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Kurseinbrüche Chinas Börsen halten uns noch lange in Atem

Die Kurse an Chinas Börsen haben sich nur aufgrund der Eingriffe durch die Regierung stabilisiert. Warum das keine langfristige Lösung ist und welche Auswirkungen der Crash hat.

Mit brutaler Härte sind die Chinesen auf dem Boden der vermeidlich freien Märkte angekommen. Quelle: dpa

In China ist gerade Fortbildung angesagt. Das Thema des Mitmach-Seminars: "Börsenblasen und ihre Folgen". Mit brutaler Härte sind die Chinesen auf dem Boden der vermeidlich freien Märkte angekommen. Am Montag rauschten die Börsen in Shanghai und Shenzen jeweils um mehr als acht Prozent nach unten, die Leitindizes erlitten den größten Kurssturz seit acht Jahren. Auch am Dienstag verbuchten sie teilweise deutliche Verluste, der Shanghai-Composite schloss rund 1,7 Prozent im Minus.

"Mit jedem Einbruch werden die Sorgen der Investoren um China, die Wirtschaft und die Börse, aber auch die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft größer", sagt CMC Markets-Analyst Andreas Paciorek. Tatsächlich warnen viele Analysten davor, die möglichen Folgen einer China-Krise für die globale Konjunktur zu unterschätzen. Allein beim Kurssturz am Montag wurden umgerechnet rund 629 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet. Zum Vergleich: die Eskalation der Griechenland-Krise kostete laut Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zwischen dem 21. und dem 30. Juni 300 Milliarden Dollar an Börsenwert - allerdings weltweit, bei den 100 teuersten Aktiengesellschaften.

Der Vergleich zeigt, dass die Probleme in Griechenland den Herzschlag der internationalen Märkte kurz zu einem Stolperer gebracht haben. Das Beben in China dagegen könnte mindestens ein mittelschweres Kammerflimmern auslösen, zusammen mit den entsprechenden Risiken. Denn die Weltwirtschaft könnte an einigen Punkten ins Stocken geraten, wenn die wirtschaftliche Lage Chinas ungeklärt bleibt. Sollte die Abkühlung anhalten, könnte sie das Weltwirtschaftswachstum in den nächsten Jahren unter die Marke von zwei Prozent drücken, erklärt Ruchir Sharma, Schwellenländer-Chef bei Morgan Stanley Investment Management.

Wunder Punkt für die Weltwirtschaft

Das wäre laut Sharma eine weltweite Rezession und zudem der erste globale Abschwung seit 50 Jahren ohne eine gleichzeitige Schrumpfung in den USA. “Die nächste globale Rezession ist Made in China”, sagt Sharma im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. “In den nächsten Jahren werden die wunden Punkte für die Weltwirtschaft wohl vor allem in China liegen.”

Für deutsche Unternehmen ist das fatal. Fast sieben Prozent der Exporte aus der Bundesrepublik gehen nach China. Beobachter wie Philipp Vorndran, China-Experte beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, geht davon aus, dass es bestimmte Branchen sein werden, die vom Wandel der chinesischen Wirtschaft besonders betroffen sein werden. Dazu dürften auch die deutschen Autobauer zählen. Insbesondere VW ist vom chinesischen Markt abhängig, die Wolfsburger dürften von einer Konjunkturflaute stärker betroffen sein als reine Premiumhersteller wie BMW oder Daimler. Im Zuge des Crashs am Montag verlor auch die VW-Aktie kräftig, erholte sich aber am Dienstag leicht aufgrund positiver Verkaufszahlen.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Trotzdem gilt: sollte die Nachfrage in China einbrechen, würde das vor allem die Wolfsburger treffen. Mehr als jedes dritte Auto wird dort verkauft, ein beachtlicher Teil des Konzerngewinns wird in China gemacht. Wie hoch dieser Teil genau ist, wird gerne verschwiegen, Analysten schätzen, dass mehr als ein Drittel des Nettogewinns aus dem Chinageschäft stammen. Schätzungen gehen schon jetzt davon aus, dass VW aufgrund der Krise Gewinneinbußen von mehr als einer Milliarde Euro drohen.

Folgen für die Rohstoffmärkte

Das größte Problem einer wirtschaftlichen Krise Chinas sind allerdings bei weitem nicht die deutschen Autobauer. Vielmehr beeinflusst sind die Rohstoffmärkte. Industriemetalle werden vor allem von China nachgefragt, zudem ist das Land der zweitgrößte Ölkonsument weltweit. Die Preise für Rohöl fallen derzeit auch aus Sorge vor einer schwächelnden Nachfrage in China.

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