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Kryptowährungen Warum der Bitcoinpreis so stark schwankt

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Der Markt ist jung und unerfahren

Der Krypto-Markt ist noch sehr jung. Satoshi Nakamoto, der anonyme Erschaffer des Bitcoin, startete die erste Kryptowährung am 9. Januar 2009. Somit ist der Bitcoin gerade einmal zwölf Jahre alt, viele andere digitale Währungen sind sogar noch deutlich jünger. Und genau hier finden wir einen Grund für die Volatilität des Krypto-Marktes: dieser ist erst im Entstehen.

Auf den traditionellen Wertpapiermärkten werden die Aktivitäten von erfahrenen Banken und institutionellen Investoren beherrscht, die größere Transaktionen marktschonend begleiten, als Market-Maker oder Liquidity-Provider Kurse stellen und so zu einer gewissen Vorhersehbarkeit von Kursentwicklungen beitragen. An den Krypto-Märkten fehlt dieses „Establishment“ weitgehend.

Jeden Tag kommen neue, unerfahrene Anleger hinzu. Diese lassen sich leicht durch einzelne Nachrichten, oft in irrationaler Weise, zu Kauf oder Verkauf von Kryptowährungen verleiten - auch verunsichert durch die hohe Volatilität, die sich dadurch aber nur weiter verstärkt.

Zusätzlich werden die größten Krypto-Bestände anstelle rational handelnder institutioneller Anleger sogenannten Walen zugeordnet. Das sind in vielen Fällen Krypto-Investoren der ersten Stunde, deren Bitcoin-Bestände heute mehrere Milliarden US-Dollar wert sind und deren Investitionsverhalten nicht zwangsläufig von rationalen Beweggründen bestimmt wird.

Auch die sich laufend ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen für Kryptowährungen sind ein ständiger Quell für Unsicherheit und damit ein Auslöser von Kursschwankungen. Mal ist es ein im Raum stehendes Verbot von Krypto-Geschäften in China oder der Türkei, dann wieder gibt es Länder wie El Salvador, die den „First-Mover-Vorteil“ für sich beanspruchen und Bitcoin über Nacht zur offiziellen Währung machen.

Daten-Overflow ohne Fundamentaldaten

Anders als bei Aktien oder Anleihen kann der vermeintlich richtige Preis von Kryptowährungen in der Regel nicht aus Fundamentaldaten hergeleitet werden. Während die Gewinn-Erwartungen einer Aktiengesellschaft oder der Verschuldungsgrad eines Anleihe-Emittenten als Basis für die Preisermittlung herangezogen werden können, ist der Krypto-Investor auf andere Informationen angewiesen.



Anstelle von Unternehmensdaten bietet der Krypto-Markt allerdings eine Vielzahl anderer Erkenntnisquellen, denn die Blockchain ermöglicht den Zugriff auf sämtliche weltweit durchgeführte Transaktionen. Dadurch stehen uns unglaublich viele Informationen zur Verfügung, da die Blockchain nicht nur Käufe und Verkäufe, sondern jeden Transfer von Coins von einer auf eine andere Wallet aufzeichnet und für jedermann einsehbar speichert.

Viele Investoren verwenden diese sogenannten on-chain-Informationen, etwa die Anzahl aktiver Bitcoin-Adressen, für eigene Analysen und als Grundlage für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen. Allerdings fehlt es auch hier an einheitlichen Standards. Zudem spielen viele weitere Faktoren eine Rolle. Ob also ein starker Zuwachs der aktiven Adressen tatsächlich einen Kursanstieg erwarten lässt oder ob stattdessen ein Kursrückgang bevorsteht, ist unklar und führt zu erhöhter Volatilität.

Aber die On-Chain-Metriken verraten uns noch viel mehr, und zwar unter anderem, wie es um die Miner Aktivität steht, sprich wie viele Coins gerade produziert werden, welche OTC-Käufe getätigt wurden (OTC steht für Over the Counter und bedeutet übersetzt „über den Tresen“), die Höhe der Gebühren, die Exchange Aktivitäten, Derivate, Institutionen, Distributionen, Exchanges, Long/Short Term Aktivitäten, Marktindikatoren, Network Statistiken, Preise, Supply, Transaktionen, Volumen und vieles mehr.

Rendite und Risiko abwägen

Wer letztlich ermitteln will, ob die Risiken der Krypto-Märkte einem Investment entgegenstehen, sollte daher nicht nur auf die Volatilität, sondern besser auf die sogenannte Sharpe Ratio blicken, mit der die risikoadjustierte Rendite von Kapitalanlagen errechnet wird. Hierbei geht es also um die Mehrrendite, die eine Anlage für das zusätzliche Risiko bietet – und je höher die Sharpe Ratio, desto höher die risikobereinigten Renditechancen.

Ermittelt man die Sharpe Ratio für ein Bitcoin-Investment mit einer Haltedauer von vier Jahren, so ergibt sich eine hervorragende Überrendite pro Risikoeinheit, die seit 2014 regelmäßig den Wert von mehr als zwei erreicht und kontinuierlich deutlich höhere Werte aufweist als etwa Gold, der Aktien- oder auch der Immobilienmarkt.

Die hohe Share-Ratio ist letztlich der wesentliche Grund, dass eine Beimischung von Bitcoin oder anderen virtuellen Währungen zu einem bestehenden Portfolio trotz der hohen Volatilität grundsätzlich zu einer Risikooptimierung und Ertragssteigerung des Portfolios beiträgt.



Fazit

Die Welt hat es in Bezug auf Krypto mit einer gänzlich neuen Investmentklasse zu tun. Dass die Kursschwankungen auf den Kryptomärkten deutlich stärker ausfallen, als wir das vom traditionellen Wertpapiermarkt gewohnt sind, hat seine guten Gründe. Gleichwohl sollte die höhere Volatilität nicht als Absage an Krypto-Investments missverstanden werden, sondern gerade Appetit darauf machen, durch eine langfristig ausgerichtete und möglichst auch breit diversifizierte Beimischung das Risiko-Renditeprofil bestehender traditioneller Portfolios zu optimieren.

Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst am 14.07.2021. Wir haben ihn aktualisiert und neu publiziert.

Mehr zum Thema: Der Bitcoin ist die älteste und gleichzeitig auch die teuerste Kryptowährung der Welt. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 hat die Kryptowährung eine rasante Wertsteigerung erlebt. Ein aktueller Überblick.

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