WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kryptowährungen Warum der Bitcoinpreis so stark schwankt

Quelle: imago images

Die Schwankungen auf dem Markt der Kryptowährungen sind extrem hoch. Welche verschiedenen Faktoren für die Preisschwankungen es gibt und was sie für Anleger bedeuten. Ein Gastbeitrag.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Moritz Schildt (55) ist Gründer der coinIX GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Hamburg. Vorher war er Strategieberater und Vorstand (CFO und CEO) in verschiedenen Finanzunternehmen. 2009 gründete er zunächst die nordIX AG, einen spezialisierten Asset Manager für festverzinsliche Anlagen und Derivate. 2017 folgte die Gründung der coinIX GmbH & Co. KGaA, eine Beteiligungsgesellschaft, die in digitale Assets und Blockchain-Projekte investiert. Schildt beschäftigt sich seit 2013 mit digitalen Währungen und der Blockchain und ist Mitgründer und Vorstandsmitglied des Hanseatic Blockchain Institute (HBI), eines Vereins, der die Bekanntheit der Blockchain-Technologie fördern und bekannter machen will.

Ende des Jahres 2020 konnten sich Krypto-Investoren über ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art freuen: Mit einem Kurs von mehr als 23.000 US-Dollar erreichte der Bitcoin ein neues Allzeithoch und nicht wenige Anleger haben die Gelegenheit genutzt, um Kursgewinne zu realisieren.

Heute wissen wir: Es wäre besser gewesen, noch etwas zu warten, denn innerhalb von weniger als sechs Monaten stieg der Bitcoin-Preis in noch ungeahntere Höhen und knackte bei über 63.500 US-Dollar den nächsten Rekord. Zuletzt stürzte der Kurs zeitweise sogar wieder unter die Marke von 30.000 US-Dollar – und stieg danach wieder deutlich an. Kein Wunder, dass diese hohen Kursschwankungen viele Investoren abschrecken.

Nun ist die Volatilität einer der wichtigsten Indikatoren für das Risiko einer Anlage. Eine hohe Volatilität steht gemeinhin für stark schwankende und damit vermeintlich auch unsichere Anlageformen. Andererseits liegt in der Volatilität des Krypto-Marktes auch eine große Chance, nämlich die Chance auf hohe Gewinne. Die deutliche höhere Volatilität der Kryptowährungen gegenüber traditionellen Kapitalanlagen hat mehrere Gründe, die letztlich auf den Besonderheiten der Krypto-Märkte beruhen und durchaus auch den Reiz eines Investments in digitale Assets ausmachen.

Wer die Schwankungen der Krypto-Märkte betrachtet, erkennt schnell, dass Kurssprünge von zehn Prozent und mehr am Tag sowohl beim Bitcoin als auch in anderen Kryptowährungen keineswegs ungewöhnlich sind. Dies gilt allerdings sowohl für Kurssteigerungen als auch für Kursverluste: Mit der Volatilität steigt das Risiko, aber eben auch die Chance.

Ein Verlust von fast 50 Prozent innerhalb weniger Tage, wie ihn der Bitcoin kürzlich erleben musste, klingt zunächst nach einem herben Rückschlag. Ein Investor, der sich kurz zuvor allerdings über eine Verzehnfachung seines Investments – also einen Kursanstieg von 1000 Prozent freuen durfte – steht auch einer Halbierung des Wertes relativ gelassen gegenüber.

Gerade der langfristig orientierte Investor findet in Kryptowährungen eine Anlagemöglichkeit, die zwar hohe Kursrisiken und zudem noch eine Vielzahl anderer Risiken birgt, aber gleichzeitig auch das Potenzial einer deutlichen Vervielfachung des Investments bieten kann. Da hilft es, die Gründe für die hohen Schwankungen zu verstehen.

Moritz Schildt (55) ist Gründer der coinIX GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Hamburg. Quelle: PR

24/7-Handel ohne Regeln

Eine nicht zu vernachlässigende Besonderheit der Kryptomärkte besteht darin, dass es weltweit hunderte Handelsplätze gibt, die sieben Tage die Woche rund um die Uhr den Handel mit den digitalen Währungen ermöglichen. Diese Handelsplätze unterliegen oft keiner staatlichen Regulierung, es bestehen also weder Vorschriften für die Preisfeststellung, noch besteht die Möglichkeit einer Aussetzung des Handels. Somit kann zu Zeiten geringer Handelsaktivität, beispielsweise an einem Sonn- oder Feiertag, schon bei relativ geringen Umsätzen eine erhebliche Kursverwerfung entstehen.

Jeder kann hebeln

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Krypto-Handelsplätze besteht darin, dass es für Investoren an den Krypto-Märkten sehr einfach ist, gehebelte Investitionen zu tätigen, also mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz große Positionen einzugehen und so das Potenzial für Gewinne und Verluste deutlich zu erhöhen. Wenn aber viele Investoren über gehebelte Positionen in einem Markt investiert sind, potenziert sich die Intensität von Kursentwicklungen. Setzt ein Investor nämlich mit einem Hebel auf steigende Kurse, so ist er auch bei fallenden Kursen entsprechend gehebelt. Ein relativ geringer Kursrückgang kann also erhebliche Verluste auslösen und zum Zwangsverkauf einer Position führen, die dann zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen kann.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%