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Krösus, Kauz und klamme Milliardäre Das sind Deutschlands Dividenden-Könige

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Was passiert mit Gewinnen?

Georg Schaeffler, mit seiner Mutter Maria-Elisabeth Eigner des Autozulieferers Schaeffler im fränkischen Herzogenaurach, kassiert zusammen mit der 72-jährigen Matriarchin aus der Beteiligung am Reifenriesen Continental und den wieder sprudelnden Gewinnen des eigenen Autozulieferers in diesem Jahr zwar 309 Millionen Euro. Doch buchhalterisch ist das Milliardärsduo gewissermaßen klamm: Weil sich Mutter und Sohn beim Conti-Kauf in der Finanzkrise 2008/09 verhoben haben, fließen die schönen Millionen wie in den Jahren zuvor fast komplett in die Tilgung der Milliardenschulden.

Die größten Gewinner

Da kann Ludwig Merckle mitfühlen. Seine Familienholding VEM mit Sitz im 17 000-Einwohner-Nest Zossen bei Berlin kassiert in diesem Jahr zwar solide 33 Millionen Euro: aus Anteilen am Baustoffkonzern HeidelbergCement, am Pharmagroßhändler Phoenix, am Pistenbully-Bauer Kaessbohrer oder an der Blauwald-Holding mit rund 800 Hektar Stadtwald in seiner schwäbischen Heimatstadt Blaubeuren. Doch Vater Adolf hat ihm nach seinem Selbstmord 2009 neben dem bunten Portfolio auch rund fünf Milliarden Euro Schulden hinterlassen. Für den 49-jährigen Sohn sind die Erträge durchlaufende Posten – sie gehen unmittelbar an die Gläubiger.

Die größten Verlierer

Der Gewinn bleibt in der Firma

Andere wiederum mehren mit den Gewinnen auch das betriebliche Vermögen. Der Montagetechnikhändler Reinhold Würth schickt von den ausgeschütteten 217 Millionen Euro mindestens 150 Millionen zurück ins Unternehmen. So stärkt der 79-jährige Schraubenkönig die Bilanz seines Imperiums im baden-württembergischen Künzelsau. Die Familie Leibinger, Eigentümer des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf aus dem schwäbischen Ditzingen, belässt laut Insidern sogar fast den kompletten Gewinn in der Firma.

Das klingt freilich selbstloser, als es in der Praxis ist. Meist fließt das Geld nicht in die große Firmenkasse, sondern auf ein internes Gesellschafterkonto. Davon holt sich das Unternehmen dann bei Bedarf Geld für Investitionen, die Eigentümer erhalten im Gegenzug Zinsen, schätWelche deutschen Clans das meiste Geld kassieren.zungsweise bis zu drei Prozent. Am Ende profitieren beide Seiten: Das Unternehmen bekommt Kredite mindestens so günstig wie von der Bank. Den Eigentümern winken stabile Zinsen.

In Arbeit
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Otto-Normal-Aktionären oder -Anlegern bleibt zumindest ein kleiner Trost. So viel die Dividendkönige im vergangenen Jahr auch kassierten, gemessen am Wert ihres Aktienvermögens, ist der Ertrag bescheiden. So entspricht die Rekorddividende des Porsche-Piëch-Clans von 335 Millionen Euro gerade mal einer Rendite von 2,2 Prozent auf die rund 15 Milliarden Euro, die ihr Paket aktuell an der Börse wert ist.

Eine solche Rendite knapp über Riester-Niveau bringt auch die Vermietung einer Plattenbauwohnung.

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