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Kryptowährungen Börse Stuttgart startet Bitcoin-Handel per App

Börse Stuttgart handelt jetzt Bitcoin, Ether, Litecoin und Ripple Quelle: imago images

Die Börse Stuttgart will Anlegern künftig neue digitale Vermögensanlagen bieten. Mit der Handels-App Bison für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. wagt sie jetzt den ersten Versuch.

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Bislang konnten Fans von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum nur auf einem deutschen Handelsplatz digitale Münzen kaufen: Bitcoin.de. Alle anderen großen Börsenbetreiber und Handelsplätze haben ihren Sitz im Ausland, auch aufgrund der regulatorischen Vorschriften, die für die Anbieter auf dem deutschen Finanzmarkt gelten.

Mit der Kryptohandels-App Bison von der Börse Stuttgart gibt es nun eine weitere Handelsmöglichkeit. Die App, die bereits seit Dezember 2018 in einer Testphase mit ausgewählten Nutzern läuft, soll ab heute ein neues Publikum erreichen.

„Bitcoin.de bekommt jetzt einen Konkurrenten auf dem deutschen Markt“, sagt Ulli Spankowski, Gründer und Geschäftsführer von Sowa Labs, einer Tochter der Börse Stuttgart, die für die Entwicklung der Krypto-App verantwortlich ist. „Aber ich denke, dass wir eine andere Zielgruppe ansprechen können – den Massenmarkt, der bislang kaum Erfahrungen mit Kryptowährungen machen konnte.“

Das besondere an der Bison-App: Der Kauf und Verkauf der Münzen fühlt sich an, wie Überweisungen im Paypal-Konto. Quelle: Börse Stuttgart

Kunden handeln bei Bitcoin.de wie auf einem Marktplatz die Krypto-Münzen untereinander. Bitcoin.de stellt ihnen dazu die Plattform zur Verfügung.

In der Bison-App dagegen agiert die zur Börse Stuttgart gehörende Euwax AG als Handelspartner der Kunden – und stellt ihnen auf eigenes Risiko die Preise. Anleger können täglich von 6 bis 24 Uhr die Kryptowährungen handeln. „Die Preise orientieren sich an Marktpreisen von großen Referenzbörsen in Europa und den USA“, sagt Spankowski.

Die App bekommen Nutzer kostenlos. Gebühren zahlen sie erst dann, wenn sie ihre Münzen über die Bison-App kaufen und verkaufen. Rund 0,75 Prozent Gebühr werden dann fällig, die sich in den Kauf- und Verkaufspreisen bei Bison niederschlagen.

„In der App kann man weder auf einen Kursverlust wetten, noch mit Hebel handeln. Das würde nicht zur Zielgruppe passen“, sagt Spankowski. Stattdessen gibt via E-Mail Hilfe zum Handel und ein digitales Kryptoradar, das die Stimmung zu den Kryptowährungen aus sozialen Netzwerken filtert. Wird Bitcoin also gerade gehypt, oder mal wieder für tot erklärt? Der Radar soll Anlegern ein besseres Gefühl für die Märkte geben.

Vier Kryptowährungen zum Start

Zum Start sind vier Kryptowährungen in der App handelbar - Bitcoin, Ether, Litecoin und Ripple (XRP). Auch künftig soll das Angebot überschaubar bleiben „Wir wollen nicht hunderte Kryptowährungen in der App anbieten. Spezialanbieter mit einer so breiten Produktpalette gibt es schon genug auf dem Markt.“

Doch warum gerade diese vier? Spankowski erklärt die Auswahlkriterien:

Es sollen Währungen sein, die schon lange am Markt sind und ein großes Netzwerk aufweisen.  Das reduziert das Risiko einer 51-Prozent-Attacke. Heißt: Dass es einem Marktteilnehmer kaum möglich ist, die Mehrheit an der Rechenleistung hinter einer Kryptowährung zu übernehmen, um darüber Transaktionen zu manipulieren. Zudem setzt Bison auf solche Währungen, die eine möglichst hohe Marktkapitalisierung haben. Die vier Währungen in der Bison-App gehören alle zu den Top10 weltweit, angeführt vom Bitcoin mit aktuell rund 60 Milliarden Dollar Wert.

„Und vor allem mussten wir rechtliche Aspekte berücksichtigen“, sagt Spankowski. „Wir können aktuell nur solche Währungen integrieren, die als Zahlungsmittel oder Finanzinstrument eingestuft werden. Wenn wir Kryptowährungen handeln würden, die in Deutschland nicht als Zahlungsmittel gelten, müssten wir für jede Transaktion 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnen. Das würde kein Anleger mitmachen und zur Konkurrenz im Ausland wechseln.“

Das besondere an der Bison-App: Der Kauf und Verkauf der Münzen fühlt sich an, wie Überweisungen im Paypal-Konto. Doch während andere Anbieter solch eine einfache Krypto-Handelserfahrung nur mit Derivaten wie CFDs oder Zertifikaten ermöglichen, kaufen Kunden bei Bison die digitalen Münzen direkt. Sie müssen sich aber nicht um die Aufbewahrung kümmern.

Wie das funktioniert? Die Solarisbank erstellt die Kundenkonten, über die Anleger ihr Euro-Guthaben in die Bison-App überweisen und wieder zurückbuchen können. Die Euwax AG ist für die Handelsplattform von Bison verantwortlich. Und Blocknox kümmert sich für die Kunden um die treuhänderische Verwahrung der erworbenen Kryptowährungen.

Ambitionierte Pläne

Die Blocknox GmbH wurde von der Börse Stuttgart eigens als neue Unternehmenstochter etabliert, um die Münzen der Bison-Nutzer zu verwahren. Mit welchen Dienstleistern sie dafür zusammenarbeitet, will Spankowski nicht verraten. „Sicherheit geht vor.“

So müssen sich die Krypto-Investoren jedoch nicht selber darum kümmern, wie sie ihre Bitcoins speichern. Dies ist oft die größte Hürde für Neueinsteiger in der Kryptowelt, weil die Verwahrung sonst den sicheren Umgang mit Wallets, Private Keys und den Kontonummern in der Blockchain der jeweiligen Kryptowährung erfordert.

Man stehe auch im Austausch mit Versicherern, die perspektivisch Kundenansprüche übernehmen könnten, sollte es zu einem Hackerangriff auf die verwahrten Kryptowährungen  der Bison-App kommen, sagt Spankowski.

Denn während die Bitcoin-Blockchain sich weiterhin als angriffsresistent erweist, waren es stets Handelsplätze, auf denen Hackern es gelang, Kundeneinlagen zu entwenden. Spankowski versucht zu beruhigen: Alleine, die hohen Sicherheitsanforderungen umzusetzen, hätte die App-Entwickler zwei Monate länger beschäftigt als geplant.

Doch bei einer Trading-App auf dem Smartphone genügt es schon, das eigene Telefon zu verlieren – und der Zugriff auf das Krypto-Depot ist futsch. Wie bei jeder anderen Bitcoin-Geldbörse auf dem Smartphone auch. (Sofern sich die Nutzer keine Sicherheitswörter zur Wiederherstellung notiert haben.)

In so einem Fall könne das Bison-Support-Team helfen, sagt Spankowski.  Schließlich liegen die Kryptomünzen nicht direkt in der App des Smartphone-Nutzers.

Die Bison-App erlaubt es den Nutzern auch, ihre Münzen auf andere Krypto-Wallets zu übertragen. „Dafür fordern wir eine Zwei-Faktor-Autorisierung“, heißt es von Bison. Zunächst stößt der Nutzer mit seinem Passwort die Übertragung der Münzen in der App an. „Dann wird eine E-Mail mit einem Code verschickt, den der Nutzer in der App eingeben muss.“

Spankowski ist überzeugt, dass die App auf großes Interesse auf dem Markt treffen wird. Bis Ende 2019 will er die 100.000 Nutzer-Marke brechen. Möglich machen soll das nach dem Start in Deutschland auch die schnelle Expansion ins europäische Ausland.

Ein ambitionierter Plan, während die Branche gerade vom Krypto-Winter spricht: Weil die Währungen im vergangenen Jahr bis zu 90 Prozent an Wert verloren. Aktuell ist ein Bitcoin rund 3400 Dollar wert. Vor einem Jahr lag er noch bei rund 11.000 Dollar.

Doch Spankowski sieht es sogar als Vorteil, nicht zu Höchstkursen auf den Markt zu kommen: „Wären unsere Nutzer bei 20.000 Dollar pro Bitcoin eingestiegen und hätten gleich Geld verloren, wären sie womöglich von vornherein verunsichert.“

Außerdem zeige die eigene Marktforschung, dass weiter ein hohes Interesse an Kryptowährungen in Deutschland bestehe. Neben dem reinen Handel der Münzen könne künftig auch eine Bezahloption in die App integriert werden.

„Die Bison-App ist nur ein erster Schritt in der Digitalstrategie der Gruppe Börse Stuttgart“, sagt Spankowski. Künftig wolle man grundsätzlich neu denken, wie Vermögensanlagen digitalisiert werden können. Bitcoin und Co. sind der Testballon. Eine ICO-Plattform für Unternehmensbeteiligungen über die Blockchain soll folgen, sagt Spankowski, samt eines Handelsplatzes für diese digitalen Assets.

Bislang beackerten vor allem Start-ups den Markt für Kryptowährungen mit ihren digitalen Angeboten. Mit der Bison-App und der Börse Stuttgart hat sich nun ein gewichtiger Konkurrent auf dem deutschen Markt etabliert.

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