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Kryptowährung Libra Wie Facebook einen besseren Bitcoin erschaffen will

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Was hinter der neuen Kryptowährung Libra steckt

Datenschützern und Kritikern in aller Welt dürften sich bei dem bloßen Gedanken daran die Nackenhaare aufstellen, dass Facebook künftig nicht nur die Likes und Fotos seiner Nutzer auswertet, sondern möglicherweise auch noch ihre Finanzdaten. Und so kontert Facebook und zieht alle Register, um die Unabhängigkeit seiner neuen Kryptowährung zu betonen.

Statt in Eigenregie die Kryptowährung zu verwalten, hat das Unternehmen eine Tochter gegründet: Die Libra Association ist das Herzstück des Kryptowährungs-Projektes. Noch ist das Unternehmen mit Sitz in Genf in der Hand von Facebook.

Dass Facebook für sein Projekt Genf als Firmensitz ausgewählt hat, ist ungewöhnlich. Zwar gibt es dort eine Blockchain-Szene, als Hotspot für Kryptowährungen in der Schweiz gilt aber das Crypto Valley rund um den Ort Zug. Doch dort habe es nicht das nötige Netzwerk für das Libra-Projekt gegeben, sagt Dante Disparte von der Libra Association im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

„Das Ziel von Libra ist finanzielle Inklusion“, sagt er. „Wir haben Genf als Standort ausgewählt, weil wir in diesem internationalen Umfeld mit vielen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen und Finanzinstituten zusammenarbeiten können.“

Der Zahldienstleister Visa schreibt in einer Stellungnahme: „Digitale Währungen wie Libra könnten dabei helfen, die Abhängigkeit von Bargeld zu überwinden und 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankkonto schneller den Zugang zum Finanzsystem ermöglichen.“ Visa gehört zu den Gründungsmitgliedern, die das Facebook-Projekt unterstützen.

Das Ziel der Libra Association ist klar: „Wir wollen mit Libra den Zahlungsverkehr so vereinfachen, wie es das Internet mit der Übertragung von Informationen geschafft hat“, sagt Disparte. Einfacher Zugang zum Finanzsystem, auch in Ländern, die bislang keine ausreichende Bankinfrastruktur besitzen. Anders als zuvor berichtet, wird Libra aber keine eigene Infrastruktur aufbauen: „Wir wollen keine Geldautomaten aufstellen, das würde dem Prinzip einer weltweiten Digitalwährung widersprechen“, sagt Disparte.

Derzeit haben sich 28 Partnerunternehmen angeschlossen. Darunter neben Visa die Zahlungsdienste Paypal, Mastercard, Stripe und PayU. Aber auch Unternehmen wie Spotify, Vodafone, Uber, die Blockchain-Handelsplattform Coinbase und die neue Facebook-Tochter Calibra. 100 Partner sollen es bis 2020 sein, wenn die Kryptowährung Libra auf den Markt kommen sollen.

Künftig, so plant der Konzern, wird Facebook auch nur noch eines von diesen 100 Partnerunternehmen sein, die das Libra-Projekt steuern. Sie verwalten gemeinsam die Libra-Blockchain: die Datenbank, in der die Transaktionen von potenziell über zwei Milliarden Nutzern weltweit gespeichert werden.

Noch wird diese Blockchain mit einer Zutrittsschranke betrieben. Das heißt, nur jene Mitglieder können sich anschließen, die bestimmte Kriterien erfüllen. Eines davon: mindestens zehn Millionen Dollar bereitstellen. Für jede zehn Millionen Dollar, die ein Partner in das Projekt investiert, erhält er eine Stimme in der Libra Association.

Anders als im Bitcoin-Netzwerk werden die Krypto-Münzen nicht geschürft, sondern nach Bedarf von der Libra Association erstellt. Dann gehen sie an spezielle Vertriebspartner, die sie an Unternehmen oder Nutzer ausgeben. „Vertriebspartner, das können auch Gründungsmitglieder sein“, sagt Disparte.

Wie das aussehen könnte: Uber könnte beispielsweise Libra-Münzen an seine Kunden verteilen oder verkaufen und sie damit – vermutlich vergünstigt – ihre Fahrten zahlen lassen. Oder: Die Blockchain-Handelsplattform Coinbase bietet die Libra-Münzen ihren Kunden einfach zum Verkauf an, damit diese sie auf anderen Plattformen wie Booking.com nutzen können.

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