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Krösus, Kauz und klamme Milliardäre Das sind Deutschlands Dividenden-Könige

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Deutschlands Aktien-Adel geht es 2014 besser

Allen steuer-, spenden- oder nachlassoptimierten Vermögensholdings und Family Offices ist eines gemein: Sie veröffentlichen ihre verpflichtenden Mitteilungen im Bundesanzeiger, wenn überhaupt, gern erst Monate nach Fristende und dann oft so karg, dass sie bestenfalls Hinweise geben, mit welchen Ausschüttungen die Gesellschaften ihre Eigner erfreuten. Kein Wunder, dass selbst die Europäische Zentralbank unlängst bei der Suche nach der Einkommenselite scheiterte: Sie kam bei einer Umfrage zum Ergebnis, der reichste deutsche Haushalt verzeichne ein Einkommen von gerade mal 76 Millionen Euro.

Das ist arg untertrieben. Nach der WirtschaftsWoche-Liste kassierten mindestens 22 der Dividendenkönige aus ihren Beteiligungen diesen Betrag – oder mehr. Zudem ergeht es Deutschlands Aktien-Adel 2014 deutlich besser als 2013: Die 50 größten Anteilseigner kassierten geschätzt 4,7 Milliarden Euro an Dividenden, rund eine Milliarde Euro oder gut ein Viertel mehr als im Vorjahr. Grund ist, dass viele ihr Geld auch im Ausland angelegt haben.

Dagegen blieben die Ausschüttungen an die Kleinaktionäre, die ihr Geld in heimische Unternehmen gesteckt haben, in der gerade abgeschlossenen Dividendensaison im Durchschnitt konstant. Von den 654 untersuchten börsennotierten Unternehmen zahlten nur acht mehr als im Vorjahr an ihre Aktionäre, so eine Studie des Anlegerschutzverbandes DSW. Insgesamt überwiesen diese Unternehmen knapp 37,3 Milliarden Euro an Dividenden, gerade mal 56 Millionen mehr als im Vorjahr. „Die Summe bleibt erneut rund eine Milliarde unter dem Rekordjahr 2008“, klagt Studienautor Eric Frère, Professor an der privaten Fernuniversität FOM aus Essen.

Top 30: Dividendenkönige

Und der Abstand zwischen Klein- und Großinvestoren wächst. Bei der WirtschaftsWoche-Übersicht für das Börsenjahr 2011 genügte noch eine jährliche Dividende von fünf Millionen für einen Platz unter den Top 50, aktuell schafften das nur Anleger, die mindestens neun Millionen Euro einstrichen. Das Mindesteinkommen, um zum Club zu gehören, ist noch konservativ geschätzt. Denn in der Übersicht fehlt notgedrungen eine ganze Gruppe: die Eigentümer der Handelsriesen.

Bilanzielle Klimmzüge

Die Familie des jüngst verstorbenen Aldi-Süd-Patrons Karl Albrecht etwa führt zwar alle Reichen-Ranglisten an, gefolgt von Lidl-Gründer Dieter Schwarz und den Lieben des vor zwei Jahren verschiedenen Aldi-Nord-Gründers Theo Albrecht. Doch die Discounter-Konzerne verteilen ihre geschätzt jeweils rund 60 Milliarden Euro Jahresumsatz inklusive der wahrscheinlich mehrere Hundert Millionen Euro Gewinn geschickt auf unzählige Dutzend kleine Firmen. Die Kette reicht von Zwischenhändlern bis zu Immobilienfirmen, die erst auf den zweiten Blick den Inhaber-Familien zurechenbar sind. Bei solchen bilanziellen Klimmzügen können selbst Branchenexperten nur raten, wie hoch der steuerrechtliche Gewinn eigentlich ist. Vollends im Dunklen bleibt dabei, welcher Betrag davon am Ende als Ausschüttung bei den Familien gelandet ist.

Die gestiegene Eintrittsbarriere in den Club mehrfacher Dividenden-Millionäre haben fast alle Vorjahresmitglieder erneut locker geschafft. Gut zwei Drittel der Top 50 kassierten deutlich mehr Geld als im Vorjahr. Was die Superreichen mit ihren Einkommen anstellen, steht auf einem anderen, bisher kaum beschriebenen Blatt. Die drei SAP-Gründer Dietmar Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira lenken einen Großteil ihrer zusammengerechnet 276 Millionen in die Wohltätigkeit – und Hopp auch in den fußballerisch erstklassigen TSV Hoffenheim.

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