arbeitgeber an den Kosten. Dafür gibt es teils überraschende Unterstützung.

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Etwa 1500 Mitarbeiter des Softwarekonzerns SAP, darunter auch Personalchef Cawa Younosi standen im Juli vor ihrem Grill oder in der heimischen Küche und folgten den Anweisungen der Grillprofis „Sizzling Brothers“ auf ihren Bildschirmen. Das virtuelle Barbecue, das der Konzern statt eines Sommerfestes anbot, sollte nicht nur zum perfekten Stück Fleisch verhelfen, sondern vor allem ein Mittel gegen „Langeweile und Vereinsamung“ im Homeoffice sein, heißt es von SAP.

Virtuelle Teambuilding-Veranstaltungen wie dieses sind bei den 30 DAX-Konzernen beliebt - monetäre Zuschüsse zur Arbeit von daheim zahlen hingegen nur die wenigsten Unternehmen. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftswoche. Dafür dürfen Mitarbeiter sich häufig am firmeneigenen Mobiliar bedienen.

Die Büros der deutschen Großkonzerne sind dieser Tage nur sehr dünn besetzt. Die meisten DAX-Unternehmen geben an, dass sie ihren Mitarbeitern wann immer möglich anbieten, von zuhause zu arbeiten. In allen befragten Unternehmen lag die Auslastung der konzerneigenen Büros bei unter 50 Prozent.

Viele gehen noch weiter: Der Versicherer Allianz führte wegen des Coronavirus eine maximale Anwesenheitsquote von 20 bis 30 Prozent ein. Auch beim Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen waren im November 80 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice tätig, heißt es von dem Unternehmen. Das Elektronikunternehmen Siemens möchte den Status Heimarbeit auch in der Zeit nach Corona zumindest teilweise beibehalten und Homeoffice an zwei bis drei Tagen in der Woche ermöglichen.

Doch nicht für alle Mitarbeiter ist die Arbeit von Zuhause eine Option. Die Deutsche Post etwa weist darauf hin, dass für Mitarbeiter in der Zustellung oder in den Lagern Homeoffice nicht praktikabel sei. Auch die Laboranten beim Chemiekonzern Merck müssen für ihre Arbeit physisch anwesend sein – für die Arbeit vor Ort hat das Unternehmen daher strenge Abstands- und Hygieneregeln eingeführt. Auch bei Merck arbeiten die meisten Mitarbeiter mit einer Schreibtischtätigkeit allerdings im Homeoffice.

Um den heimischen Arbeitsplatz der Mitarbeiter für die Mehrarbeit von zuhause zu rüsten, erlauben viele Unternehmen, das Inventar des Büroplatzes mit nach Hause zu nehmen. Insgesamt 18 der 22 Unternehmen, die sich auf die Anfrage äußerten, gaben an, dass sie ihren Mitarbeitern die notwendige Ausrüstung zum mobilen Arbeiten zur Verfügung stellen würden.

Der Sportartikelhersteller Adidas etwa stellt Laptop, Tastatur, Handy und Headset bereit, außerdem können sich Mitarbeiter einen Monitor und einen Bürostuhl ausleihen. Der Energiekonzern E.On hingegen unterstützt Mitarbeiter nur in Einzelfällen mit zusätzlichem Equipment, wenn Mitarbeiter oder deren Angehörige einer Risikogruppe angehören oder „privat oder gesellschaftlich verpflichtet“ sind, im Homeoffice zu arbeiten.

Finanzielle Unterstützung für eine neue Ausstattung bleibt dagegen die Ausnahme. Nur zwei der 22 Unternehmen, die sich auf die Anfrage äußerten, überweisen einen explizit auf das Homeoffice bezogenen Zuschuss. Der Hersteller von Pflegeprodukten Beiersdorf zahlt seinen Mitarbeitern einen einmaligen Betrag von 600 Euro zur „Ausgestaltung eines flexiblen Arbeitsortes“ im Zuge der Coronapandemie. Auch die Allianz zahlt einen einmaligen „Zuschuss“ zum mobilen Arbeiten, der allerdings „nicht mit der Arbeitssituation während Covid-19 zusammenhängt“. Die Höhe wollte der Versicherer nicht nennen.

Bundesgeschäftsführer Markus Jerger vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) weist allerdings darauf hin, dass es sich bei solchen Zuschüssen um „steuerpflichtigen Arbeitslohn“ handeln kann. Sachleistungen wie Laptops hingegen seien steuerfrei. Außerdem gibt es die Möglichkeit für den Arbeitgeber, eine sogenannte Coronaprämie zu zahlen: eine Einmalzahlung von maximal 1500 Euro zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020. Auch diese Prämie müssen Arbeitnehmer nicht versteuern. Unter anderem Daimler, Siemens und die Deutsche Post machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.


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Um die Zeit im Homeoffice für die Mitarbeiter abgesehen von der Ausstattung des Arbeitsplatzes möglichst angenehm zu gestalten, bieten viele Großkonzerne Online-Veranstaltungen, Schulungen und Fitnesskurse an. Das Angebot reicht von gesundheitlicher Beratung über Achtsamkeitskurse und Yoga-Gruppen bis hin zum gemeinsamen virtuellen Mittagessen und Weinverkostungen vor dem Bildschirm.

Die Maßnahmen sollen in Zeiten physischer Distanz die Bindung an das Unternehmen und von Mitarbeitern untereinander stärken. Auch Markus Jerger vom BVMW rät, eine „persönliche Isolation“ im Homeoffice auf jeden Fall zu vermeiden. „Teammeetings und regelmäßige Statusgespräche können dabei helfen, dass sich Arbeitnehmer nicht alleine gelassen fühlen“, sagt Jerger.

Einige Unternehmen, wie Covestro und SAP, bieten Mitarbeitern, die sich wegen der Coronapandemie um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen, zudem spezielle Arbeitszeitmodelle an. „Wenn solche Gründe vorliegen ist es möglich, weniger oder im Einzelfall gar nicht arbeiten zu müssen“, heißt es von SAP „ohne sich Sorgen um eine Lohnkürzung oder gar seinen Arbeitsplatz machen zu müssen“.

Mehr zum Thema: So gelingt das Homeoffice – acht Kapitel über die erfolgreiche Arbeit zu Hause.

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