Krisenfestes Depot: Rally statt Korrektur
Die Großfusion vom Wohnimmobilienkonzern LEG und Konkurrent TAG ist geplatzt. Für LEG ist das verkraftbar.
Foto: dpaImmerhin: Einen Wert im Dax gibt es, der auf Sicht eines Monats nennenswert verloren hat. Die Aktie des Finanzdienstleisters Wirecard liegt gegenüber dem Stand von Ende April um ein Drittel hinten. Das Unternehmen entwickelt sich immer mehr zur Skandalnudel im deutschen Leitindex. Jüngste Volte war die abermalige Verschiebung der Veröffentlichung des Geschäftsberichts Anfang der Woche. Der Bericht soll nun am 18. Juni veröffentlicht werden und ein uneingeschränktes Testat des Wirtschaftsprüfer EY bekommen. Investoren dürfen gespannt sein. Die bisher geplanten Veröffentlichungstermine, den 8. April, den 30. April, sowie den 4. Juni konnte Wirecard allesamt nicht halten.
Jenseits dieser Ausnahme bereiten die meisten anderen Dax-Aktien ihren Besitzern derzeit Freude. Vor allem stark von Corona betroffene Unternehmen wie die Lufthansa oder Triebwerkhersteller MTU Aero zählen zu den großen Gewinnern der letzten vier Handelswochen. Auch an den internationalen Aktienmärkten geht es aufwärts; der amerikanische Leitindex S&P 500 gewann in der vergangenen Woche zwei Prozent, der Weltaktienindex MSCI World etwa zweieinhalb Prozent.
Die große Frage, ob die Hilfsprogramme von Politik und Notenbanken ausreichen, um die Corona-Krise zu überwinden, wird am Aktienmarkt derzeit also mit ja beantwortet. Der vorsichtige Anlageansatz, den wir für das krisenfeste Corona-Depot gewählt haben, schneidet in diesem Umfeld schlechter ab als der Aktienmarkt insgesamt. Es verlor auf Wochensicht leicht und hat nun seit Auflage im März 16,7 Prozent zugelegt, 3,5 Prozentpunkte weniger als der MSCI World.
Was lief gut?
In die Schlagzeilen schaffte es in den vergangenen Tagen Depotwert LEG Immobilien – und das gleich zweimal. Erst bestätigte das Unternehmen am Freitag Fusionsgespräche mit dem kleineren Konkurrenten TAG. Am Dienstag dann teilte der Konzern mit, dass die Gespräche ergebnislos beendet werden, weil man sich nicht über die Bewertung einig wurde. Nach der ersten Reaktion der Märkte zu urteilen ist das für LEG verkraftbar: Die Aktie war nach Bekanntgabe der Gespräche um zwei Prozent gefallen und holte einen Teil des Verlusts nach dem Scheitern der Verhandlungen wieder auf – zumindest kurzzeitig. Auf Sicht einer Woche blieb bei LEG dennoch ein deutliches Minus.
Was lief schlecht?
Viele Werte, die den Crash relativ gut überstanden haben und deren Geschäftsmodell von Corona sogar profitiert, stehen derzeit auf der Verliererseite. So gaben etwa die Aktien des Softwareunternehmen Teamviewer sowie, deutlich stärker, die des Medizinausrüstungsherstellers Drägerwerk, nach.
Jüngst gesellte sich der Videospielproduzent Take Two Interactive dazu. Chef Harry Strauss Zelnick sagte zwar bei der Präsentation der Zahlen zum Geschäftsjahr 2019/2020 (zum 31. März), sein Unternehmen profitiere davon, dass die Menschen zuhause seien und über Videospiele mit Freunden in Kontakt blieben. Allerdings sind bei Take Two für das nun laufende Jahr kaum neue Bestseller-Spiele geplant. Zelnick bereitete Investoren daher auf fallende Umsätze und Gewinne vor. Immerhin: Das Unternehmen hat seinen Bargeldbestand inzwischen auf zwei Milliarden Dollar hochgefahren und könnte somit auch durch Akquisitionen noch für Wachstum sorgen.
So sieht das krisenfeste Depot aus: