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Kultmarke an der Wall Street Levi's feiert fulminante Börsenrückkehr in New York

Levi's: Großes Comeback an die New Yorker Börse Quelle: REUTERS

Auch über 145 Jahre nach der Erfindung der Blue Jeans bleibt Levi's in der Modewelt eine Größe für sich. Nun kehrt der legendäre US-Hersteller mit den bayerischen Wurzeln an die Börse zurück.

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Die Blue-Jeans-Ikone Levi Strauss (Levi's) hat den Angriff der Yogahosen abgewehrt und in den vergangenen Jahren ein beachtliches Comeback geliefert. Nun durfte das Unternehmen, dessen Wurzeln auf einen bayerischen Auswanderer zurückgehen, der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Goldrausch in Kalifornien angelockt wurde, auch an der Börse eine fulminante Rückkehr feiern. Am Donnerstag wurden die Aktien unter dem Tickerkürzel „LEVI“ an der New York Stock Exchange (NYSE) gelistet – und Anleger rissen sich um die Papiere.

Der erste Kurs lag bei über 22 Dollar und damit rund 30 Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Dollar. Zeitweise ging es sogar um mehr als 35 Prozent nach oben. Das Levi's-Debüt machte sich an der Börse auch optisch bemerkbar. Nicht nur, weil das Management-Team wie traditionell üblich den Aktienhandel einläutete. Die NYSE lockerte zu Ehren des Unternehmens ihren Dresscode und hob die „No Jeans“-Vorschrift auf dem Handelsparkett auf, so dass auch die Börsenhändler ihre Levi's-Hosen tragen konnten.

Schon am Vorabend stand fest, dass die Erwartungen des Börsengangs übertroffen werden – wegen starker Nachfrage hatte Levi's den Ausgabepreis für seine Aktien auf 17 Dollar angehoben, zunächst war eine Spanne zwischen 14 und 16 Dollar angepeilt worden. Damit sammelte der Modekonzern zu einer Gesamtbewertung von rund 6,55 Milliarden Dollar gut 623 Millionen Dollar (545 Mio Euro) an frischem Kapital bei Investoren ein. An der Wall Street ist Levi's ein alter Bekannter – bereits 1971 war ein Börsengang vollzogen worden, die Firma wurde jedoch Mitte der 1980er Jahre wieder privatisiert.

Nun kehrt eine legendäre Marke der Modewelt und eine der traditionsreichsten US – Firmen an die Börse zurück. Gegründet wurde das Unternehmen von Namensgeber Levi Strauss, der von Bayern aus zunächst nach New York auswanderte und auf dem Höhepunkt des Goldrausches an die US-Westküste weiterzog, um in Kalifornien sein Glück zu finden. 1853 startete Strauss in San Francisco ein Textilgeschäft und spezialisierte sich auf robuste Arbeitskleidung. Erst Jahre später aber gelang ihm mit seinem Geschäftspartner Jacob Davis der historische Geniestreich: Die Erfindung der Blue Jeans.

1873 ließen sie das Kleidungsstück patentieren, das die Modewelt revolutionieren sollte. Jeans waren mit ihrem strapazierbaren Denim-Baumwollstoff nicht nur die perfekte Ausrüstung für Goldschürfer, sondern auch für Minenarbeiter, Farmer oder Handwerker. Rasch verbreiteten sich die praktischen Hosen auch darüber hinaus. Anfangs noch ein Merkmal der Arbeiterklasse, wurden Jeans im 20. Jahrhundert – auch dank Cowboyfilmen, Rebel-Image und Popkultur – endgültig von der Funktionskleidung zum modischen Mainstream.

Heute ist die Levi's-Jeans ein Klassiker, der Hersteller globaler Marktführer, die Marke allgegenwärtig. Die Hosen mit dem markanten roten Logo an der rechten Hintertasche gibt es in diversen Stilen und Variationen, hinzu kommen zahlreiche Jacken, Hemden und sonstige Modeartikel. Dennoch tat sich Levi's, das auch noch die Zweitmarke Dockers für Khakihosen betreibt, in der jüngeren Vergangenheit zeitweise schwer. Das lag nicht zuletzt am „Athleisure“ – Trend – dem lockeren Fitness – Style, der seit einigen Jahren anhält und frühere Modesünden wie Yoga – und Jogginghosen salonfähig machte.

Plötzlich war „Athleisure“ in aller Munde – und Levi's sah alt aus. „Das ist kein Trend mehr, es ist jetzt ein Lebensstil, der für Kunden aller Altersgruppen zu komfortabel ist, um schnell wieder zu verschwinden“, konstatierte die Marktforschungsfirma NPD Group. Während Sportartikelriesen wie Nike oder Adidas frohlockten und ihre Produktpaletten entsprechend ausbauten, stürzte die Konkurrenz durch Leggings und Schlabberlook Levi's zwischenzeitlich in eine Krise. 2015, als der Trend zur alltagstauglichen Sportbekleidung so richtig auf dem Vormarsch war, brach der Umsatz um über fünf Prozent ein.

Doch Levi's berappelte sich rasch wieder. Statt der Verlockung zu erliegen, eine der boomenden „Athleisure“ – Firmen zu kaufen und unters Konzerndach zu stellen, besann sich das Unternehmen auf seine eigenen Stärken. Neben aufwendigen Werbekampagnen zur Markenpflege zahlte sich vor allem aus, dass Levi's nun in großem Stil auf Stretch – Material setzte, das Jeans bequemer und als Alternative zu Leggings und Yogahosen wieder attraktiver machen sollte. Der Plan ging auf: 2018 stiegen die Erlöse um 14 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte leicht auf 285 Millionen Dollar.

Von großer Tradition geprägt, sind auch die Besitzverhältnisse des immer noch in San Francisco ansässigen Konzerns. Derzeitige Eigentümer sind Nachfahren von Firmengründer Levi Strauss. Der 1902 verstorbene Unternehmer hatte selbst keine Kinder, er hinterließ die Firma seinen vier Neffen und anderen Familienangehörigen. Deren Nachfahren kontrollieren das Unternehmen bis heute und werden ihren Einfluss durch den Börsengang auch nicht einbüßen, weil ihre Aktien mehr Stimmrechte als bei gewöhnlichen Investoren haben.

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