Krypto-Währungen Die Gründe für den schlimmsten Bitcoin-Monat seit 2013

Das war kein guter Start ins Jahr: Die wichtigsten Krypto-Währungen notieren auf breiter Front im Minus. Der Bitcoin verbucht sogar den größten Kursverfall seit vier Jahren. Ein Grund dafür ist das Vorgehen der Aufseher.

Bitcoin: Die wichtigste Kryptowährung Quelle: Photographer's Choice/Getty Images

DüsseldorfDer Bitcoin-Kurs ist in der Nacht zu Mittwoch auf den zweitschlechtesten Wert seit Anfang 2018 eingebrochen. Zwischenzeitlich notierte die wichtigste Krypto-Währung nur noch bei 9777 Dollar, nicht weit entfernt von den 9644 Dollar am 17. Januar. Mit einem Kursverlust von 30 Prozent seit Jahresbeginn erlebt der Bitcoin damit seinen schlechtesten Monat seit Dezember 2013, als es rund 26 Prozent nach unten gegangen war – bis auf einen Wert von 754 Dollar. Das zeigen Zahlen des Analysehauses Coinmarketcap, das die Kurse zahlreicher Krypto-Börsen auswertet.

Auch die anderen wichtigen Krypto-Währungen notierten am Mittwoch im Minus: Für Ethereum ging es um mehr als sechs Prozent bergab, Ripple liegt mehr als neun Prozent im Minus, auch Hoffnungsträger wie NEM, IOTA und Tether mussten Federn lassen. Auf Monatssicht stechen aber vor allem Bitcoin und Ripple mit einer negativen Entwicklung heraus, letztere liegen rund 50 Prozent im Minus, während Ethereum auf Monatssicht immer noch 32 Prozent im Plus liegt.

Die Gründe für die derzeitige Kursschwäche im Krypto-Reich sind vielschichtig. Zahlreiche Regulierungsschritte der vergangenen Tage haben die Märkte erschüttert und werden von Analysten für den Abwärtstrend verantwortlich gemacht:

  • In Südkorea sind seit Dienstag neue Vorschriften in Kraft, die die Anonymität des Bitcoin-Netzwerks aushebeln. So muss künftig jedem Krypto-Konto ein Klarname zugeordnet werden, um Geldwäsche und Steuerflucht einzudämmen.
  • Die US-Börsenaufsicht SEC geht verstärkt gegen Krypto-Börsengänge, sogenannte ICOs vor. Statt Aktien erhalten Anleger hier Tokens, eine Art virtuelle Gutscheine. Diese werden wie andere Krypto-Währungen gehandelt, sind oft aber völlig wertlos. Zuletzt sperrte die SEC die Konten des Unternehmens Arisebank und damit ein Vermögen von 600 Millionen Dollar in Krypto-Währungen. Die SEC hat die Gelder der Arisebank einfrieren und einen Zwangsverwalter einsetzen lassen. Es ist das erste Mal, dass die SEC einen Zwangsverwalter im Zusammenhang mit einem ICO-Betrug eingesetzt hat.
  • Und auch die deutsche Finanzaufsicht, die sich bisher – mit Ausnahme ihrer Verbraucherwarnung im Herbst – öffentlich relativ bedeckt gegeben hat, schreitet erstmals ein. Die Bafin ordnete am Montag die umgehende Einstellung des Finanzkommissionsgeschäfts der Crypto.exchange GmbH in Berlin an, die im Internet mit dem direkten und schnellen Umtausch von Bitcoin in Euro geworben hatte. Das Geschäft sei entgegen der Eigenwerbung ohne Erlaubnis der Bafin betrieben worden. Zur Frage eines möglichen Schadens für Anleger hielt sich die Bafin bedeckt.

Die Schritte der Aufsicht ziehen aber auch im erweiterten „Krypto-Universum“ ihre Kreise: So hat das soziale Netzwerk Facebook diese Woche entschieden, keine Werbung mehr für Krypto-Währungen, ICOs und binäre Optionen zuzulassen. Diese seien „häufig verbunden mit irreführenden oder betrügerischen Werbepraktiken“, erklärte Facebook in einem Statement.

Erst am vergangenen Freitag hatte der Diebstahl von Krypto-Währungen im Marktwert von 500 Millionen Dollar von der japanischen Börse Coincheck zu Schockwellen an den Märkten geführt. Diese wirken immer noch nach, eine schnelle Erholung wie in der Vergangenheit steht angesichts der anhaltenden Abwärtskurses weiter aus.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. So ist ein mögliches Verbot des Handels mit Bitcoin und Co. in Südkorea offenbar vom Tisch. „Wir haben nicht die Absicht, den Markt für Krypto-Währungen zu verbieten oder zu unterdrücken“, sagte der südkoreanische Finanzminister Kim Dong-yeon am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Regulierung der Börsen ist die vordringliche Aufgabe der Regierung.“ In den vergangenen Wochen hatten Spekulationen um eine Schließung sämtlicher südkoreanischer Krypto-Börsen für Aufregung gesorgt und die Kurse auf Talfahrt geschickt. Südkorea ist neben Japan und China eine der Hochburgen für diese Geschäfte.Damit scheint sich die Hoffnung der Krypto-Szene zu erfüllen, dass die südkoreanische Regierung mit der Ankündigung ihres Justizminister Park Sang-ki, man bereite ein entsprechendes Verbot vor, lediglich Verhandlungsdruck auf die heimischen Börsenbetreiber habe aufbauen wollen.

Der Gründer des Zahlungsdienstes TenX, „Krypto-Guru“ Julian Hosp, gibt sich schon wieder zuversichtlich: Zwar könne der Bitcoin-Kurs dieses Jahr bis auf 5000 Dollar fallen, dennoch bleibe er „super optimistisch“ hinsichtlich der langfristigen Krypto-Entwicklung. „2018 könnte das beste Krypto-Jahr aller Zeiten werden“, gibt sich Hosp überzeugt. Am Mittwochvormittag lag der Bitcoin laut des Analysehauses Coinmarketcap immerhin wieder über der psychologisch wichtigen Zehntausender-Schwelle bei 10.208 Dollar.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%